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Tansania: Hekima Waldorfschule in Dar es Salaam bis heute einzige Waldorfschule im Land

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Die Hekima Waldorfschule liegt im Stadtteil Goba in Tansanias größter Stadt Dar es Salaam auf einem weitläufigen mit Kokospalmen bestandenen Gelände. Ausgetretene Pfade, von starken Regengüssen ausgespült, führen zu dem Schulgebäude. Bis heute ist die 1997 gegründete Schule die einzige Waldorfschule Tansanias. Die Freunde der Erziehungskunst begleiten die Hekima Schule seit ihrer Gründung und haben sowohl das Grundstück als auch das vorhandene Schulgebäude finanziert. In unserem Auftrag begleitete die pensionierte Waldorflehrerin und Mentorin Ortrud Schmidt die Pädagog:innen der Schule vom 8. Januar bis 29. März 2025 und berichtet uns von ihren Eindrücken.

Vier tansanische Kinder spielen mit Wollschnur

Schüler:innen der Hekima Waldorfschule

Bei meinem Aufenthalt habe ich die sieben Klassen begleitet, deren Klassenräume schon in die Jahre gekommen sind. Auch wenn der Putz bröckelt wird gesungen, gemalt und gelernt. Vor den kleinen Gebäuden befindet sich der hoffentlich gefüllte Wassertank für Trinkwasser. Die Wasserversorgung ist fast ebenso häufig unterbrochen wie die Stromversorgung. Das beeinträchtigt die erst kürzlich gespendeten Ventilatoren in den Klassenräumen, wo bis zu 40 Kinder auf engem Raum bei subtropischen 38 Grad an ihren Tischen sitzen und bei geöffneten Türen und Fenstern lernen. Am Morgen erklingen Lieder auf Suaheli und Englisch und der rhythmische Teil des Unterrichtes findet für die unteren Klassen im Pavillon oder unter schattigen Bäumen statt. Die Waldorfpädagogik wird von den Eltern geschätzt, weil ihre Kinder mit Freude lernen. Das ist in den staatlichen Schulen mit über hundert Kindern in einer Klasse nur schwer vorstellbar.

Es gibt zwei gemeinsame Mahlzeiten für alle Schülerinnen und Schüler; Ugali, Reis und Bohnen sind dabei die Hauptspeise. In einer winzigen Küche mit zwei Gasbrennern bereitet ein immer gutgelaunter Koch das tägliche Essen für die knapp dreihundert Schüler:innen und Lehrer:innen zu. 

Das Gelände bietet genügend Raum, um nach dem Essen zu spielen, zu klettern und je nach Alter auch Strickarbeiten durchzuführen. Nach dem Nachmittagsunterricht warten schon die Schulbusse und bringen die Kinder wieder nach Hause. In den Bussen ist kein Platz mehr frei, so groß ist die Nachfrage nach einer guten Schule.

Vom nahezu vollendeten Pavillon, der als Versammlungsort für Feste, Eurythmie und Chor dient, schweift der Blick vorbei an der angrenzenden Werkhütte über den Sandplatz bis zu dem in einer Senke liegenden Kindergarten für 70 Kinder in verschiedenen Gruppen. Welch eine Freude und ein Trubel, wenn alle Kinder in den offenen Räumen singen, spielen und arbeiten, bevor sie anschließend in der Natur spielen. Nach dem Mittagessen ist auf dem Matratzenlager Ruhezeit bevor es nach Hause geht.

Manchen Eltern fällt es schwer, pünktlich Schulgeld zu zahlen. Damit einige Kinder mit finanziellen Hilfen an der Schule bleiben können, unterstützen großzügige Eltern und die Patenschaftsspender:innen der Freunde der Erziehungskunst die Schule zusätzlich. Bis heute ist es jedoch jeden Monat ungewiss, ob die Einnahmen die Ausgaben und Gehälter decken.

Besprechungen finden in der kleinen Bibliothek statt, während die Lehrerkonferenzen unter dem Vordach abgehalten werden. 17 Lehrer:innen tragen die Verantwortung für den Schulbetrieb – inklusive Verwaltung - neben den vielfältigen pädagogischen Aufgaben.
 
