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„Der kreative Teil in uns schläft nie“

KATÙ bedeutet in der Sprache der Bribri, eines indigenes Volkes in Costa Rica, „Glühwürmchen“ oder „Sammelstelle“. Ein passender Name für die Waldorfinitiative, die im Januar 2018 mit der Gründung eines Kindergartens erste sichtbare Formen annahm. Die Initiative in der Hauptstadt San José ruht auf festem Fundament und entwickelte sich Schritt für Schritt. Alles begann fast sechs Jahre vor der Gründung von KATÙ: Eine Gruppe von Interessierten bat die deutsche Waldorflehrerin Svenja Büntjen, ihnen die Waldorfpädagogik näher zu bringen. Svenja Büntjen war zu diesem Zeitpunkt – bedingt durch den Beruf ihres Mannes – mit ihrer Familie nach Costa Rica gezogen. Der Kreis der Interessierten veränderte sich immer wieder und wuchs gleichzeitig. Schließlich wurde der Wunsch geäußert, eine Waldorfausbildung einzurichten, und die Arbeitsgruppe entwickelte sich zu einem kleinen Waldorfseminar. Wie dann schließlich die kleine Waldorfschule entstand, erzählt uns Svenja Büntjen im Interview.

Seit wann gibt es den Wunsch, die Schule zu gründen?
In San José /Costa Rica haben wir ja die Situation, dass die Gründung des Kindergartens KATÙ eine Initiative einer kleinen lokalen Lehrerausbildung entstammt. Diese Gruppe hat in ihrem letztem Ausbildungsjahr durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit eine Interessengruppe für Waldorfpädagogik in Costa Rica gebildet, die dann später die Gründungseltern des Kindergartens und nun auch der Schule wurden. Den Wunsch der Schule gibt es eigentlich seit Beginn der Lehrerausbildung 2013, die konkreten Vorbereitungen allerdings erst seit 2017, bedingt durch die Zusammenarbeit mit den Gründungseltern. Die erste Klasse wurde am 1. Februar 2019 eröffnet.

Warum ist die Gründung einer Waldorfschule hier besonders wichtig?
Im Generellen ist Waldorf in Lateinamerika, besonders in Mittelamerika noch sehr unbekannt. Die erschwerten wirtschaftlichen und politischen Situationen vieler Länder, welche permanent Ausschreitungen, soziale Konflikte und Kriege erleben, sind keine guten Rahmenbedingungen für die Entstehung von Waldorfpädagogik. Etwa in den letzten fünf Jahren, ist jedoch eine immer stärker werdende Nachfrage nach neuen Erziehungsideen zu bemerken. Die Menschen suchen nach neuen Alternativen, nicht zuletzt wegen des bedrohlichen Klimawandels. Costa Rica, wahrscheinlich das führende Land im Thema Umweltschutz in Mittelamerika, hält paradoxerweise an seiner traditionellen Schulformen fest. Die meisten Kinder, die die öffentlichen Schulen besuchen, schaffen später die Aufnahmeprüfungen für die staatlichen Universitäten, welche viel billiger als die privaten sind, nicht. Die Privatschulen wiederum sind in erster Linie darum bemüht möglichst viel akademisches Wissen in die Köpfe der Kinder zu bekommen, und das zu jedem Preis. Ich kenne eigentlich kein Land, wo so viele Kinder psychologischen Beistand benötigen, um durch die Schule zu kommen. Außerdem sind die meisten Privatschulen sehr teuer. Es fehlt an alternativen und sinnvollen Schulmöglichkeiten.

Was sind die besonderen Hürden, die für die Gründung der Schule genommen werden mussten?
Eigentlich ist die ganze Gründung ein einziger Hürdenlauf, überwinden wir ein Hindernis, so steht das nächste bereits wieder vor der Tür. Aus europäischer Sicht ist es sehr schwierig sich vorzustellen, was es bedeutet eine vollkommen neue Pädagogik in einem Land wie Costa Rica einzuführen. Zum einen müssen wir den Menschen das Wesentliche der Waldorfpädagogik nahe bringen, ihr Interesse wecken und sie begeistern. Das ist natürlich besonders schwierig, wenn man kein Vorzeigeprojekt hat. Es gibt ja bisher noch keine echte Waldorfschule im Land. Also müssen wir sehr kreativ sein und uns ständig neue Möglichkeiten überlegen, wie wir strategisch vorgehen. Seit der Gründung des Kindergartens ist es natürlich viel besser, denn der spricht für sich selbst.

Da wir bisher noch eine sehr kleine Gemeinschaft sind, ist die Arbeitsbelastung sehr hoch. Aus finanziellen Gründen müssen wir alles selber machen, das heißt wir bauen alle Möbel selber, stellen die Spielzeuge her, putzen und kochen, bearbeiten unseren riesigen Garten, produzieren Produkte zum Verkauf, machen zur Zeit fast jedes Wochenende Öffentlichkeitsarbeit, bemühen uns um Pressearbeit, veranstalten Workshops, machen Bastelgruppen für Kinder und nun noch eine Mutter-und-Baby-Gruppe. Und dies alles muss selbstverständlich auf hohem Niveau geschehen, damit die Leute sich zu unserem Projekt hingezogen fühlen.

Der wirtschaftliche Faktor ist immer noch ein sehr bedrohliches Problem für uns, da wir noch nicht genügend Kinder haben und viele Eltern auch nicht das vollständige Schulgeld bezahlen können. Die Nachfrage steigt jedoch jetzt schon sehr beachtlich und wir haben wöchentlich mehrere Anfragen. Am letzten Tag der Offenen Tür hatten wir zum ersten Mal mehr Besucher da, die auf Grund einer Empfehlung kamen anstatt durch Anzeigen in den sozialen Medien. Das gibt uns natürlich Hoffnung.

