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Thema: Schulessen

Gerade in Westdeutschland ist das Essen in der Schule ein noch relativ neues Konzept. Die meisten der heute Erwachsenen gingen zum Mittagessen überwiegend nach Hause – zumindest an den Regelschulen. Denn Waldorschulen übernahmen auch hier eine Pionierfunktion und viele ermöglichten schon in den 60er-Jahren ein warmes Mittagessen in der Schule. Was hier erst vor einigen Jahren durch die Einführung der verlässlichen Ganztagsschulen ins größere öffentliche Bewusstsein gelangte, ist in vielen anderen Ländern schon seit Jahrzehnten etabliert. Doch die Versorgung von Schülerinnen und Schülern mit warmen Mahlzeiten ist immer eine Herausforderung: finanziell, pädagogisch und eben auch kulinarisch. Dies gilt natürlich auch für Waldorfschulen – in Deutschland und überall auf der Welt.

Als 1985 in Berlin die Freie Waldorfschule Kreuzberg ihre Tore öffnete, begann Dorothee Brosi-Burmann für die Schule eine Küche aufzubauen. Zunächst kochte sie zu Hause für die Hortgruppe ihrer Tocher, die im Gründungsjahr der Schule eingeschult wurde. Die nachmittägliche Betreuung im Hort und damit auch die Versorgung der Kinder mit Essen war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Schule, berichtet Brosi-Burmann im Gespräch mit den Freunden der Erziehungskunst: „Wir befanden uns damals hier in einem sozialen Brennpunkt. Der Hort war also Existenzvoraussetzung. Die Mehrzahl der Kinder war den ganzen Tag in der Schule. Die meisten Eltern mussten arbeiten. Und zwar beide Eltern. Es war nicht so ohne weiteres möglich, dass man hier eine Familie von einem Gehalt finanzieren konnte. Und da die meisten Kinder den ganzen Tag in der Schule waren, mussten sie versorgt werden. Caterer gab es damals noch nicht so wie heute. Also war es nötig, die Küche aufzubauen.“ Was heute immer häufiger auch in Deutschland zum Schulalltag gehört – eine Schulküche mit Kantine – entwickelte Dorothee Brosi-Burmann praktisch aus dem nichts heraus. Sie ging neue Wege in Sachen Schulessen einerseits und andererseits in Bezug auf vegetarische und vollwertige Ernährung. An das Essen in der Schule hatte sie immer sehr konkrete Ansprüche: „Ich habe mich immer bemüht, dass die Schüler – vom Stofflichen her gedacht – bekommen, was während des Unterrichts abgebaut wurde. Und dass sie mit dem, was sie essen, insgesamt gesund ernährt werden.“ Diesen Anspruch findet sie ganz logisch, ebenso wie einen rein vegetarischen Speiseplan: „Wir waren da am Anfang Exoten – auch bezüglich des Bio-Anbaus. Und ich bin dann einfach unbeirrt weitergegangen. Wir müssen als Schulküche, das was es überall gibt nicht auch noch machen. Schon gar nicht als Waldorfschulküche. Man geht in der Pädagogik einen anderen Weg, also warum nicht auch beim Essen?“

