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Ñamandu: Waldorfpädagogik bei den Mbya unter Palmendächern

Mitten im Dschungel von Argentinien besteht seit 2015 eine kleine Schule in der indigenen Gemeinde Ñamandu. Besucht wird diese von den Kindern, die rund um Ñamandu wohnen. Die Gegend ist vom Urwald geprägt, die Einheimischen decken ihre Hütten mit Palmen. 2016 entstand in dieser Schule zusätzlich ein Waldorfkindergarten, der sich um die Kleinsten des Mbya-Guaraní Stammes kümmert. Dort werden die Vormittage mit den Methoden der Waldorfpädagogik und den Inhalten der Kultur der Mbya gestaltet.

Der Kindergarten Kyringue'i Aty Ñeovanga wird mittlerweile von BewohnerInnen des Dorfs geleitet: Mirian Benitez und Diego Escobar. Die beiden, sowie alle anderen Erwachsenen, hatten nicht das Glück, eine Schule besuchen zu können, denn Ñamandu liegt vier Stunden Fußmarsch von der nächsten Schule entfernt. Außerdem wird dieser Ort vor allem von Weißen besucht, deren Lebenswelt nur wenig soziale Überschneidungen mit der Kultur der Mbya aufweist. Oftmals fühlen sich die Kinder aus den Stämmen dort unwohl und werden zudem gehänselt. Mirian und Diego singen, tanzen und basteln umso begeisterter traditionell mit den Kindern und besuchen am Wochenende ein Waldorfseminar in der Provinzhauptstadt. Sie wachsen gemeinsam mit den Kindern an den vielen neuen Herausforderungen, vor denen das Projekt steht: wie fehlendes Wasser, Waldbrände, soziale Konflikte und das Bewahren der alten Mythen und Geschichten der Mbya.

Ursprünglich wurde der Kindergarten von zwei Freiwilligen gegründet. Auch weiterhin kommen jedes Jahr Freiwillige über die Freunde der Erziehungskunst und helfen Mirian und Diego. Auf Wunsch des Häuptlings, konnte ein Zweigkindergarten in einer Nachbargemeinde aufgebaut werden. Dort konnte ebenfalls ein Vater aus dem Dorf als Kindergärtner gewonnen werden.

Da die Mbya-Guaraní ein verschlossenes Volk sind, haben sie es geschafft, die spanischen Eroberungen und die Missionierungen der Jesuiten zu umgehen und welches daher immer noch im Nord-Osten Argentiniens im Dschungel lebt. Die Kultur und Religion konnte sich größtenteils bis heute erhalten, doch mit dem stetigen Schrumpfen des Urwalds und den neuen digitalen Einflüssen stehen auch diese auf dem Spiel. Für die Kindergartenkinder bleibt die Zukunft ungewiss.

Besonders leidet unter den Einflüssen der „zivilisierten“ Welt die Gesundheit der Kinder. Mehl und Zucker verdrängen immer mehr die Beeren und Feldfrüchte des Dschungels und in dem schrumpfenden Wald lassen sich nur noch wenige Tiere jagen. In der Schule erhalten die Kinder jeden Tag drei eiweißreiche Mahlzeiten. Doch auch dort fehlt es an Geld für gesundes Essen mit Maniok, Bananen, Süßkartoffeln, Bohnen und Gemüse. Der Kindergarten finanziert sich über Spendengelder und den Verkauf von Holztieren, die die Eltern schnitzen. Zusätzlich werden auch Spenden für Bananen und gesünderes Mittagessen gesammelt. Eine Gruppe von ehemaligen Freiwilligen kümmert sich aus Deutschland um diesen Verwaltungsaufwand des Kindergartens.

Material

Bilder aus Ñamandu

Ein Rezept aus diesem Projekt findet ihr in unserem WOW-Day Kochbuch.

Hier geht's zum Märchen Ñanderu Sapukai, welches im Mbya-Volk erzählt wird.

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