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Westjordanland: Zwischen Anspannung und Entspannung an der Hope Flowers School in Bethlehem

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Seit Oktober 2023 hat sich der israelisch-palästinensische Konflikt im Westjordanland zunehmend verschärft. Auch die aktuelle Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas bringt nur bedingt Frieden. Auf der einen Seite erschweren verstärkte Sicherheitsvorkehrungen und neue Checkpoints den Alltag, auf der anderen hinterlässt die zunehmende Gewalt durch radikale israelische Siedler:innen deutliche Spuren und große Unsicherheit. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Lage äußerst angespannt. Rund 120.000 Palästinenser:innen können ihrer Arbeit in Israel nicht mehr nachgehen, da ihnen seit Anfang Oktober 2023 die Arbeitserlaubnis entzogen wurde. Auch der Tourismussektor leidet massiv unter dem Konflikt, besonders spürbar in Bethlehem mit all den religiösen Sehenswürdigkeiten. Hier befindet sich die Hope Flowers School, die ein siebenköpfiges Team der Abteilung Notfallpädagogik von den Freunden der Erziehungskunst im November 2025 besuchte, um sechs Tage lang mit 40 Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen zu arbeiten.

Das Team der Notfallpädagogik Bethlehem

Unser Team während des Einsatzes

Unseren dritten Besuch an der Hope Flowers School in Bethlehem erlebten wir als einen Zustand zwischen Anspannung und Entspannung. Der fragile Friedensplan für Gaza weckt einerseits Hoffnung, andererseits aber auch neue Ängste: Wie wird es im Westjordanland weitergehen? Das Ziel des Trainings war es daher, den Teilnehmenden Methoden und Ideen für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an verschiedenen Orten im Westjordanland mitzugeben. Viele Schulen operieren inzwischen nur noch an drei Tagen pro Woche, da die Gehälter gekürzt wurden und manche Lehrkräfte sich die Fahrt an fünf Tagen schlicht nicht mehr leisten können. 

Wir setzten unsere Arbeit mit zwanzig Lehrkräften fort, mit denen wir bereits im Januar gearbeitet und die Methoden der Notfall- und Traumapädagogik vermittelt hatten. Für sie stand diesmal vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sie notfallpädagogische Elemente im Umgang mit Kindern mit Behinderung an der Schule einsetzen können. In erlebnis- und kunstpädagogischen Workshops lernten die Teilnehmenden die verschiedenen kreativen Ansätze wie dem Unterschied zwischen freiem und geleitetem Malen. Sie hatten außerdem Raum, um konkrete Fragen zu besonderen Fällen oder allgemeinen Herausforderungen im Umgang mit Kindern mit Behinderung zu stellen, wie zum Beispiel: „Wie gestalten wir Übungen für Kinder, die sich körperlich nicht an den Aktivitäten beteiligen können?“ 

In den sechs Tagen konnten wir uns gemeinsam mit den Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen inhaltlich den Themen der Notfall- und Traumapädagogik annähern. Mit der Frage, was ein Trauma ist, hatten sich die Teilnehmenden bereits zuvor beschäftigt. Ihnen war daher wichtig zu klären, worauf es im Umgang mit den Kindern, aber auch mit sich selbst, ankommt.  

In den kunstpädagogischen Workshops wurde spürbar, wie viel Kraft in kreativen Methoden steckt. Ein junger Psychologe saß nach einer Plastizier-Einheit vor seinem Werk und bedankte sich dafür, dass er einen Moment seiner Kindheit zurückerhalten habe. In den Gesprächen wurde immer wieder deutlich, unter welchem Stress die Menschen vor Ort leben und wie selten sie Momente der Ruhe finden können. Eine Teilnehmerin erzählte, dass ihr die ersten Tage des Trainings ein Gefühl von Sicherheit gegeben hätten – so sehr, dass sie erstmals wieder loslassen konnte. 

Für uns wurde in diesen Tagen deutlich spürbar, über wie viele Ressourcen die Teilnehmer:innen verfügen und zugleich, wie wichtig solche Möglichkeiten für sie sind, sich zu entspannen und einfach einmal durchatmen zu dürfen – um den Kindern Orte zu schaffen, an denen sie gemeinsam zusammenkommen können. Denn dieser Aufgabe stellen sie sich mit großem Engagement.

Fiona Bay 

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