Deutsch  |  English

Essen in der Schule: Bildung braucht Nahrung

Kinder brauchen Nahrung, und wenn sie diese zuhause nicht bekommen, versorgen viele Schulen ihre Schüler mit Schulessen. Waldorfschulen in Ländern des globalen Südens, die – anders als in Deutschland – keine staatlichen Subventionen erhalten, wissen oft nicht, wie sie den Kindern das Schulessen finanzieren sollen. Diesen Schulen möchten wir mit Ihrer Unterstützung helfen!

„Es fehlt an allem“

Nicht in jedem Ranzen gibt es ein Schulbrot. In der Zenzeleni Waldorfschule in Südafrika zum Beispiel, bringt nur ein Teil der Kinder eine Pausenmahlzeit mit. Manche Familien können es sich nicht leisten, ihren Kindern ein Lunchpaket mitzugeben. Doch um gut im Unterricht mitarbeiten zu können, brauchen auch sie etwas zu essen. Wer nichts dabei hat, bekommt eine kleine Verpflegung von der Schule. Doch ohne finanzielle Unterstützung schafft die Zenzeleni Schule das nicht, sie ist dafür dingend auf Spenden angewiesen.

Auch in der kleinen Waldorfschule École du Village in Haiti können die Familien ihre Kinder nicht mit genügend Essen versorgen. „Es fehlt ihnen an allem oder fast allem, vor allem an Nahrung“, erzählt die Schulgründerin Myriam Silien, der es sehr am Herzen liegt, gerade diese Kinder an der Schule willkommen zu heißen. Sie bekommen im Rahmen der Möglichkeiten der Schule etwas zu essen und werden nach den Grundsätzen der Waldorfpädagogik und vor allem ohne Schläge unterrichtet – die gehören nämlich an den öffentlichen Schulen in Haiti leider noch viel zu häufig zur Tagesordnung.

Ähnlich geht es der Tashi Waldorf School in Nepal, die Kindern eine Bildung ermöglicht, die sonst keine  Schule besuchen könnten. Wie in Haiti bietet die Schule außerdem eine Alternative zum völlig überholten Schulsystem des Landes. „Da die Mehrheit der Kinder aus armen Verhältnissen stammt oder Waisen sind, haben sie nur einen geringen Zugang zu nahrhaftem Essen“, sagt eine der Lehrerinnen. Die Kinder erhalten deswegen zwei Mahlzeiten in der Schule: Eine Zwischenmahlzeit nach der ersten Unterrichtseinheit sowie ein Mittagessen. Doch ihr Budget dafür ist begrenzt. Für eine optimale Versorgung der Kinder, die nicht nur den gröbsten Hunger stillt, sondern auch das Wachstum der Kinder fördert, brauchen sie zusätzlich etwa 500 Euro im Monat.

Auch das Projeto Salva Dor ist Anlaufpunkt für Kinder aus armen Familien. „Unsere Kinder bekommen meistens morgens zu Hause kein Frühstück. Nicht weil sie keine Zeit oder keine Lust haben, sondern weil ihre Eltern ihnen keins geben können“, berichtet eine Mitarbeiterin des Projekts, das in Salvador – einer der ärmsten Großstädte Brasiliens – Kindern vor und nach der Schule eine waldorfpädagogische Betreuung anbietet. Hier erhalten sie ein Frühstück und können gestärkt in die Schule gehen. Auch am Nachmittag werden sie verpflegt oder nehmen zum Beispiel an Kochkursen teil. Die Eltern der Kinder bezahlen zwar – ihren Möglichkeiten entsprechend – kleine Beiträge. Doch dieses Geld reicht bei weitem nicht aus, um eine gute Betreuung und eine sinnvolle Verpflegung zu gewährleisten. Das Projekt ist auf Spenden angewiesen. Etwa 1.500 Euro im Monat brauchen die Betreuerinnen und Betreuer in Salvador, um wirklich etwas bewirken zu können.

Uns allen ist klar, dass schlechte Ernährung ebenso wie Unterernährung schädlich für die Entwicklung eines Kindes sind und das Lernen stark beeinträchtigen. Mangelnde Konzentration und ein verringertes Vermögen, Gelerntes zu behalten, können Folgen von Mangelernährung sein. Bildung braucht eben Nahrung. In der Waldorfschule in Hawzien, einer kleinen Stadt im Norden Äthiopiens, erhalten die Kinder in der Schulpause Brötchen und Milch. Da einige Familien ihre Kinder selbst nur mit maximal einer Mahlzeit am Tag versorgen können, ist das Essen an der Schule besonders wichtig. Doch es kommt vor, dass es nur sehr kleine oder gar keine Brötchen gibt, denn oft ist das Mehl knapp. Ziel der Schule ist es einerseits, verlässlich Mahlzeiten anzubieten und in Zeiten von Mehlknappheit auf eine Alternative zurückzugreifen, vor allem aber auch den Nährwert des angebotenen Essens zu erhöhen. „Wünschenswert für die Zukunft wäre zum Beispiel eine Suppe für alle Kinder am Mittag“, erklärt uns Magdalena Bächtle, Initiatorin und Begleiterin der Schule. Doch ohne Hilfe ist das unmöglich. 9.000 Euro im Jahr sind nötig, um die 280 Kinder der Schule gesund und angemessen zu versorgen.

