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„Hoffnung ist alles“

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Zoe Besand ist Waldorfkindergärtnerin und ehrenamtlich seit über 13 Jahren regelmäßig Teil von notfallpädagogischen Teams der Freunde der Erziehungskunst bei Einsätzen weltweit. Wir haben sie gebeten, uns von ihren Eindrücken zu berichten.

Junge schaut strahlend in Kamera

Im November 2013 erreichte mich über den Verteiler der Waldorfkindergärten die Anfrage, ob es eine Waldorfkindergärtnerin gibt, die ein notfallpädagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst mit in den Nord-Irak in ein syrisches Flüchtlingscamp begleiten könne, um vor Ort Angebote für die kleinen Kinder zu gestalten. Ich arbeitete zu der Zeit in einem Waldorfkindergarten in Berlin Kreuzberg und hatte zwei syrische Jungen in meiner Gruppe. Der Krieg im Heimatland der Eltern war den Kindern anzumerken und beschäftigte uns sehr. Mein erster Einsatz: Blau und weiß sind die Farben der Zelte und Planen, die den 140.000 meist kurdischen Flüchtlingen aus Syrien hier in Domiz im Nordirak Schutz geben. Schutz vor der sengenden Sonne im Sommer mit bis zu 50 Grad, vor dem Staub und jetzt im Winter vor Kälte, Matsch, Wind und Schnee. Der Boden ist hier lehmig und klebt an den Gummistiefeln. Dennoch sind die Menschen sauber gekleidet, überall trocknet Wäsche zwischen den Zelten. Auf einem Stein steht: „Hope is everything!“ 

Dem Einsatz in Domiz folgten weitere Einsätze im Nordirak, in Nepal, in Slowenien, im Libanon und im Ahrtal. Überall begegneten mir Kinder, die so intensiv in der Nachahmung waren, die alles was ihnen angeboten wurde an Gesang, Tanz, Spiel und Handarbeit wie Schwämme aufsogen. Wie freuten sich die Kinder bei dem Singspiel „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh“ als sie erkannten, was die Bewegungen erzählen. Freudestrahlend zeigten sie auf die Wäsche, die über einer Leine zwischen den Zelten trocknete.

Nach der großen Überschwemmung unterstützte ich als Notfallpädagogin den Kindergarten Pusteblume am Rand vom Ahrtal. Hier beobachtete ich, wie die Kinder das Erlebte im Spiel bearbeiten: da werden die Autos im Sand vergraben und wieder herausgeholt, die Kinder retten sich im Spiel vor dem Wasser auf das Spielhäuschen, im Spiel beginnen sie zu heilen, im Spiel kommt eine Fee und zaubert, dass sie unter Wasser atmen können. Im Spiel kann es ein gutes Ende geben.

Sehr eindrücklich war für mich der Bericht einer Kindergärtnerin, die mir sagte, dass sie fast alle Lieder, Spiele und Sprüche, die sie vor dem Unglück mit den Kindern regelmäßig verwendet hatte, vergessen hatte. Nur einige wenige, nämlich diejenigen, die jeden Tag im Kindergarten gesprochen wurden, wie zum Beispiel der Spruch zum Essen, waren nach dem Schrecken der Flut noch abrufbar.

So wünsche ich jedem Kind sorgende, hüllende Menschen um sich, die feste Rituale in das Leben der Kinder bringen, die sich so tief hineinsenken in die Seelen der Kinder, dass sie auch in Notzeiten darauf Zugriff haben. „Zähneputzen für die Seele“ nennt die Traumatherapeutin Kati Bohnet aus Berlin diese Rituale.

Die notfallpädagogischen Einsätze sind für mich eine Möglichkeit, Verbindungen zu schaffen, die durch ein traumatisches Ereignis auseinander geraten sind. Sie geben mir die Sicherheit, dass Kinder und Erwachsene in ihrem Erleben und Überleben gesehen und wahrgenommen werden. Bei diesen Einsätzen darf ich dankbar erleben, dass es überall Menschen gibt, die ihre Kräfte mobilisieren, damit ihnen anvertraute Kinder nicht an den traumatischen Erlebnissen zerbrechen.

Ich habe die Hoffnung gewonnen, dass ein kleiner Funke die Kraft der Selbstheilung entfachen kann, dass jedes Kind eine gute Zukunft hat. Nach den vielen Erlebnissen auf den auch für mich sehr lehrreichen Einsätzen bin ich mir sicher: Freude heilt! Und wie es auf dem Stein mitten im Flüchtlingscamp zu lesen ist: Hoffnung ist alles!

Zoe Besand

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