Die Zeitspanne von der ersten Ankündigung des Zertifikatskurses 2024 bis zu dessen Start im März betrug nur wenige Monate. Unter dieser Voraussetzung war kaum zu erwarten, dass sich letztlich 33 Teilnehmer:innen aus sieben lateinamerikanischen und drei europäischen Ländern für den Kurs immatrikulieren würden. Dies weist auf ein dezidiertes Interesse und einen Bedarf einer akademischen Qualifizierung in der waldorfpädagogischen Lehrer:innenbildung hin. Die meisten Teilnehmer:innen sind tätige Lehrkräfte für Englisch und einige für Deutsch/Italienisch oder Portugiesisch als Fremdsprache, welche bereits in einer Waldorfschule angestellt sind oder es gerne wären.
Da die akademische Ausbildung für Waldorflehrkräfte in Lateinamerika erst am Anfang steht, werden in dem Zertifikatskurs zusätzlich zu der fremdsprachlichen Qualifizierung Hauptaspekte der Waldorfpädagogik auf akademischem Niveau vermittelt. In einigen Modulen steht die Vermittlung der Fremdsprachendidaktik im Vordergrund, in anderen werden die allgemeinen Grundlagen der Waldorfpädagogik vermittelt. Dies geschieht im Dialog mit Positionen der gegenwärtigen Erziehungswissenschaft und Entwicklungspsychologie. Neben der theoretischen und konzeptionellen Arbeit liegt weiterhin ein Schwerpunkt des Kurses auf einer künstlerisch-praktischen Selbsterfahrung im Hinblick auf Entwicklungsprozesse.
Der dreijährige Kurs besteht aus vier Onlinestunden pro Woche in sechs Blöcken sowie vier Wochen Schulpraktikum. Die sechs Blöcke verteilen sich jährlich auf eine lateinamerikanische Präsenz-Blockwoche im Januar von je 13 Tagen und jährlich eine Online-Blockwoche im Juli von je sieben Tagen.
Da die waldorfpädagogischen Ausbildungen in Lateinamerika immer noch weitgehend unabhängig von universitären Strukturen erfolgen, bietet der Zertifikatskurs eine Möglichkeit, die erstrebte Qualifikation mit einem Hochschulzertifikat abzuschließen. Das Zeugnis der Alanus Hochschule wird 60 ECTS (Leistungspunkte) ausweisen und damit international anschlussfähig für darauffolgende Weiterbildungen oder für ein Studium sein. Daraus könnte eine Vernetzung waldorfpädagogischer Ausbildungen mit akademischen Institutionen in diesem Kulturraum entstehen.
Im Januar 2025 wird darüber hinaus im Colegio Rudolf Steiner in Buenos Aires das erste Präsenzseminar stattfinden, welches auch offen für Gaststudierende sein wird. 35 Teilnehmende sowie Dozentinnen und Dozenten aus verschiedenen Ländern werden sich zu einer intensiven Arbeitswoche zum Thema Fremdsprachenunterricht in der Waldorfschule treffen. Wir freuen uns auf den Austausch!
Carolina Kot, Leiterin EFA

