Vom 9. bis 13. Dezember 2024 reiste ein internationales, sechsköpfiges Team aus Trauma- und Notfallpädagog:innen für ein zweites Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen aus Syrien nach Gaziantep. Mit dabei waren Fachleute aus unterschiedlichen Richtungen wie Musik- und Kunsttherapie sowie ausgebildete Trauma- und Notfallpädagog:innen. Im Fokus dieses zweiten Treffens stand vor allem, die praktischen Einheiten zu Musik, Bewegung und Kunst noch mehr zu vertiefen. Allerdings fiel das Training der Pädagoginnen und Pädagogen aus Syrien genau in die Woche, in der sich dort alles veränderte.
Der politische Umbruch klang die ganze Woche unterschwellig mit. Viele der Teilnehmenden konnten kaum Schlafen, konstant wurden die Nachrichten überprüft und in den Pausen viel diskutiert. Sie bewegten sich in einem Zustand zwischen Hoffnung und Desorientierung, was sich auch in der Arbeit widerspiegelte. So wurden beim Plastizieren mit Ton neben Motiven wie das Friedensmonument in Damaskus genauso die eigenen zerstörten Häuser ausgewählt, die sie hoffen nun wieder aufbauen zu können. Trotz der Aufregung und Unruhe, der Müdigkeit, Zerrissenheit und Hoffnung seitens der syrischen Pädagoginnen und Pädagogen wurde zusammen konstruktiv an Inhalten gearbeitet.
Faten Alabdullah aus Aziz arbeitet seit 2019 als Sozialarbeiterin für eine Hilfsorganisation, die unter anderem in Syrien tätig ist. Sie erzählt, dass für sie bereits die Online-Treffen eine große Bereicherung waren. Das Zusammenkommen in Präsenz im Mai und im Dezember war aber noch entscheidender für sie. Seitdem fühlt sie sich sicher und gut „ausgerüstet“ in ihrer Arbeit mit Kindern und Eltern. Sie begann, direkt nach dem Training im Mai einiges des Gelernten umzusetzen, wie zum Beispiel das Malen mit den Kindern oder das freie Spielen. Außerdem kann sie die Kinder nun besser verstehen – auch ganz ohne Worte. „Ich habe gelernt, besser zu beobachten, was mir die Kinder sagen wollen, ohne dass sie es in Worten ausdrücken können.“ Für Faten kam dieses zweite Training genau zur richtigen Zeit. „Wir werden in ein neues Syrien zurück gehen, es warten viele Herausforderungen auf uns. So gibt es zum Beispiel viele Kinder, die in den syrischen Gefängnissen geboren wurden und aufgewachsen sind. Ich fühle mich nun viel besser vorbereitet für die Arbeit mit ihnen.“ Das Gelernte möchte sie an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergeben.
Für nächstes Jahr ist bereits ein weiteres Treffen geplant. Die Situation ist ungewiss, doch alle hoffen, dass sie sich dann wiedersehen und im weiteren Austausch voneinander lernen können.
Fiona Bay
Dieses Training war möglich durch Spenden aus dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft.

