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Brot und Salz – Freundschaft und Frieden

Israel: Ein Bustan ist der erste Waldorfkindergarten in dem kleinen arabischen Ort Hilf in der Nähe von Kiryat Tivon, Israel, in den jüdische und arabische Kinder gemeinsam gehen. Er wurde im Jahr 2005 gegründet und umfasst mittlerweile eine Spielgruppe von 20 Kindern. Zusammen feiern sie die Feiertage und Bräuche beider Kulturen und sind eingebunden in Tätigkeiten wie Gärtnern, Musizieren, Spielen, Singen und Geschichtenhören.

Am Ende der Woche in Israel: in traditionellen jüdischen Haushalten wird der Shabbat (Ruhetag) vorbereitet, während in muslimisch-arabischen Familien in der Moschee mit Gebeten des Tages gedacht wird, an dem Adam aus dem Paradies auf die Erde kam und sich daher auch einmal „Yum Elkiama“ (das Ende der Welt) erfüllen werde. Nach den Gebeten ist es dem Einzelnen überlassen, in den Alltag zurückzukehren.

Ein Bustan öffnet seine Türen für Kinder beider Kulturen, sie spielen zusammen und feiern gemeinsam die unterschiedlichen Bedeutungen der verschiedenen Feiertage. An traditionelle jüdische Lieder und Bräuche wird angeknüpft und der Shabbat willkommen geheißen, Sabbatkerzen angezündet und das Challabrot gebacken. Viel schwieriger war es, etwas Adäquates auf Arabisch zu finden. Also verfassten die Erzieher ein Gebet, das alle Kinder sprechen können, und komponierten ein Lied über das Challabacken, das beim Brotbacken gesungen wird. Darin heißt es: Nun haben wir Brot und Salz unter uns – eine Umschreibung im Arabischen für Freundschaft und Frieden.  

Der Impuls für den Kindergarten Ein Bustan entstand, als Amir Shlomian, Friedensaktivist, Musiker und Waldorfpädagoge, einen Kindergarten für seinen Sohn suchte, der diesen auf ein Leben in einer multikulturellen Gesellschaft vorbereiten, aber auch bestimmten Werten entsprechen sollte, wurde er nicht fündig. Er sah sich nach Menschen um, die seinen Wunsch teilten, und so fanden die Gründer zusammen. Zwei Waldorfkindergärtner, ein jüdischer und ein arabischer, sowie mehrere Eltern machten sich an die Arbeit. Ein gemeinnütziger Verein wurde gegründet, ein Lehrplan entworfen, Diskussionsveranstaltungen organisiert, Räume renoviert und Spielzeug hergestellt. Am 1. September 2005 konnte der Kindergarten Ein Bustan, was übersetzt Quelle im Garten bedeutet, offiziell eröffnet werden.  

Die Kindergärtner sprechen alle Hebräisch und Arabisch und integrieren beide Sprachen in den Kindergartenalltag, so auch beim Geschichtenerzählen und Lieder singen. Die Sorgen, dass die Kinder sich wegen der unterschiedlichen Sprachen nicht verstehen könnten, haben sich zerstreut, denn die Erfahrung hat gezeigt, wie gut sich die Kinder verständigen können und wie schnell sie die jeweils neue Sprache erlernen.  

Für die Kinder sind es hauptsächlich die beiden Sprachen, die zunächst den Unterschied untereinander ausmachen, für die Eltern gibt es mehr Trennendes, das schwerer zu überbrücken ist. Besondere Bedeutung und Hilfe leistet die Arbeit, mit der die Erzieher die Eltern in das Kindergartengeschehen einbinden. Das Bauen und Basteln oder Nähen von Spielzeug als gemeinsames Tun für die Kinder ist es, das die Eltern beider Kulturen untereinander verbindet und die Grundlage für Freundschaft entstehen lässt.