Auch die Rudolf Steiner Schule Mbagathi am Stadtrand von Nairobi bietet den Schülerinnen und Schülern verlässliche Mahlzeiten an. Zum Beispiel auch dann, wenn das Land – wie im letzten Jahr – von einer verheerenden Dürre heimgesucht wird. Kurzfristig konnte mit einem sofortigen Spendenaufruf der Schule im letzten Frühherbst geholfen werden. Doch das Problem besteht weiter. Die Schulleitung erklärt: „Die langfristigen Konsequenzen des Klimawandels sind nicht vorhersehbar, die kurzfristigen schon: Das tägliche Leben wird immer schwieriger, die Lebensmittel werden knapp, die Preise steigen und das Trinkwasser wird rationiert. Dies verursacht Unsicherheit und Angst vor der Zukunft.“ Um den Kindern diese Angst zu nehmen, braucht die Schule Unterstützung durch Spenden. Für jedes Kind werden etwa 120 Euro im Jahr benötigt, damit es mit warmem und nahrhaftem Essen versorgt werden kann.

Das Mittagessen ist an vielen Schulen auch deshalb so wichtig, weil es eine ganztägige Betreuung der Kinder ermöglicht. Armut und geringes Einkommen haben sehr häufig zur Folge, dass die Eltern viele Stunden arbeiten gehen und dafür auch lange Wege auf sich nehmen. Die Eltern sind also mittags gar nicht da, um den Kindern ein Essen zubereiten zu können, geschweige denn sie den Rest des Tages zu betreuen. So geht es auch der – noch – kleinen Schule Hebet el Nil in Ägypten.  In Ägypten gehen oft 70 Kinder in eine Klasse und sollen lernen, indem sie im Chor nachbrüllen, was der Lehrer vorspricht. Wer nicht mithalten kann, läuft Gefahr, Schläge zu kassieren. Viele Kinder gehen trotz Schulpflicht gar nicht in die Schule, die Analphabetenrate liegt zurzeit bei 30 Prozent. Vor allem für Mädchen ist der Zugang zum Schulsystem besonders schwierig. Da der Staat nur wenig Geld für seine Schulen zur Verfügung stellt, entstanden in den letzten Jahren einige Privatschulen, die natürlich nur für Menschen mit hohem Einkommen zur Verfügung stehen. Genau das will die Hebet el Nil Schule nicht. Hier dürfen alle Kinder hinkommen. Die meisten Kinder kommen aus armen Familien, nicht einmal die Hälfte von ihnen kann überhaupt einen finanziellen Beitrag zur Schule leisten. Bisher werden die Kinder nur am Vormittag betreut und gehen dann nach Hause. Doch die Gründerin Nathalie Kux möchte dies so schnell wie möglich ändern: „Um 13 Uhr gehen die Kinder schweren Herzens nach Hause, wo es für sie am Nachmittag keine sinnvolle Beschäftigung gibt. Ich möchte erreichen, dass die Kinder ab dem nächsten Schuljahr auch nachmittags in der Schule bleiben können. Dann wären vielfältige Tätigkeiten wie Musik, Gartenbau, Spiel und Sport für sie möglich. Doch um das zu verwirklichen, muss sie den Kindern eine Mittagsmahlzeit anbieten können. Dafür fehlt zunächst die Einrichtung einer Küche: Kühlschrank, Ofen, Töpfe, Tische, Bänke, Teller, Becher und Besteck werden hier benötigt.

Bei all dem dürfen wir nicht vergessen, dass Kinder für ein gutes Lernen nicht nur irgendwie satt werden müssen. Sie brauchen eine reichhaltige und durchdachte Ernährung. Denn es ist nicht nur so, dass Bildung Nahrung braucht. Gleichzeitig gilt nämlich: Nahrung ist Bildung. Das gemeinsame Einnehmen der Mahlzeiten ist ein wichtiges soziales Element und durch den Beginn der Mahlzeit mit einem Spruch kann Dankbarkeit erlebt werden. Gesunde Nahrungsmittel haben einen bildenden Effekt. Vielleicht entdecken die Kinder hier etwas, das sie von zu Hause nicht kennen. Sie haben ganz nebenbei die Möglichkeit andere Geschmacksrichtungen, andere Zubereitungsformen und andere Zutaten zu entdecken. Eine Investition in das Schulessen hat also einen Effekt auf vielen verschiedenen Ebenen und kann im besten Fall den Kreislauf schlechter Ernährung durchbrechen und bei Kindern die Freude am Lernen stärken.

Mit einer herzlichen Bitte um Ihre Spende,

Nana Göbel, Henning Kullak-Ublick, Bernd Ruf, Andreas Schubert

Spendenkonto

Freunde der Erziehungskunst
GLS Bank Bochum
IBAN: DE47 4306 0967 0013 0420 10
BIC: GENODEM1GLS
Stichwort „Aufruf/Schulessen“

 Zum Spendenformular

Schulessen - weitere Informationen zum Thema:

Nicht nur die wenigen Schulen, die wir hier in diesem Aufruf erwähnen können, brauchen Ihre Hilfe. In der aktuellen Ausgabe unseres Rundbriefs „Waldorf Weltweit“ (Frühjahr/Sommer 2018) lernen Sie einige weitere Schulen kennen, auf die das zutrifft. Das Magazin liegt kostenlos für Sie in vielen Waldorfschulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen aus. Sie können es auch online als PDF hier lesen. Gerne schicken wir Ihnen ein Exemplar zu. Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail. Zusätzliche Inhalte zum Thema Schulessen finden sie auch hier auf unserer Webseite unter freunde-waldorf.de/schulessen.

Aktueller Spendenaufruf

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende Schulen und Kindergärten zu unterstützen, in denen die Kinder ein Schulessen bekommen, während sie zu Hause oft keine ausreichende Versorgung erhalten ...

Jetzt Pate werden

Ermöglichen Sie einem Kind den Schulbesuch

Die Freunde fördern

Unterstützen Sie unsere Arbeit

Diese Seite teilen: