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Iran: Freiheit als Entwicklungsweg

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Arefeh Rezvanmanesh arbeitet im Iran, einem Land, in dem politische Unsicherheiten und gesellschaftliche Umbrüche den Alltag vieler Familien prägen. Sie und ihr Team gründeten 2021 den Kindergarten Garden of Childhood. Ihr gemeinsames Ziel war und ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Kinder in einem geschützten und entwicklungsorientierten Umfeld lernen und wachsen können. Die Waldorfpädagogik bildet die Grundlage ihrer Arbeit, doch gerade unter den Bedingungen ihres Landes erhielt sie eine besonders tiefgehende Bedeutung. Für uns berichtet sie von ihrer Arbeit.

Mehrere Kinder schauen sich eine Karte an

Als wir unsere Arbeit begannen, schien uns der staatliche Druck und die damit verbundene Arbeit im Verborgenen das größte Hindernis zu sein. Doch sehr schnell zeigte sich etwas Tieferes: Es waren unsere Wahrnehmungen an den Kindern, die uns zum Nachdenken brachten. Kinder, die scheinbar „alles“ hatten – und doch unruhig schliefen, im Spiel vorsichtig und ängstlich wirkten, deren Lebensfreude wie gedämpft war, als hätten sie sich ein Stück in sich selbst zurückgezogen.

Auf der Suche nach den Ursachen mussten wir zuerst mit den Eltern ins Gespräch kommen. Ihre Fragen kehrten in ähnlicher Form immer wieder: Warum sollen Fernsehen und Handy nicht immer verfügbar sein? Warum soll Lesen und Schreiben zu einem Zeitpunkt gelernt werden, den die Lehrperson bestimmt? Warum sollen wir ein Kind nicht „frei lassen“, wenn es einmal nicht zur Schule gehen will? Warum kann es nicht einfach den ganzen Tag im Garten bleiben und spielen?

Diese Gespräche führten uns zu grundlegenden Themen. Uns wurde klar, dass gesellschaftliche Bedingungen unser Verständnis von Freiheit tief prägen. Wir selbst – Eltern wie Pädagog:innen – konnten soziale Freiheit kaum je stabil und wirklich erfahren. Viele Eltern begegneten dem Thema Freiheit mit großer Anspannung, manchmal sogar mit Wut, und versuchten unbewusst, das eigene Nicht-Erlebte in der Erziehung zu kompensieren. Politische Proteste, Repressionen und Hausarreste machten den Freiheitsbegriff dringlicher und zugleich unklarer. Viele sagten: „Wir haben keine Freiheit – wenigstens soll mein Kind frei sein.“

Allmählich wurde uns deutlich: Freiheit entsteht weder durch bloßes Loslassen noch durch eine zu frühe Übergabe von Entscheidungen. Sie wächst dort, wo Denken und Handeln Schritt für Schritt reifen – auf der Grundlage einer Eigenverantwortung, die im Menschen selbst entsteht. Es ist keine Einschränkung, wenn Erwachsene Verantwortung übernehmen, die ein Kind noch nicht tragen kann; es ist eine Voraussetzung für die Möglichkeit von Freiheit.

Gleichzeitig hatten viele Erwachsene Angst, Autorität könne mit blinder Unterordnung verwechselt werden. „Führung“ geriet unter Verdacht. So wurden Kindern Wahlmöglichkeiten gegeben, die weit über die ihrem Entwicklungsstand entsprechenden Möglichkeiten hinausreichten – bis hinein in Entscheidungen, die eine Familie betreffen oder die eigene Schulpflicht. Was als Freiheit gedacht war, überforderte die Kinder. Sie wirkten orientierungslos und verunsichert. In unserem Kindergarten konnten wir dies deutlich wahrnehmen: Kinder, die ihren Erzieher:innen nicht vertrauten; die beim Singen nicht reagierten, verwirrt blickten oder wie „abwesend“ weiterspielten. Es dauerte lange, bis aus einem inselhaften Nebeneinander ein tragendes Miteinander werden konnte. Der Verlust eines verlässlichen Bezugspunktes bedeutet für ein Kind, dass nicht nur das Vertrauen zu den Erwachsenen fehlt, sondern die Welt selbst unsicher wird.

Nach und nach verstanden wir: Wenn das Kind Veränderung wirklich leben soll, muss der Erwachsene Begriffe wie Freiheit, Fürsorge, Autorität und Einfachheit im eigenen Alltag neu durchdenken und gestalten. Deshalb wurde unser Weg ein gemeinsamer Weg mit den Familien. Wir bauten eine gemeinsame Sprache auf: Freiheit nicht mit Loslassen zu verwechseln – und Fürsorge nicht mit Kontrolle. Ein Kind braucht keinen endlosen Entscheidungsspielraum, sondern Rhythmus, klare Grenzen und eine verlässliche Bezugsperson. Wir versuchten, Autorität nicht als Macht zu verstehen, sondern als tragende, verantwortliche Anwesenheit.

Heute, nach über fünf Jahren, sind wir eine Gemeinschaft von etwa sechzig Familien geworden. Wir ertragen Drohungen, reparieren nach Starkregen eingestürzte Decken, überwinden finanzielle Engpässe und haben zuletzt gemeinsam das Grundstück erwerben können, auf dem unsere Gruppenräume stehen.

Wenn ich das Ergebnis zusammenfasse, dann so: Im Iran waren wir weniger damit beschäftigt, ein „Modell“ Waldorf umzusetzen, als vielmehr gezwungen, seine menschlichen Grundlagen neu zu denken – wie ein Kind Weltvertrauen gewinnt, wie sein Wille sich bildet und wie Freiheit aus der langsamen Reifung von Denken und Handeln entsteht.

Arefeh Rezvanmanesh

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