Welche Schwierigkeiten treten auch nach der Gründung noch auf?
Die Entscheidung, in diesem Moment die Erste Klasse zu gründen, kam von den Kindern. Obwohl wir natürlich wussten, dass es eine große Herausforderung sozialer und finanzieller Art werden wird, mit sechs Kindern zu beginnen, war es so offensichtlich, dass der gefühlte richtige Zeitpunkt jetzt da war. Wie weiß man schon ganz genau, wann und ob etwas immer richtig ist? Wichtig ist doch, dass man seine Taten bewusst begleitet, angstfrei arbeitet und sich auch wieder lösen kann. Auf diese Weise kann immer Neues entstehen.

Was wir jedoch zunächst unterschätzt haben, war die Schwierigkeit auch für erfahrene Lehrer, von einem staatlichen System auf Waldorf umzusatteln. Und wo sollen sie sich etwas abgucken, wenn es nichts zu schauen gibt? Insofern bemühen wir uns um sehr intensive Mentorenarbeit, die aber auch wieder sehr viel Zeit, Kraft und Geld kostet, aber unbedingt notwendig ist, wenn die Waldorfpädagogik sich in Costa Rica entwickeln soll. Es macht keinen großen Sinn immer nur Ausländer einzustellen, die dann vielleicht auch nur für eine kurze Zeit bleiben.

Ein weiteres Problem ist die Anerkennung des Ministeriums. Zurzeit sind wir eine freie Privatschule ohne staatliche Anerkennung. Das hat zur Folge, dass viele Eltern, obwohl sie Waldorf mögen, sich nicht trauen ihre Kinder zu uns zu schicken. Sie haben Angst, dass bei einem erforderlichen Schulwechsel unsere Schulzeit nicht angerechnet wird und ihre Kinder große Nachteile haben. Unsere jetzigen Eltern gehen damit freier um, denn für sie zählt der Umgang mit den Kindern mehr. Viele sind jedoch auch aus anderen Ländern und kommen mit einer anderen Einstellung. Viele Menschen aus Costa Rica sind eher konservativ und zögerlich Neuem gegenüber.

Also ist es uns ein großes Bedürfnis den Prozess der Anerkennung in Gang zu bringen, um diese hoffentlich in den nächsten zwei Jahren zu bekommen. Allerdings ist dieser Prozess langatmig und teuer, da wir Leute bezahlen müssen, die den Waldorflehrplan ganz genau auseinandernehmen und in die Sprache des hiesigen Ministeriums umsetzen.

Ein weiteres Problem ist es für uns, dass Waldorf in Mittelamerika zu einer Art Geschäftsmodell wird. Das heißt: Sehr reiche Leute gründen sehr schnell eine Schule, ohne meistens wirklich  zu wissen was die Waldorfpädagogik eigentlich ist. Dieses schadet erheblich, denn sind die Eltern unzufrieden, so betrifft das dann gleich alle echten Waldorf-Initiativen. Deswegen möchten wir uns sehr gerne schnell etablieren, damit die ersten Erfahrungen mit Waldorf wirklich Waldorf ist und wir uns in Ruhe weiter entwickeln können.

Welche besonderen Momente, welche Freuden begegnen Ihnen bei der Gründungsarbeit?
Eines der wirklich großen Momente, sind die Art der Begegnungen, die wir miteinander erleben. Wir haben uns als Gruppe zum Ziel gesetzt, dass das soziale Miteinander die Grundlage unserer Arbeit sein muss. Gerade in den Waldorfschulen erlebt man immer wieder große Herausforderungen, was dieses Thema angeht. KATÙ steht noch ganz am Anfang und wir haben noch die Möglichkeit, eine Gemeinschaft zu entwickeln, die die verschiedensten Persönlichkeiten integriert. Natürlich gibt es Konflikte, aber wir bemühen uns diese zu transformieren oder sie zu akzeptieren. Es ist ein großes Geschenk die Entwicklung unserer Kinder gemeinsam zu entdecken und zu begleiten.

Der Enthusiasmus der Eltern spiegelt sich in unseren Kindern wieder. Zur Zeit bereiten wir gerade eine großes Fundraisingprojekt vor und während die Eltern neun Stunden am Stück Tiere filzen, sitzen die Kinder dazwischen und machen ihre eigenen Tiere zum Verkauf, damit die neue erste Klasse Möbel hat. Das berührt ungemein.

Auch ist es phantastisch mitzuerleben, welch ausgefallene Ideen uns in unserer Not schon so gekommen sind. Der kreative Teil in uns schläft nie. Seitdem ich ein Teil von KATÙ bin, habe ich noch einmal einen anderen Blick auf die Welt bekommen und ich glaube das geht allen so.

Ein großer Lernprozess ist es auch angstfrei zu arbeiten. Das bedeutet, die Karten offen auf den Tisch zu legen, aber auch jegliche Schritte zu akzeptieren. Mit dieser Arbeitseinstellung und dem sich ständigem Auseinandersetzen mit der Anthroposophie, sind uns bisher die unglaublichsten Wege geöffnet worden. Immer wenn wir dachten, jetzt geht gar nichts mehr, kam eine neue Wendung. Die Arbeit mit und an KATÙ hat vielen von uns einen neuen Zugang zur Arbeit mit der geistigen Welt verschafft und hat uns mit vielen interessanten Menschen zusammengeführt.

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