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Liceul Teoretic Waldorf – Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Moldawien: Das "Liceul Teoretic Waldorf" in Chișinău wurde 1992 gegründet. Bis heute ist die Schule eine staatliche Einrichtung, die sich in vielen Verhandlungen ihre pädagogische Autonomie erkämpft und staatliche Anforderungen mit dem Waldorflehrplan verknüpft. Inzwischen werden der Kindergarten und die Klassen 1 bis 12 von über 400 Kindern bzw. Schülerinnen und Schülern besucht.

Als sich das Land 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion von dieser lossagte, begann eine Zeit des Aufbruchs und es entstanden erste Waldorfinitiativen. Die Waldorfschule in Chişinău ist nach wie vor die einzige Waldorfinitiative, die über die Kinderschuhe hinaus einen überlebensfähigen Organismus aufgebaut hat. Mit viel Kraft und Engagement wird hier um Waldorfqualitäten und eine wirkliche Gemeinschaft gerungen.

Zwar ermöglicht der Status als staatliches Lyzeum den Schülern ihre Schullaufbahn mit dem Bakkalaureat (Abitur) abzuschließen und bringt der Schule eine gewisse finanzielle Unterstützung, aber Fächer wie Werken, Handarbeit, Malen oder Eurythmie werden staatlich nicht finanziert und daher müssen die Eltern für sie aufkommen. Auch das liebevolle Verwandeln der ehemals grauen Räume in wunderschöne, einladende Klassenzimmer geschah im Laufe der Jahre durch Lehrer und Eltern.

Während in den unteren Klassen noch genug Zeit für künstlerisches Arbeiten ist, wird diese mit zunehmendem Prüfungsdruck in den oberen Klassen immer weniger. Trotzdem ist die Kunst wichtig, um die Brücke zwischen staatlichen Anforderungen und der Waldorfpädagogik zu schlagen. "Obwohl inhaltliches Arbeiten im Biologie-Unterricht der 6. Klasse anstand, kamen die Schüler vom Kopf her so erschöpft aus einer der vielen Prüfungen, dass kaum ein Unterricht möglich war" erzählt eine Lehrerin. So lässt sie beherzt die Schüler zu Farben und Pinsel greifen, um beim Malen von wilden Tieren auf dem großen Papier wieder ein wenig Lebendigkeit und echtes Interesse aufkommen zu lassen.

Von Anfang an pflegten die Mitarbeiter der moldawischen Schule den Kontakt zu anderen Waldorfschulen und so entstanden schon bald Schulpartnerschaften mit der Waldorfschule auf der Uhlandshöhe und in Wetterau (Bad Nauheim) in Deutschland. Mittlerweile findet auch ein regelmäßiger Austausch zwischen Schülern aus Waldorfschulen in Luxemburg und Rumänien statt. So besuchen beispielsweise die Fünftklässler die griechische Olympiade an der Waldorfschule in Bukarest und nehmen gemeinsam mit Kindern aus verschiedenen Städten Rumäniens an den Wettkämpfen teil. Dies ist für die Schüler eine wichtige Erfahrung um gemeinsamen Sportsgeist, Teamfähigkeit, kulturellen Austausch und Toleranz zu lernen und zu üben.

Die schwierige Wirtschaftslage des Landes und die extrem niedrigen Lehrergehälter zwingen viele Kollegen, noch eine weitere Arbeitsstelle anzunehmen, um über die Runden zu kommen. Umso wichtiger ist die Förderung aus dem Ausland, um die Lehrerschaft mehr zu unterstützen und damit die Qualität der Schule verbessern zu können. Zudem möchte die Schule ein neues Stockwerk erbauen, um der wachsenden Schüleranzahl gerecht zu werden.

Ein Mensch, der mit dem Schicksal der ersten und einzigen Waldorfschule Moldawiens besonders verbunden war, war Alexei Frunza. Er begann als Tanzlehrer, da aber der Schule ein Eurythmielehrer fehlte, begann er zu studieren: Nach vier Jahren am Eurythmeum in Moskau und einem Jahr an der Hochschule für Waldorfpädagogik in Stuttgart war Alexei Frunza der erste Eurythmist Moldawiens. Durch ihn lernten die Mitarbeiter des Erziehungsministeriums die Eurythmie kennen, denn sie hospitierten in seinem Unterricht.
Eine schwere Erkrankung und die Amputation eines Beines bewirkten zwar das Ende der Schaffensphase als Eurythmist, aber ebenso den Anfang seiner Tätigkeit als Leiter der Elternstiftung. So verwirklichte er bis kurz vor seinem Tod noch viele Projekte, die die bauliche Situation der Schule enorm verbesserten. Am 26. Juli 2009 starb Alexei Frunza, aber seine Impulse, auch die traditionellen Tänze, sind feste Bestandteile des Schullebens geworden.

Material

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