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Ein Weg aus der Krise

Kroatien: In Rijeka gibt es seit 1996 einen Waldorfkindergarten und seit 2000 eine Waldorfschule, deren Arbeit zunächst sehr erfolgreich war, im Laufe der Zeit aber von dramatischen finanziellen Schwierigkeiten belastet wurde. Das steigende Schulgeld sorgte für eine sinkende Schülerzahl. In die insgesamt acht Klassen gehen momentan nur 34 Schüler, die Lehrerschaft arbeitet mit stark gekürztem Gehalt.

7:15 Uhr, ein Schultag beginnt: Das Schulhaus ist schon offen und die ersten Kinder wandern durch die Gänge, unterhalten sich in ihren Klassenräumen, manche dösen auch einfach vor sich hin. Eltern bringen die ersten Kindergartenkinder in den zweiten Stock des Hauses, wo die Erzieherinnen schon warten. Auch die Lehrerschaft trifft langsam ein. Vielfacher Treffpunkt ist die kleine aber ordentlich geführte Küche; dort gibt es Tee. Um acht Uhr beginnt schließlich der Hauptunterricht, jedoch nicht für alle, denn dafür gibt es zu wenig Lehrer. Aber man arrangiert sich. Der achten Klasse gelingt es sogar, ein Theaterstück als Abschluss ihrer letzten Klasse an der Waldorfschule einzuüben – Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry.

Als die Schule kurz nach Ende des Krieges eröffnete, schien alles gegeben zu sein, was man als Grundlage für eine Waldorfschulgründung bedurfte. Seitens des Staates wurden Fördergelder versprochen, das Interesse war groß und die Kindergartengruppen wie auch alle Klassen entwickelten sich gut.

Doch dann wurden die ersten Gelderkürzungen vorgenommen und der Aufschwung der jungen Schule fand ein jähes Ende. Um der finanziellen Notlage etwas entgegenzusetzen, wurde das Schulgeld erhöht. Doch es reichte nicht, und die erste Welle der Abmeldungen ließ nicht lange auf sich warten. Um nicht noch mehr Schüler zu verlieren, wurden die Lehrergehälter deutlich gekürzt, wodurch dieses Mal Lehrer gingen, weil sie mit der neuen Gehaltssituation ihre Lebenskosten nicht mehr bestreiten konnten.  

Je ernster die Lage wurde, desto stärker begannen Lehrer und verbliebene Eltern wie Schüler zu kämpfen. Bis heute arbeitet die Lehrerschaft mit geringerem Gehalt als ein Staatsschullehrer und nahm beispielsweise im letzten Jahr hin, dass sie statt der 12 Gehälter nur neun bekamen. Doch die Herausforderungen sind nicht nur finanzieller Natur, denn seit einigen Jahren geht die Geburtenrate in der ohnehin kleinen Stadt Rijeka (180.000 Einwohner) stetig zurück. So ist die Schülerzahl, im Zusammenhang betrachtet, doch nicht so klein, wie sie im ersten Moment anmuten mag (die Waldorfschule in Zagreb hat trotz ca. einer Million Einwohner nur 90 Schüler). 

Lehrerkollegium, Eltern- und Schülerschaft kämpfen für den Erhalt der Schule und träumen davon, dass es vielleicht irgendwann einmal eine Oberstufe geben wird. Nicht nur der gemeinsame Wille und die vielen Versuche, wieder Fuß zu fassen, sind bemerkenswerte Ergebnisse der Krise, sondern auch die Überwindung der hierarchischen Organisationsstruktur innerhalb der Schule, die heute eindeutig eine demokratische geworden ist.

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