Im April 2024 reiste ein notfallpädagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst zur nahe der eritreischen Grenze gelegenen Stadt Adua, um den Betroffenen des Konflikts durch notfall- und traumapädagogische Angebote zu helfen und machte dabei einen Zwischenstopp in Hawzien – zum großen Glück der beiden dort ansässigen Schulen. Während ihres dreitägigen Aufenthalts organisierten die Freunde spontan einen Workshop zur Notfall- und Traumapädagogik, an dem unsere Lehrerkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie einige Eltern teilnahmen. Das Ziel war, Diskussionen über Gefühle und Erfahrungen im Zusammenhang mit Trauma anzuregen und der Gemeinschaft eine Plattform zu bieten, um sich ausdrücken und so heilen zu können.
Die Resonanz der Gemeinschaft war überwältigend positiv. Die Teilnehmenden drückten ihre immense Freude und Erleichterung darüber aus, Unterstützung von Menschen aus Europa und anderen afrikanischen Nationen zu erhalten, nachdem sie zwei Jahre lang Brutalität und Leid erlitten hatten. Ihre Anwesenheit symbolisierte neue Hoffnung und ließ sie glauben, dass der Frieden endlich in die Region zurückgekehrt sei.
Da dieser erste Besuch auf so große Resonanz gestoßen war, kam ein großes und vielseitiges Team der Freunde in der zweiten Juliwoche 2024 zurück. Der Schwerpunkt während dieses Besuchs lag auf der morgendlichen Begleitung von 600 Kindern mit verschiedenen notfall- und traumapädagogischen Angeboten. Außerdem führte das Team Schulungen für Pädagoginnen und Pädagogen zur Walddorfpädagogik durch. Die Workshops, die nachmittags stattfanden, wurden sehr gut angenommen. Sowohl das Team als auch das Schulpersonal nahmen gemeinsam an traditionellen Kaffeezeremonien und Mittagessen teil, was ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl zwischen ihnen entstehen ließ. Das wiederum half, Vertrauen aufzubauen, was die Zusammenarbeit für alle effektiver machte.
Zusätzlich zu den oben genannten Initiativen, finanzierte die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst ein Sommerschulprogramm. Dieses Programm baute auf den Inhalten auf, die das Team während seiner ersten zwei Wochen an unserer Schule vermittelt hatte, und stellte sicher, dass den Teilnehmenden und Lehrenden weiterhin Unterstützung im Bildungsbereich angeboten wurde.
Ende September 2024 fand ein weiterer Besuch statt, der bis Anfang Oktober dauerte. Diesmal schlossen sich viele vorherige sowie neue Mitglieder dem Team an. Die Gruppe setzte die Reparatur des Spielplatzes fort und die beiden Kindergartenräume wurden gestrichen. Mit der siebten und achten Klasse wurden Tafeln, Stühle und Tische repariert, die während des Kriegs zerstört worden waren. Hinter dem Reparieren stand die Idee, den jungen Menschen Möglichkeiten der Heilung zu ermöglichen – eine äußere (Schule) und eine innere (Schüler:innen) – sowie Selbstwirksamkeit und Resilienzkräfte zu fördern. Darüber hinaus wurde die im Juli begonnene pädagogische Schulung mit Beiträgen zur Unterrichtsgestaltung und Kindergartenbegleitung fortgeführt.
Der vierte und letzte Besuch fand Anfang Dezember 2024 statt, bei dem die bisher durchgeführten Arbeiten abgeschlossen und die bisherigen Schulungen evaluiert wurden. Alle Stühle, Tische und Wandtafeln sind nun wieder benutzbar. Am Ende nahmen die Teilnehmenden an einer Baumpflanzzeremonie teil und konnten somit die Aufforstung des Schulgeländes beobachten.
Die Besuche der notfallpädagogischen Teams in Hawzien sind bedeutende Schritte im fortlaufenden Wiederaufbauprozess nach dem Bürgerkrieg. Durch die Reparatur der Infrastruktur und Durchführung der Workshops zur Waldorfpädagogik sowie der Fortbildungen zur Notfall- und Traumapädagogik verbesserte das Team sowohl die Schule und deren Umgebung als auch die pädagogischen Kenntnisse der Lehrenden. Die gemeinsame Arbeit förderte das Gemeinschaftsgefühl und gab den Eltern die Möglichkeit, die Bildung ihrer Kinder zu unterstützen. Mit Initiativen wie zum Beispiel der Sommerschule wird die Grundlage für eine widerstandsfähige und sich weiter entwickelnde Bildungsgemeinschaft in Hawzien geschaffen, die Heilung und Hoffnung nach dem Konflikt fördert.
Dr. Atsbaha Gebre-Selassie
Da die Folgen des Krieges und die wirtschaftliche Situation nach wie vor den Alltag in Hawzien und Tigray prägen, möchten wir, die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst, auch in 2026 die Schule unterstützen. Neben der finanziellen Unterstützung zur Nahrungssicherheit sollen weitere Seminare angeboten werden.

