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Die Geschichte von Luvo und seinem Kindergarten

Südafrika: In der armen Township Masiphumelele leben die Menschen von Gelegenheitsjobs – wenn sie welche bekommen. Die Kinder leben auf der Straße, oft krank und unterernährt. Nun taten sich einige Mütter zusammen und eröffneten die Waldorfinitiative „Siyakhula“. Die von Waldorfeltern gegründete Hilfsorganisation „Work for Love“ hilft ihnen dabei. Anlass der Gründung 2008 war der Missbrauch und Tod eines dreijährigen Mädchens in der Nachbarschaft. Der Gedanke, einen sicheren und beschützenden Ort nicht nur für ihre eigenen Kinder zu schaffen, brachte viele Eltern mit ihren Kindern dazu, sich hilfesuchend an “Work for Love” zu wenden. Das ursprüngliche Gebäude des Kindergartens war eine Wellblechhütte im illegalen Bereich des Townships. 2009 konnte der Kindergarten schließlich - nun als werdender Waldorfkindergarten - auf ein neu gekauftes und renoviertes Grundstück umziehen. Derzeit besuchen fast 40 Kinder den Kindergarten.

Der vier Jahre alte Luvo sitzt am Ufer des Flusses und isst die angefaulte Orange, die er gerade aus dem Müllcontainer neben den Toilettenhäuschen der Wetlands-Siedlung gefischt hat. Er ist hungrig, seine Haut juckt, und er findet seine Freunde nicht. Seine Mutter brachte ihn zur Welt, als sie gerade 15 war... Nun ist sie 19, geht wieder zur Schule und hofft, die 10. Klasse absolvieren zu können – Geld für einen Kindergarten hat sie nicht. Luvos Oma ist damit beschäftigt, irgendwo am Fluss Kleider zu waschen. Langweilig – Luvo hat beschlossen, mit seinen Freunden wegzulaufen.

Seine Oma muss auf ihn und vier eigene kleine Kinder aufpassen. Sein Opa ist Pfarrer hier in der Township Masiphumelele. Er betet zum Beispiel in einer der Wellblechhütten, wenn jemand gestorben ist, oder hilft, Konflikte zu lösen. Fünf arbeitssuchende Erwachsene leben im Haushalt, sie leben von dem kargen Einkommen aus Gelegenheitsarbeiten und dem geringen Kindergeld (ca. 20 Euro).

Die 15 Euro für einen Kindergarten können sie unmöglich aufbringen, auch wenn sie Luvo nicht auf den Straßen lassen wollen. Erst letzten Monat war ein dreijähriges Mädchen verschwunden und wurde dann tot hinter irgendwelchen Hütten gefunden – unter Drogen stehende Jugendliche hatten sie missbraucht und brutal ermordet.

Als nach einem winterlichen Sturm das Wasser wieder einmal knöcheltief die Gegend überflutete – vermischt mit dem Abwasser der übergelaufenen Toilettenblocks –, entschloss sich eine Gruppe betroffener Mütter und Großmütter, den kleinen Kinder einen sicheren und sauberen Ort zu schaffen. Sie gründeten eine Spielschule und nannten sie Siyakhula (Xhosa: „Wir wachsen“). Eine Frau, Lucia, stellte ihr Zimmer zur Verfügung, und jede Erzieherin gab 100 Rand pro Monat, um die Kinder zu ernähren.

Als die Imhoff Waldorfschule von „Work for Love“ im November 2008 um Hilfe gebeten wurden, waren viele der 40 Kinder unterernährt und brauchten medizinische Pflege. Luvo ging mit einem Freiwilligen in die Klinik, wo seine Krätze und die juckende Haut behandelt wurden, und jetzt bekommt er täglich einen besonderen Nährbrei, bis er normales Gewicht erreicht hat. Die Kinder der Imhoff-Schule sammeln nun jede Woche Obst und Gemüse, um Siyakhula zu helfen.

Nun bekommen die Erzieherinnen regelmäßig Lohn, die Kinder erhalten zwei Mahlzeiten am Tag und haben Spielzeug, Decken und Matratzen. Luvo kommt sogar am Wochenende und bekommt dann von Asanda ein warmes Essen und etwas Zeit zum Spielen. Übrigens - Luvos Oma ist nun im Management-Komitee von Siyakuhla.

In den letzten Jahren hat Work for Love mithilfe der Freunde der Erziehungskunst einigen Frauen aus Masiphumelele zu einer Waldorflehrerbildung verholfen. Nun helfen sie u.a. in Imhoff, vertiefen ihre Kenntnisse und wollen nach Abschluss ihrer Ausbildung die Siyakuhla-Initiative unterstützen. Josephine kommt bereits zweimal pro Woche. Luvo liebt „Tante Josy“ – sie kommt mit wundervollen Lieder und Geschichten und zeigt den Kindern, wie man „Regenbogenschlangen“ macht, bei denen die Farben ineinanderfließen und neue hervorbringen.

Über einen Sponsorenlauf der Christopherus Schule am WOW-Day und über das weltwärts-Begleitprogramm konnte die Imhoff Schule dem Kindergarten helfen, so dass schließlich im Dezember 2010 das Schulgebäude renoviert, erweitert und eine neue Küche eingerichtet werden konnte. Es ist deutlich zu spüren, dass mit dem neu geschaffenen Platz mehr Ordnung und Gelassenheit eingekehrt ist. Finanzielle Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Ein Kind kostet 45 €, wovon die oft arbeitslosen Familien die angemessenen Kindergartengebühren von ca. 15 € tragen. Über einen Wäscheservice und einen wöchentlichen Flohmarkt versucht die Initiative jedoch die fehlenden Schulkosten aufzufangen.

Im Mai 2011 zerstörte ein massives Feuer das Gebiet um Masiphumele. Viele der Lehrer und Eltern zusammen mit 5000 weiteren Bewohnern verloren ihre Häuser und ihr ganzes Hab und Gut. Glückerlicherweise war der Kindergarten in seiner neuen Umgebung gut eingebettet und konnte den bedürftigen Familien sofort helfen.

Die Waldorfbildung wirkt heilend auf die schwierigen Lebensumstände. Die Eltern erinnern sich an ihre Kindheit, als man zuhause noch um das Feuer saß und sich Geschichten erzählte. Sie sagen "die Schule ist wie unsere Großeltern es uns gelehrt haben und wie wir es mögen."