Bevor wir der Bitte um Unterstützung von Blessed to Bless Life Ministries (BBLM) nachkamen, waren wir bereits mehrere Monate per E-Mail im Austausch gewesen. Wir waren beeindruckt von der Resilienz, Kreativität und Motivation dieser Graswurzelorganisation und entschieden schließlich, die bemerkenswerte Arbeit des Teams von BBLM in ihrer weiteren Entwicklung vor Ort zu stärken. Die Organisation ermöglicht beispielsweise einmal wöchentlich einen sicheren Raum für Kinder und Jugendliche, in dem Talente gefördert, alleinerziehende Frauen unterstützt und junge Menschen durch IT- und Nähkurse beim Einstieg ins Berufsleben begleitet werden. Durch Spenden, die in der Gemeinde gesammelt werden, kann die Organisation den Teilnehmenden während dieses wöchentlichen Beisammenseins eine kleine Mahlzeit, meist in Form von Porridge, zur Verfügung stellen.
Die 35 Teilnehmenden der Workshops waren vor allem Ehrenamtliche von BBLM aus Kyaka II, wo circa 136.000 Geflüchtete leben. Da sich die informellen Netzwerke von engagierten Menschen über die Grenzen des Camps hinaus erstrecken, nahmen auch Unterstützer:innen aus den weiter entfernten Flüchtlingslagern Nakivale (mit circa 200.000 Geflüchteten) im Südwesten und Bidibidi (circa 270.000 Geflüchtete) im Norden des Landes teil.
Für das Training wählten wir einen integrativen Ansatz: Die praktische notfallpädagogische Arbeit mit den Kindern am Vormittag ergänzten wir durch vertiefende theoretische und reflexive Einheiten am Nachmittag. In den abendlichen Reflexionsrunden waren wir vom notfallpädagogischen Team immer wieder tief beeindruckt von unseren Erfahrungen während des Tages: von den Talenten der Kinder und Jugendlichen, die nahezu täglich kleine Präsentationen in Form von Gedichten, Tänzen, Akrobatik oder Fadenspielen zeigten sowie von dem Engagement und der Lernbereitschaft der Teilnehmenden.
Nach vier Trainingstagen tauschten wir die Rollen und die Kolleg:innen von BBLM übernahmen die pädagogische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, um das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Voller Motivation und mit viel Freude übernahmen sie diese Aufgabe. Anschließend werteten wir zusammen in kleinen Gruppen die Erfahrungen, die sie währenddessen gemacht hatten, aus.
Die Resonanz auf die Inhalte der Notfallpädagogik war deutlich spürbar: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten zahlreiche Fragen, machten sich viele Notizen und in den praktischen Workshops zeigten sie, dass sie zentrale Inhalte wie Traumatologie, Psychoedukation und weitere Konzepte der Notfallpädagogik direkt verinnerlicht hatten: „In diesen neun Tagen haben wir entdeckt, dass sich hinter jedem Verhalten eine Geschichte und hinter jedem Schweigen ein innerer Kampf verbirgt sowie ein Mensch, der sich danach sehnt, sich sicher, gesehen und verstanden zu fühlen. Wir haben gelernt, dass Heilung nicht mit Zurechtweisung und Kontrolle, sondern mit Verbundenheit und Mitgefühl beginnt,“ so Jure Castro Iraguha.
Viele Organisationen, darunter auch die Vereinten Nationen (UN), haben aufgrund der massiven Kürzungen internationaler Hilfs- und Entwicklungsbudgets ihre Arbeit vor Ort reduziert oder ganz eingestellt und Kyaka II verlassen. Umso bedeutender ist die Arbeit von BBLM, die darauf abzielt „Kinder, Jugendliche und Gemeinschaften in den verschiedenen Lagern durch Bildung, Mentoring und praktische Unterstützung zu stärken und sicherzustellen, dass jede und jeder Einzelne Liebe, Würde und Chancen erfährt“, so Gründer Jure Castro Iraguha. Nsengi Aboubakari Djuma von der Kyaka Best Dance Community, einem Projekt von BBLM, ergänzt: „Aus diesem Grund möchten wir viele neue Projekte umsetzen, um benachteiligte Kinder und Jugendliche weiterhin durch Kunst, Tanz und Gemeindeentwicklung zu unterstützen. Wir sind überzeugt, dass dieser Weg noch lange nicht zu Ende ist und wir sind bereit, mit Hoffnung, Engagement und Entschlossenheit voranzuschreiten.“
Als wir nach zehn Tagen wieder aus Uganda abreisten, waren unsere Herzen erfüllt von den Begegnungen, unser Gepäck reich an neuen Beziehungen und wertvollen Erfahrungen – und dem Wissen, dass in diesem Training etwas Bleibendes entstanden ist.
Fabian Krämer
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