Was einmal in der heimischen Küche begann, ist inzwischen zu einem großen Betrieb geworden, in dem täglich mehr als 1.400 Portionen gekocht werden. Aber an dem Punkt, an dem sich vor über 30 Jahre Dorothee Brosi-Burmann befand, stehen heute auch einige Waldorfschulen in anderen Ländern. Auch hier gilt: So wie der Anspruch an die Pädagogik ist, mehr als einfach nur Stoff zu vermitteln, ist die Anforderung an das Essen ebenfalls weit mehr als satt zu machen – auch wenn das satt machen vielerorts natürlich einen besonders hohen Stellenwert hat. Das findet auch die langjährige Hauswirtschaftslehrerin und Ernährungsexpertin Heidi Leonhard: „Eine ausgewogene, vollwertige, überwiegend vegetarische Ernährung der höchstmöglichen Qualität, die man bekommen kann, also Bio, möglichst regional, saisonal und fair gehandelt – all das ist ja auch nachhaltig! Natürlich wäre es dann auch gut, wenn die Küchenmitarbeiter eine Basis in der anthroposophischen Ernährung haben, denn der ganze Mensch soll angesprochen werden. Es handelt sich um Kräftebildung auf allen Ebenen des Dreigliedrigen Menschen. Das Essen hat auch die Aufgabe, die Kinder mit einem guten traditionellen Essen zu versorgen.  Genau so hat das Essen die Aufgabe, dass die Kinder und Jugendlichen lernen, über ihren Tellerrand zu schauen.“ Klar ist auch: Eine gute Ernährung unterstützt die Konzentrations- und Lernfähigkeit und hat auch Einfluss auf das Verhalten. „Während Unterernährung meist ein Problem von Krisenländern ist, kommen Fehlernährungen auch bei uns häufig vor“, erklärt Leonhard im Gespräch mit den Freunden der Erziehungskunst, „Kinder, die unterernährt oder auch falsch ernährt sind, sind nachweislich unruhiger und können sich schlechter konzentrieren. Außerdem rät sie dringend, den Wert des Essens anzuerkennen: „Es braucht erst die Entscheidung, dass qualitativ hochwertiges Essen für die Kinder und Jugendlichen zur Leitlinie der Schule gehört. Dann braucht es die Einstellung, dass Essen etwas kosten, also von Wert sein darf. Die Schulküche kann kein Gewinnbetrieb sein und muss sehr wahrscheinlich wie andere wichtige Elemente der Schule wie beispielsweise Handarbeit, Computer- und Werkunterricht oder Öffentlichkeitsarbeit zusätzlich finanziert werden.“

Schon bei uns in Deutschland ist die Finanzierung von gutem Schulessen oft ein heikles Thema. Wie sieht es da erst in Weltgegenden aus, in denen ohnehin schon weniger Geld sowohl für Bildung als auch für Ernährung zu Verfügung steht? Auf Waldorfschulen, die sich in einer solchen Lage befinden, möchten die Freunde der Erziehungskunst mit dem Schwerpunktthema „Schulessen“ aufmerksam machen. In einigen der Schulen, die wir Ihnen auf den nächsten Seiten vorstellen, werden die Kinder zu Hause kaum ausreichend ernährt. Die Eltern sind arm, arbeiten viel um gerade das Nötigste für die Familie zu verdienen und können sich am Tag kaum um die Kinder kümmern. Eine gemeinsame, vollwertige Mahlzeit für die ganze Familie ist oft nicht möglich. „Dadurch gewinnt die Schule als ein Ort, an dem nicht nur eine gute vollwertige Mahlzeit angeboten wird, sondern an dem auch Kulturtechnik und soziale Fähigkeiten geübt und schließlich auch Kenntnisse über die Nahrungsmittel vermittelt werden, an Bedeutung. Blickt man auf die Situation weltweit, so gibt es sogar Fälle, wo das Schulessen die wichtigste verlässliche Mahlzeit für die Kinder sein kann“, erklärt Heidi Leonhard. Die Schulen und damit die Kinder an diesem Punkt zu unterstützen, legt einen wichtigen Grundstein für die Zukunft: Gesundes Essen ist schließlich auch die Grundlage einer guten Ernährungsaufklärung. So kann der Kreislauf schlechter Ernährung möglicherweise durchbrochen werden.

Christina Reinthal
 

Die Expertinnen-Interviews, aus denen wir in diesem Text zitieren, finden Sie in voller Länge hier:

„Das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft“. Gespräch mit Dorothee Brosi-Burmann über den Aufbau der Schulküche in der Freien Waldorfschule Kreuzberg.

„Die Schulküche kann kein Gewinnbetrieb sein – sie ist eine Willensbekundung der Schulgemeinschaft“. Heidi Leonhard über die besondere Stellung von Schulessen in der heutigen Zeit.

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