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Die Pionierwaldorfschule Russlands

Russland: Der Anfang der heute größten Waldorfschule Russlands, die Moskauer Waldorfschule, reicht zurück ins Jahr 1990. Als staatliche Waldorfschule konnte sie sich allerdings erst 1996 registrieren lassen. Heute zählt sie 395 Schüler und ein Kollegium von 35 Lehrern. Sie führt von Klasse eins bis Klasse elf und genießt einen ausgesprochen guten Ruf in der Öffentlichkeit und im Bildungsministerium.

In einem der fünf Stockwerke des Moskauer Schulhauses steht ein Tisch, der an einem Ende dieser Etage beginnt und am anderen aufhört. Darauf sind unzählige kulinarische Aufmerksamkeiten aufgetürmt als stünde eine Dorfhochzeit bevor. Aber nein, es ist Erntedankfest! Und es gibt so viele Anlässe, die Grund zum Feiern sind. In der Öffentlichkeit ist die Nominierung des Musiklehrers, Starodubzev Michail Leonidowitsch zum Lehrer des Jahres 2009 wohl der wichtigste. Auch das russische Fernsehen ist gekommen, um die Feierlichkeiten mitzuerleben und zu filmen. Im Jahr 2010 wurde Michael Sluch - Mathematiklehrer und Schuldirektor - als bester Lehrer des Jahres gekürt. Der Premierminister Putin besuchte daraufhin die Schule im November 2010 und sprach über die pädagogischen Probleme Rußlands.

Die Nominierung eines ihrer Mitarbeiter zum Lehrer des Jahres erlebt die Moskauer Waldorfschule nicht zum ersten Mal. Sie ist für ihre ausgezeichnete Lehrerschaft bekannt. Der Blick auf die Abschlüsse der staatlichen Examen der Schüler zeigt, dass auch hier viel Engagement dahinter steckt: Die Noten sind ausgesprochen gut, einige Schüler schließen sogar mit Zertifikaten ab. Dass die Schule ihren guten Ruf in der Öffentlichkeit halten kann, verwundert daher nicht; ihn erworben zu haben, verdankt sie dem unermüdlichen Einsatz des leider früh verstorbenen, langjährigen Leiters Anatolij Pinskij.  

Die Anfänge dieser Waldorfschule waren viel bescheidener. 1989 bildete sich der kinderpädagogische Klub Aristotel. Parallel dazu bereiteten sich 25 Menschen darauf vor, Waldorflehrer zu werden. Die erste Zeit verbrachte die junge Schule in einem Gebäude, das anfangs eher einer Ruine glich als einem Schulgebäude. Steigende Mieten und andere erhöhte Kosten konfrontierten die Initiative schon bald mit der Überlebensfrage: Sollte die Schule privat und damit eine Eliteeinrichtung werden, die nur wenigen Kindern zugänglich wäre, oder in staatliche Hände übergehen, wissend, welches Risiko dieser Schritt für den waldorfpädagogischen Impuls bedeuten könnte.

Die Entscheidung wurde getroffen – gegen die bequemere Elitelösung und für das Risiko. Wieder war es Anatolij Pinskij, der erreichen konnte, dass der Schule ungewöhnliche Freiheiten eingeräumt wurden, um waldorfpädagogisch Arbeit zu ermöglichen, sogar Eurythmieunterricht für jede Klassenstufe konnte durchgesetzt werden.  

All die erzielten Erfolge der Schule dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Klima für „nichttraditionelle“ aber staatliche Schulen in Russland verschlechtert. Die geringeren Gehälter gestalten es manchmal sehr schwierig, gute neue Lehrer zu finden und zu behalten. Und im Zusammenhang betrachtet, ist die Schule für russische Verhältnisse klein. Doch Lehrer, Eltern und Schüler wissen, was sie an dieser Schule haben und sind bereit, sich für sie einzusetzen. Eine wichtige Stütze ist dabei der Austausch mit Partnerschulen in Deutschland.

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