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Glücklich leben im Tal der Inkas

Peru: Kusi Kawasy (übersetzt: glücklich leben) ist der Name einer kleinen Waldorfschule in Pisac, einem Ort in den Anden, die inzwischen sogar eine eigene Lehrerausbildung hat. In den Klassen eins bis sechs werden 60 Kinder unterrichtet. Der kleine Kindergarten betreut in zwei verschiedenen Gruppen jeweils 10 Kinder. Das Kollegium – Schulleiter, dessen Vertreter, Lehrer, Erzieher, Assistenten und der Hausmeister  – besteht aus 10 Menschen.

Die kulturellen Wurzeln der Stadt Pisac reichen weit zurück in die Kapitel der Geschichte, in denen die Quellen zum Inka-Reich beheimatet sind. Denn Pisac liegt in dem Tal, das die Inkas als heilig erachteten. So war die Stadt religiös entscheidend aber auch militärisch, dank ihrer optimalen Lage, und landwirtschaftlich relevant. Bis heute sind die Terrassen erhalten, die durch ihre Architektur besonders viel Anbaufläche zur Verfügung stellten und mittels Kanälen gut bewässert werden konnten – sie werden noch immer von der indigenen Bevölkerung bebaut. Dort ist die waldorfpädagogische Schulinitiative zu Hause, die in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist.

Erst verweigerte die spanische Obrigkeit der indigenen Bevölkerung der peruanischen Anden jede reguläre Ausbildung, danach, als in den 1950er Jahren das Bildungssystem offiziell als öffentlich anerkannt wurde, war die Bildung zu einem Mittel gegen die indigene Bevölkerung geworden, denen die Wertlosigkeit ihrer Kultur vermittelt werden sollte. Ziel war es, Menschen auszubilden, die ein möglichst geringes Selbstbewusstsein kennzeichnen sollte und die daran gewöhnt sein sollten, Befehle zu empfangen.

Dies sind die Hintergründe, die in dem großen Wunsch mündeten, eine Bildungsmöglichkeit für die indigene Bevölkerung zu schaffen, die darauf gründet, die Ahnenkultur neu zu bewerten, sodass die Menschen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung ein gesundes Verhältnis zu ihren Traditionen haben.

Lourdes Jibaja, eine Waldorflehrerin aus Lima, war es, die an einer staatlichen Schule eine Klasse übernahm. Sehr schnell stellten sich die ersten Erfolge ein und es war nicht zu leugnen, dass ihre Schüler gerne in die Schule gingen – im Gegensatz zu den anderen. Der neue Ansatz und die positiven Ergebnisse führten aus vielschichtigen Gründen leider dazu, dass sich eine starke Opposition bildete und Lourdes Jibaja verließ die Schule. Doch ihre Klasse folgte ihr. Alle ihre Schüler zogen in das Dorf, wo Lourdes Jibaja hingegangen war.

Nach einem weiteren komplizierten Jahr an der dortigen öffentlichen Schule ergriffen die Eltern der Kinder die Initiative. Gemeinsam wurde der Anfang gemacht, der eine private Waldorfschule entstehen ließ, die sich bis heute stetig entwickelt. In den Schulalltag sind die traditionellen Feste der Andenkultur integriert, die Kinder lernen ihre Mythologie im Unterricht kennen und bekommen vermittelt, dass ihre Kultur wertvoll ist. Schon die Übersetzung des Schulnamens veranschaulicht, wie dieser Impuls von Schülern und Eltern wahrgenommen wird und welche Bedeutung er hat – Kusi Kawasy heißt glücklich leben.

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