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Erste Hilfe für die Seele

Notfallpädagogischer Einsatz nach der Katastrophe durch Zyklon Idai

Vor einem Monat ist Zyklon „Idai“ mit unvorstellbarer Stärke über Südostafrika hinweggezogen und hat hunderte Menschen das Leben gekostet. Neben Simbabwe und Malawi wurde vor allem Mosambik schwer getroffen. Massive Überschwemmungen verwüsteten große Teile des Landes und noch immer warten unzählige Menschen auf Hilfe. Um Kinder und Jugendliche bei der Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse zu unterstützen ist ein Notfallpädagogik-Team Anfang April zu einem zweiwöchigen Einsatz in die Katastrophenregion gereist.

Die Lage in Mosambik ist auch Wochen nach der Katastrophe verheerend. Hunderttausende Familien sind obdachlos, viele Kinder haben ihre Eltern verloren und die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten ist nach wie vor groß. „Viele Menschen leben in notdürftigen Zeltunterkünften und insbesondere den Kindern fällt es schwer, die Situation und das Erlebte zu verarbeiten“, erläutert Lukas Mall, Koordinator und Leiter des notfallpädagogischen Einsatzes.
Zusammen mit elf weiteren internationalen Notfallpädagog*innen der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. hat er inmitten der Zerstörung und des Chaos in einem Camp, etwa 80 Kilometer westlich der Küstenstadt Beira einen so genannten Child Friendly Space aufgebaut. An diesem geschützten Ort werden mit etwa 150 Kindern spielerisch, kindgerechte Bewältigungsmöglichkeiten im Umgang mit Verlust, Trauer und Verunsicherung erarbeitet. „Durch Bewegungsspiele, Singen, Malen oder rhythmische Tänze, können belastende Erfahrungen auf einer anderen Ebene verarbeitet und zum Ausdruck gebracht werden“, erklärt Mall. Ein geregelter Tagesablauf mit Ruhe- und Aktionsphasen ist zudem essentiell, um die Selbstheilungskräfte der Kinder zu aktivieren. Traumafolgestörungen können dadurch abgemildert oder vollständig verhindert werden. Neben der notfallpädagogischen Akutversorgung von traumatisierten Kindern in Camps und Schulen sind auch Schulungen für Lehrer*innen in Planung.
Zusammen mit einer Kollegin reiste Lukas Mall bereits einige Tage vor Ankunft seines Teams an verschiedene Orte in Mosambik und Simbabwe, um den Einsatz gezielt vorzubereiten. Während die Bevölkerung in den Notunterkünften rund um Beira inzwischen Unterstützung erhält und mit sauberem Trinkwasser und Nahrung versorgt wird, ist die Situation weiter außerhalb noch schwierig. „Wir sind eine der ersten Organisationen hier, die im Bereich der psychosozialen Unterstützung aktiv sind“, merkt Mall an. Sein Team besteht aus erfahrenen Pädagog*innen, Kunst- und Bewegungstherapeuten und zwei Ärzten.

Wie wichtig notfall- und traumapädagogische Arbeit in der Region ist, wird auch am Beispiel eines völlig zerstörten Jungeninternats in Simbabwe deutlich. Hier lösten heftige Regenfälle einen Erdrutsch aus, der Schulgebäude und Menschen unter seinem Schlamm begrub. Ein Sicherheitsmann und zwei Kinder verloren dabei ihr Leben, weitere 170 Schüler konnten sich teilweise selbst aus den Trümmern befreien und sich mit ihren Lehrern in Sicherheit bringen. „Menschen, die solche Dinge erleben mussten, stehen schwer unter Schock und brauchen dringend unsere Hilfe“, so Mall. Ende Mai ist ein Notfallpädagogik-Einsatz in Simbabwe geplant. Auch hier soll möglichst vielen Kindern und Jugendlichen dabei geholfen werden, das seelische Leid, welches Zyklon Idai ihnen zugefügt hat, zu lindern.