Seit längerem gibt es den Wunsch und die Notwendigkeit nach einem ruhigen Raum für Gespräche oder Vorbereitungen sowie nach größeren Klassenzimmern, in denen ein Regal mit Büchern, Heften und Lernmaterial Platz haben. Um dieses Projekt in die Tat umzusetzen, braucht es das Bewusstsein eines starken Kollegiums, das gemeinsam die Schule für die Zukunft innerlich und äußerlich gestaltet. Mitunter gerät aber der Gestaltungswille ins Stocken und das Wesentliche in Vergessenheit. Der Blick eines Schulmentors oder einer Schulmentorin von außen kann in diesen Krisen hilfreich sein. Denn Krisen sind auch immer Chancen, durch neu gewonnene Erkenntnisse und Ansätze Bewegung in den Schulalltag zu bringen.

Seit vielen Jahren begleite ich Waldorfschulen in unterschiedlichen Ländern und Kulturen und stelle mich entsprechend ihrer Individualität auf unterschiedliche Gegebenheiten und Bedürfnisse ein. Als ehemalige Klassenlehrerin und Mentorin weiß ich, dass ich mich immer wieder auf unbekannte Situationen einlassen muss. Für meine Tätigkeit sind Stabilität und Flexibilität unabdingbar ebenso wie grundlegende pädagogische Erfahrung. Außerdem ist es wichtig, zuhören zu können und nicht sofort ein passendes Rezept bereitzuhalten. Im Gespräch erkennt die Lehrerin oder der Lehrer oft selbst des Rätsels Lösung. Doch gibt es auch Situationen, in denen Entscheidungen zum Wohl des Kindes, der Schule oder der Lehrerin beziehungsweise des Lehrers getroffen werden müssen, die nicht einfach sind. 

Während meiner dreimonatigen Mentorinnenschaft in Hekima führte ich Hospitationen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität in allen Klassen und bei nahezu allen Lehrer:innen durch. Oft ist es hilfreicher als gedacht, von außen einen Blick auf die Unterrichtssituation zu werfen, Impulse zu geben und Mut zu machen. Der Austausch über einzelne Kinder und die Waldorfpädagogik stärken jede Lehrerin und jeden Lehrer. Auf einem stabilen Fundament gedeiht ein gesunder Schulorganismus, in dem die Kinder der Zukunft mit Freude lernen und zu frei denkenden Menschen heranwachsen!

Meine Mentorinnentätigkeit fordert mich täglich heraus und bereichert mich gleichzeitig in ihrer Vielfältigkeit und im Umgang mit Menschen, mit denen ich Erfahrung und Wissen teile und bei denen das Kind im Mittelpunkt steht.

Ortrud Schmidt

Die Freunde der Erziehungskunst begleiten die Hekima Schule schon seit ihrer Gründung und haben sowohl das Grundstück finanziert als auch das vorhandene Schulgebäude. Sie sind zurzeit vor allem mit den Vorständen des Schulvereins im Gespräch über neue Klassenzimmer, die in Kürze gebaut werden sollen. Das dadurch frei werdende Gebäude soll dann, wie ursprünglich geplant, den Kindergarten beherbergen. Spenden für den Neubau der Klassenzimmer nehmen wir gerne entgegen.

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Die Freunde der Erziehungskunst werden immer wieder gebeten, Mentor:innen zu vermitteln, die den Lehrerinnen und Lehrern weltweit dabei helfen, die Unterrichtsqualität zu verbessern. Mit erfahrenen Lehrer:innen, die sich für solch eine Aufgabe interessieren, führen wir vorbereitende Gespräche und wenn Anfrage und Angebot zueinander passen, dann vermitteln wir diese ehrenamtlich tätigen Mentor:innen. Und weil diese Mentor:innentätigkeit nur ehrenamtlich durchführbar ist, ist diese Aufgabe insbesondere für gerade pensionierte Klassenlehrer:innen von Interesse. Wer sich für eine solche Aufgabe interessiert, kann sich gerne an Nana Goebel wenden.

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