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Das Trauma überwinden

Notfallpädagogischer Folge-Einsatz in Simbabwe

„Viele Kinder haben Alpträume, sind introvertiert oder wiederum sehr aufgedreht und aktiv“, erzählt Moises Elosua López. Der Erlebnispädagoge aus Chile leitet derzeit den Einsatz eines 15-köpfigen internationalen Notfallpädagogik-Teams in Simbabwe. Zwar sind inzwischen über zwei Monate vergangen, seit der verheerende Zyklon Idai über Südostafrika hinweggezogen ist und hunderten Menschen das Leben gekostet hat, doch die seelischen Wunden, die den Betroffenen durch diese Katastrophe zugefügt wurde, bleiben weiterhin bestehen. Anfang April reiste bereits ein Notfallpädagogik-Team nach Mosmabik und Simbabwe, um sich einen Überblick über die Lage vor Ort zu verschaffen und psychosoziale Erste Hilfe zu leisten.

Mitte März hatte der Zyklon heftige Regenfälle, massive Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst, wodurch unter anderem auch ein Jungeninternat im Osten des Landes fast vollständig zerstört wurde. Als der Schlamm damals Schulgebäude und Menschen unter sich begrub, verloren zwei Schüler und der Sicherheitsmann ihr Leben. Insgesamt 170 Schüler konnten sich selbst oder gegenseitig aus den Trümmern befreien. Anschließend waren sie mehrere Tage zu Fuß mit ihren Lehrern in den Bergen unterwegs, bis sie schließlich gerettet wurden. Mit 32 Überlebenden dieser Katastrophe arbeitet das notfallpädagogische Interventionsteam nun rund 80 Kilometer entfernt von Harare, der Hauptstadt Simbabwes. Hier sind die Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren und ihre Lehrer an einer landwirtschaftlichen Schule untergebracht.

„Diese Jungen haben ein sehr schweres Trauma erlebt und brauchen dringend Hilfe, auch wenn es ihnen rein äußerlich betrachtet nun gut geht“, erläutert Moises Elosua López. Gemeinsam mit seinen Teamkolleg*innen aus Chile, Kenia, Simbabwe, Brasilien, Südafrika und Deutschland arbeitet er notfall- und traumapädagogisch mit den Schülern. Der Tag beginnt mit einem Anfangskreis und danach werden verschiedene Workshops angeboten. Beim Malen und Singen oder bei Bewegungsspielen und der Holzbearbeitung können die Jugendlichen das Erlebte verarbeiten und auf einer nonverbalen Ebene zum Ausdruck bringen. „Der geregelte Tagesablauf und die rhythmischen Spiele tun den Jungen gut und regen die Selbstheilungskräfte an“, bemerkt López. Nach dem Abschlusskreis folgt am Nachmittag die Arbeit mit den Lehrer*innen. Auch sie sind durch das Erlebte seelisch schwer getroffen und nehmen das Angebot der notfallpädagogischen Weiterbildung mit großem Interesse an. „Wir geben ihnen zunächst eine theoretische Einführung und erklären unter anderem, wie ein Trauma entsteht, welche Stadien es gibt und welche Auswirkungen es haben kann. Daneben zeigen wir ihnen Methoden und Übungen zur Traumabewältigung“, beschreibt López. Die Aus- und Weiterbildung von Lehrer*innen, Erzieher*innen oder Sozialtherapeut*innen gehört zum festen Bestandteil der notfallpädagogischen Arbeit. Dadurch kann eine nachhaltige, lang anhaltende Arbeit gewährleistet werden.

Zwar wird der Verarbeitungsprozess des Erlebten bei allen Betroffenen sicherlich noch lange andauern, doch ein erster Schritt zur Heilung der seelischen Wunden wird durch den Hilfseinsatz der Notfallpädagog*innen möglich.

 

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