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Notfallpädagogik nach dem Erdrutsch auf den Philippinen

Erdrutsch von Itogon in der Grundschule Pacalso, Benguet

Einsatz 30. September - 5. Oktober 2018

Zur Durchführbarkeit der Intervention trugen die bisherigen Vorarbeiten wesentlich bei.  Die Partnerschaft zwischen der Waldorfschule Balay Sophia, einem Pool von lokalen Notfallpädagog*innen und den Freunden, lieferte die notwendige Struktur, um ein Team aus Menschen mit spezifischer Expertise zu bilden.  Balay Sophia ist vernetzt mit wichtigen Führungskräften. Die Schule erleichterte Vorarbeiten, bot einen festen Standort, machte Besuche koordinierte Zeitpläne, mobilisierte Eltern und Freiwillige.  Wesentlich für den Einsatz war das tägliche Assessment und Team-Planung, in der Einzel- und Gruppenbedürfnisse erkannt werden konnten.  Vor den eigentlichen Aktivitäten mit den Kindern hatte das Team die Möglichkeit, sich mit den Lehrern (die auch Opfer des Erdrutsches waren) zu unterhalten.  Diese wichtige Erfahrung und das Mitfühlen haben das Einfühlungsvermögen und das Engagement des Teams bestärkt. 

Vor Ort führte das aus 10 Kursleitern bestehende Team an drei Tagen morgens eine Aktivität mit rund 380 Kindern durch.  Am Nachmittag hielten die Freunde einen öffentlichen Notfallpädagogik-Vortrag vor 20-30 verschiedenen Fachleuten.  Balay Sophia hat sich zur Aufgabe gemacht, Wochenend-Workshops für interessierte Fachleute anzubieten, die mehr über die Waldorfpädagogik und die Methoden, die für die Traumaarbeit eingesetzt werden können, erfahren möchten.

Eines der Evakuierungszentren direkt nach der Katastrophe war die Pacalso Grundschule.  Nach Berichten der Lehrer waren nur einige der Kinder, die an den notfallpädagogischen Aktivitäten teilnahmen, direkt von dem Erdrutsch betroffen.  Die Mehrheit der Kinder von direkt betroffenen Bergleuten mit Migrationshintergrund wurde vertrieben.  Die Turnhalle der Schule diente als Aufbewahrungsort für einige Särge.  So spielten die Kinder weiter in der Turnhalle, während die Särge an der Seite standen. Die Kinder, insbesondere die Jungen, zeigten aggressives Verhalten (z.B. Schlagen und Treten, Schreien von Schimpfwörtern, Rowdytum, gegenseitiges wegdrücken, gewaltsames Sichern eines Platzes und Ausschließen bestimmter Klassenkameraden). Besonders im Kindergarten zeigten viele Kinder körperliche Symptome wie Bauchschmerzen und häufiges Erbrechen.  Es war eine Herausforderung, die Kinder einen Kreis bilden zu lassen, sie zu beruhigen und zum Zuhören zu bringen.  Einige Kinder, die ausgeschlossen wurden, weinten.  Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit war hoch. 

Die Lehrer versuchten die Kinder zu disziplinieren, indem sie schrien oder tadelten, indem sie die Kinder mit einem Stock schlugen oder sie in die Ohren kniffen.  Auf uns wirkten die Lehrer sehr gestresst im Umgang mit den Kindern; alle hatten irgendeine Form von Aggression und Missbrauch in ihrer Art, die Kinder maßzuregeln. Sie sagten, sie seien erleichtert, dass die Freunde und ihre Partner mit den Kindern Aktivitäten unternähmen, da sie noch viele andere Aufgaben in der Schule zu erledigen hätten.  Nur sehr wenige von ihnen waren an einer Teilnahme interessiert. Einige sagten, ihnen war nicht bewusst, dass sie überhaupt teilnehmen können.  Andere fragten, was das Team in Bezug auf Trauma-Arbeiten macht.  Sie nahmen an, dass das Team die Kinder befragen wird, wie sie es von den vorherigen Organisationen schon kannten.  

Schließlich, am dritten Tag, wurden Ergebnisse der durchgeführten Intervention sichtbar.  So war beispielsweise das Angebot der Kunstaktivitäten für die Kinder klar, ohne dass Teammitglieder sie aufforderten oder anleiteten mussten.  Das Bilden eines Kreises und von Linien war besser möglich.  Mehr Kinder nahmen am Morgenkreis teil und wurden vertraut mit dem Rhythmus aus Vers, Singen und dazu ausgeführten Bewegungen.  Die Kombination aus Indoor- und Outdoor-Aktivitäten erwies sich als vorteilhaft.  In der plastischen Arbeit mit Ton, war die Verbindung von Ton mit dem Aufbau einer Geschichte erfolgreich, auch wenn der Platz sehr begrenzt war. Die Kinder schufen wunderbare Formen, die die Familie in der Geschichte "Die Riesenrübe" darstellen.  Am Ende fragten die Kinder, wann wir wieder zurückkämen.  Die Lehrer interessierten sich nun dafür, wie unsere Aktivitäten traumatisierten Kindern helfen können.  Sie waren überrascht, dass die Kinder sich schließlich ruhig hinsetzen konnten, um eine Geschichte zu hören. 

Abschließend wurde unser Team überrascht von indigener Musik und Tanz als Geschenk der Dankbarkeit.  Alle nahmen am Tanz teil und es war ein freudiges Treffen von Menschen mit unterschiedlichen Kulturen. 

(Ester Samaniego)

Notfallpädagogik-Workshop in Manila

6.-7. Oktober 2018

Einen Tag nach der Rückkehr des Teams der Freunde nach Manila fand vom 6. bis 7. Oktober ein Notfallpädagogik-Trainingsworkshop an einer Jesuitenuniversität statt. Das Team führte, unterstützt von lokalen Fachkräften, 33 Teilnehmer in die grundlegenden Prinzipien der Notfallpädagogik ein.

Es nahmen Freiwillige und Mitarbeiter*innen von kirchlichen und nichtstaatlichen Organisationen am Wochenend-Workshop teil. Sie arbeiten hauptsächlich mit sozial benachteiligten Familien in Manila, die vom "Krieg gegen Drogen" der Duterte-Regierung betroffen sind. Mindestens 23.000 Menschen, einschließlich Kinder, wurden in den letzten drei Jahren von der Polizei ohne gerichtliches Verfahren getötet. Der Staat hat wenig getan, um die hinterbliebenen Familien zu unterstützen. Kinder, die Zeugen der Erschießung ihrer Eltern wurden und dadurch traumatisiert sind, leben weiterhin in Angst. Allein im ersten Jahr der Duterte-Regierung wurden etwa 28.000 Kinder durch diesen „Krieg gegen Drogen“ zu Waisen.

(Susan Quimpo)