26 Teilnehmer:innen begannen vor drei Jahren unter dem Dach des Verbands für Waldorfpädagogik in Istanbul Eğitim Sanatı Dostları Derneği (ESDD) ihre Ausbildung zu Waldorflehrer:innen. Fast alle hielten durch und beendeten jetzt im Dezember 2025 den Kurs. Alle präsentierten ihre Abschluss-Portfolios, hielten Vorträge und eine Video-Schalte mit den an der Ausbildung beteiligten Dozentinnen und Dozenten aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden rundete eine würdig-festliche Feier ab. Ein neuer Kurs soll im Januar 2027 starten. Es darf an dieser Stelle mit Dankbarkeit erwähnt werden, dass die Freunde der Erziehungskunst – namentlich vertreten durch Nana Göbel – die Ausbildungsarbeit in der Türkei seit Beginn finanziell unterstützen.
Durchhaltevermögen und Ausdauer, Freude, Einsatzkraft und der Wille zur Vertiefung der Inhalte sind charakterisierende Merkmale dieses Kurses, der im Januar 2023 an den Start ging. Fast alle, die sich damals angemeldet hatten, blieben dabei und präsentierten im Dezember 2025 nach drei Jahren ihre Studien-Portfolios und boten Auszüge daraus in Vorträgen dar.
Alfred Rahmen (Langenthal/Schweiz) und ich haben als Kursverantwortliche ein Ausbildungsprogramm konzipiert, das einige Neuerungen beinhaltete. Neben den 15 einwöchigen Ausbildungsmodulen und vielen Intensiv-Wochenenden richteten Studierende freie Arbeitsgruppen ein, die sich zwischen den Modulen mit spezifischen Fragen aus dem Kurs beschäftigten. Die Ergebnisse dieser Gruppen wurden mit den Teilnehmenden in fest terminierten Online-Workshops diskutiert und vertieft. Die insgesamt neun Workshops sorgten neben den inhaltlichen Aspekten vor allem für den inneren Zusammenhalt der Ausbildungsgruppe. Es bildeten sich feste Gruppen, die auch nach der Ausbildung weiterhin an aktuellen Themen arbeiten könnten. Ein weiteres Novum ist die Einführung des Ausbildungsportfolios, das im Laufe der Ausbildungszeit allmählich entsteht und am Ende der Ausbildung präsentiert wird. Diese neue Form hat die bisher übliche „große“ Abschlussarbeit ersetzt.
Eine Besonderheit der Ausbildungsgruppe ist sicherlich, dass der Großteil der Teilnehmenden an staatlichen Schulen arbeitet. Natürlich entsandte die junge Waldorfschule in Istanbul ihre Lehrkräfte in diese Ausbildung. Die meisten Studierenden sind jedoch an staatlichen Schulen oder pädagogischen Einrichtungen in privater Trägerschaft tätig. Durch die Vorträge und auch in den zahlreichen Gesprächen an diesem Wochenende wurde deutlich, dass sie die Grundlagen der Waldorfpädagogik so für sich transformieren konnten, dass die neuen Erkenntnisse den Kindern und Jugendlichen in den jeweiligen Einrichtungen zugutekommen. Auch einige Kolleg:innen spürten die anderen Ansätze der Studierenden im pädagogischen Alltag und wollten mehr wissen. Insofern sind mit dieser Abschlussgruppe vielleicht auch hier und da „Botschafter-Persönlichkeiten“ tätig, die auf zarte Weise den Waldorf-Impuls in die türkische Schulwelt säen.
„Es braucht aber sicher auch den Mut, den Waldorfgedanken auf einem pädagogischen Kongress deutlich vor einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren“, wie es Alfred Rahmen in seiner Ansprache in den Raum stellte und die Verantwortlichen des Vereins ESDD dazu ermutigte. Birgül Tastan ergriff als Präsidentin des Vereins ESDD das Wort und brachte zum Ende dieses großartigen Wochenendes neben dem Dank an die Teilnehmer:innen und die Dozent:innen auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass aus dem Kreise dieser kraftvollen Gruppe vielleicht die Initiative für eine weitere Schule neben denen in Istanbul und Alanya entstehen könnte.
Für das Jahr 2026 werden die Kräfte des Vereins gebündelt und neue Ideen bewegt, damit im Januar 2027 ein nächster Ausbildungskurs für Lehrkräfte starten kann.
Jürgen Lohmann

