„Wenn ich aus dem Fenster des Klassenzimmers nach draußen blicke, fällt mein Blick auf die Erstklässler: sie knien auf dem Boden. Sie formen mit Kiefernzapfen in ihren kleinen Händen behutsam das Wort آب für ‚Wasser‘ in die Erde – das erste zweibuchstabige Wort in Farsi, das sie heute gelernt haben! Ich schaue durch dieses Fenster in unseren Garten, in die Natur. Sie lädt uns alle ein, Teil der lebendigen Welt zu sein…“ (A. Rezvanmanesh)
Es begann im Jahr 2017: zwei Lehrerinnen, eine Erzieherin und eine Gruppe von Eltern kamen zusammen. Oft hatten wir das Bildungssystem kritisch hinterfragt. Ein System, das aus unserer Sicht einen beträchtlichen Teil der Vielfalt – sei es in Bezug auf Geschlecht, Religion, Kultur oder die individuelle Art des „Seins“ – ausklammerte. Ein Kind, so einzigartig es auch war, hatte kaum die Möglichkeit, sich selbst zu entdecken. Wir wollten den Menschen im Mittelpunkt sehen und verstehen, was ein Kind wirklich für seine Entwicklung braucht. So begaben wir uns auf die Suche nach alternativen Bildungssystemen weltweit. Keine konnte uns überzeugen – bis wir auf die Waldorfpädagogik stießen.
Während eine von uns Pädagoginnen ihre Ausbildung zur Waldorferzieherin in Berlin abschloss, führten die Corona-Maßnahmen dazu, dass viele Kurse online stattfanden. Dadurch hatten zwei weitere Lehrerinnen vor Ort die Möglichkeit, an diesen Kursen teilzunehmen, um sich ebenfalls intensiv mit der Waldorfpädagogik zu beschäftigen.
Nach Abschluss unserer Ausbildungen war der Moment gekommen, unser Wissen mit einem größeren Kreis von Menschen zu teilen – Menschen, die dieselben Anliegen und Fragen wie wir hatten. So begannen wir ab 2022, eigene Waldorfkurse zu organisieren. Dank der Unterstützung deutscher Erzieher:innen und Dozent:innen konnten wir diese Arbeit umsetzen.
Klassenzimmer als heiliger Ort
Für unsere Kinder wünschten wir uns einen Ort, an dem sie ganz sie selbst sein dürfen und alle Aspekte ihres Wesens entfalten können. Ein Klassenzimmer ist kein gewöhnlicher Raum mit vier Wänden, in dem sich zufällig Kinder und eine Lehrerin oder ein Lehrer begegnen – es ist ein heiliger Ort. Unser Ort mit den Klassenzimmern und dem Garten ist ein Lern- und Lebensort geworden, in dem Menschen gemeinsam wachsen und gedeihen können.
Im Laufe von drei Jahren haben wir in diesem Garten ein Haus mit drei Klassenräumen gebaut: Einen für den Kindergarten und die erste Klasse, die jeweils nur drei Tage pro Woche in den Garten kommen, und zwei weitere Räume für die Klassen zwei bis fünf, die vier Tage pro Woche hier sind. Leider haben wir nicht genug Räume für alle Klassen. Deshalb sind wir – gegen unseren eigenen Wunsch sowie den der Eltern und Kinder – gezwungen, die Anzahl der Tage zu reduzieren, an denen jede Gruppe den Garten und die Räume nutzen kann. Auf diese Weise schaffen wir es dennoch, allen Kindern die Möglichkeit zu geben, an diesem besonderen Ort zu Lernen.
Alles, was wir aus der Waldorfpädagogik schöpften, flochten wir behutsam und Schritt für Schritt in unsere lokale Kultur ein – getragen von Geduld und einem tiefen Respekt für unsere eigenen Wurzeln. Ein Teil unserer gesellschaftlichen Kultur waren die nationalen Feste und Rituale, die am Rande des Vergessens standen. Wir entdeckten ihre verborgenen Werte, brachten diese wieder zum Leuchten und feierten sie so, dass sie im Einklang mit der Kultur unserer Gemeinschaft standen.
Ein Zuhause für die Waldorfpädagogik im Iran
Die Eltern begleiteten uns auf diesem Weg mit bemerkenswerter Motivation. Die Kosten für den Garten und dessen Ausbau sowie Weiterentwicklung wären ohne die Unterstützung der Eltern nicht tragbar gewesen. Die Kinder waren nicht nur stille Beobachter:innen, sondern aktive Mitgestalter:innen. Sie träumten von ihrer Schule, zeichneten Baupläne für die Klassenzimmer und trugen kleine Sandsäcke. Ihre Begeisterung und ihre Fantasien verliehen der Verwirklichung unserer Pläne viel Kraft.
Trotz politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen, einer Inflation von 41 Prozent, dem Mangel an ausgebildeten Fachkräften und vieler weiterer Hürden sind wir weit gekommen. Wir haben versucht, ein Zuhause für den Waldorf-Gedanken im Iran zu schaffen. Ein sicherer Ort, nicht nur für die Kinder und ihre Eltern, sondern auch für etwa 420 Erzieherinnen und Erzieher aus dem ganzen Iran, von denen einige nach Abschluss ihrer Onlinekurse zu uns kommen, um Praktika zu machen oder an Präsenzschulungen teilzunehmen. Wir haben eine Herangehensweise entwickelt, mit der wir andere Kinderzentren begleiten und unsere Erfahrungen mit ihnen teilen können. Unser Wunsch ist es, dass diese Gemeinschaft Bestand hat, nachhaltig bleibt und wächst.
Ihre Unterstützung für den Kauf des Gartens
Diese Gemeinschaft, die wir mit harter Arbeit und ohne jegliche Unterstützung aufgebaut haben, steht nun vor einer großen Herausforderung: Der Garten, der uns für diesen Traum aufgenommen hat, soll verkauft werden!
Bis jetzt konnten wir ihn mieten, doch um diesen Traum fortzusetzen und diesen Raum als Ort des Wachstums, der Gemeinschaft und des Lernens zu bewahren, brauchen wir Ihre Unterstützung. Nur mit Ihrer Hilfe können wir diesen Garten kaufen und ihn für die Kinder von heute und die kommenden Generationen erhalten – als Ort, an dem Träume Wurzeln schlagen und die Gemeinschaft gedeiht.
Daher bitten wir um Ihre Spende. Jede Spende, ganz gleich wie groß oder klein, trägt dazu bei, dass unser Traum weiterleben kann.
Arefeh Rezvanmanesh

