Die Schule wurde 2006 gegründet. Zuvor gab es bereits eine sozialtherapeutische Einrichtung für Erwachsene mit Assistenzbedarf in Roshni (Roshni bedeutet in Urdu „Licht“). Diese wurde 2001 von Shahida Perveen-Hannesen zusammen mit ihrem Ehemann Hellmut Hannesen und der Unterstützung der beiden Heilpädagogen Lars Jamke und Graham Simpson ins Leben gerufen wurde. Die Green Earth School bietet den Kindern aus dem Dorf Heir, einem Vorort von Lahore, die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, da sie sonst ohne Schulbildung blieben.
Bei der Gründung spielte der Besitzer, Herr Serwar Bhatti, der in Lahore ansässigen Kunststoffrecyclingfabrik Green Earth eine entscheidende Rolle. Er stellte für die nach der Fabrik benannten Schule nicht nur Grundstück und Gebäude zur Verfügung, sondern schuf auch die wirtschaftliche Grundlage dafür – ganz ähnlich wie einst Emil Molt. Das Gebäude der Schule liegt ruhig gelegen etwa 150 Meter von der Straße entfernt. Nach und nach wurde es erweitert, denn bei der Gründung der Schule 2006 hatte sie 80 Kinder, heute sind es 400! Und die Anzahl der Lehrerinnen ist von sechs auf 23 gewachsen, davon sind noch vier aus der Anfangszeit da.
Ein wichtiger Bestandteil der Schule ist die bessere Integration von zum Beispiel gehörlosen Schüler:innen. Kulturbedingt durch den vorherrschenden Islam werden Kinder, die mit Behinderungen geboren werden, als Geschenk Gottes angesehen. Insofern wird sowohl die sozialtherapeutische Einrichtung als auch die Schule sehr gut von der sie umgebenden Gesellschaft angenommen und unterstützt.
Es gibt bereits seit Langem seitens der Pädagagog:innen in Lahore den Wunsch, weitere Waldorschulen zu gründen. Doch bisher sind die sozialtherapeutische Einrichtung in Roshni sowie die Green Earth Roshni School die einzigen Waldorfinitiativen in Pakistan. Generell besteht leider wenig bis keine Vernetzung zwischen den Schulen in Lahore, die in Ausrichtung und Ausstattung nicht unterschiedlicher sein könnten. Im Prinzip können nämlich alle in Pakistan, die über das entsprechende Vermögen verfügen, eine Schule gründen. Im Vordergrund steht dann aber mehr, das eigene Schulkonzept zu verfolgen und durchzusetzen, als sich mit anderen Schulen zu vernetzen.
Das ist sehr Schade, da eine Vernetzung und Etablierung weiterer Waldorfschulen allen, und vor allem den Kindern, zu Gute käme. Denn leider ist es so, dass trotz der erfreulich weiterwachsenden Zahlen der Green Earth School viele Kinder nicht zur Schule gehen können. Sie helfen zu Hause oder gehen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen.
Die Kinder, die die Schule besuchen, folgen dem Unterricht aufmerksam und voll konzentriert. Sie wissen es zu schätzen, dass sie lernen dürfen. Diese Konzentration der Kinder, aber auch der Lehrkräfte während ihrer Fortbildungen, erstaunt und erfreut mich immer wieder aufs Neue. Selbst während einer im Fastenmonat Ramadan stattfindenden Weiterbildung während meines letzten Besuchs im April 2024 waren alle Teilnehmenden mit voller Konzentration dabei. Schön war auch zu sehen, dass die Inhalte der Weiterbildung direkt umgesetzt werden.
Für mich steht fest, dass ich die Green Earth Roshni School und die angegliederte sozialtherapeutische Einrichtung Roshni auch zukünftig wieder besuchen werde, um mit den dortigen Lehrerinnen die Waldorfpädagogik weiter zu vertiefen und Möglichkeiten zu zeigen, wie die Inhalte gut implementiert werden könnten.
Andreas Pelzer

