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Südeuropa: Waldorfschulen in Südeuropa kämpfen um ihre Existenz

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Anders als etwa in den skandinavischen Ländern oder in den Niederlanden, Belgien und Deutschland erhalten Schulen in freier Trägerschaft keine staatlichen Subventionen in Portugal, Spanien, Italien oder Griechenland. Sie werden außerdem anders behandelt als Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Daher sind die wirtschaftlichen Herausforderungen groß bis riesig.

Kinder schauen aus Fenstern unter denen eine bunt bemalte Flagge hängt.

Walddorfschule in Palermo

Wenn man die dicht bebaute Via Parlatore in Palermo entlangläuft, bei einem Café landet und dort vertraute Gesichter entdeckt, ist man ein bisschen zu weit gegangen und hat das metallene Tor zur ältesten Waldorfschule auf Sizilien übersehen. Seit 1992 befindet sich eine der südlichsten europäischen Waldorfschulen in Palermo, mitten in der lauten, von großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen geprägten Stadt. Der Arzt Stephan Heinzmann, einer der Gründer der Waldorfschule in Palermo, schrieb einmal: „So ist Palermo eine Stadt der schreienden Gegensätze, wie man sie so in Europa kaum kennt: Neuer Flughafen, Luxusgüter, dicke Autos, bewachte Villen und – einstürzende Altbauten, ganze Straßenzüge ohne Kläranlage, kein Geld für Schulbauten, für Schulen mietet der Staat Wohnhäuser!“ Viele Jahrzehnte schlug sich die Schule durch und musste immer wieder bei den Freunden der Erziehungskunst Darlehen aufnehmen, um die Gehälter der Lehrkräfte bezahlen zu können. Und eigentlich gab es in der verwinkelten Schule, deren Räume in verschiedenen an den Hinterhof angrenzenden Gebäuden untergebracht sind, keine räumliche Wachstumsperspektive. Doch wie soll man den Mut aufbringen, den Standort zu wechseln, wenn man kein Geld hat und selbst um den laufenden Betrieb bangen muss?

Immer wieder werden wir mit der Frage konfrontiert, warum die Freunde der Erziehungskunst sich auch um Waldorfschulen in Europa kümmern und warum wir europäische Waldorfschulen finanziell unterstützen. Wir und unsere Spenderinnen und Spender verfolgen das Anliegen, Waldorfschulen immer dort zu fördern, wo es aus eigenen Kräften nicht ganz gelingt. Und dabei unterscheiden sich einige Länder im südlichen Europa nicht allzu sehr von den Verhältnissen zum Beispiel in Lateinamerika, wo die Gegensätze von Arm und Reich ebenfalls unübersehbar sind und Schulen in freier Trägerschaft ebenfalls nur durch das Engagement der Eltern existieren können.

Erst nach dem Ende des Franco-Regimes 1975 bestand überhaupt die Chance, Waldorfeinrichtungen in Spanien zu gründen. Einige Pioniere und Pionierinnen dieser Zeit, etwa Antonio Malagon in Madrid oder Auria Gomez Galceran in Barcelona, gestalten die Waldorfbewegung bis heute aktiv. Erst nach der Jahrtausendwende und mit vielen Eltern aus den unterschiedlichsten Ländern entstanden weitere Waldorfschulen in Spanien außerhalb der Zentren von Madrid und Barcelona. Heute sind es 18 Waldorfschulen von Lugo in Galizien, über Vittoria Gasteiz im Baskenland, Bellaterra in Katalonien, über Alicante an der Costa Blanca bis nach Malaga in Andalusien. Um eine Anerkennung als Schule in Spanien zu erhalten, braucht es erhebliche bauliche Voraussetzungen. Diese werden nicht von allen Schulen erfüllt, weshalb manche Schulen als sogenannte internationale Schulen mit einer US-amerikanischen Anerkennung arbeiten. Die Verantwortlichen der Escuela Waldorf Alicante fassten vor einigen Jahren den Entschluss, ähnlich wie El Til·ler in Bellaterra oder die Escuela Waldorf Madrid, in Zukunft als staatlich anerkannte Schule arbeiten zu wollen. Daher musste eine Alternative für die immerhin sehr gemütlichen Tipizelte gefunden werden, die bisher als Klassenzimmer dienten. Die Tipis wurden auf einem Platz neben der alten Villa aufgestellt, die bis heute als Kindergartenhaus dient und etwas von der Eleganz der Küstenstadt erzählt. Zunächst war an einen Neubau gedacht, der die Zelte ersetzen sollte, was sich aber als völlig unfinanzierbar herausstellte. Dann entdeckte eine Kollegin in etwa 15 Minuten Autoentfernung ein Schulgebäude einer privaten Schule, das aufgegeben worden war. Auch wenn die Ästhetik dieses Schulgebäudes nicht überzeugte, so brachte es doch große Vorteile mit sich: vor allem eine Schullizenz. Das Gebäude wurde angemietet und umgebaut, was eben nur mit großem Engagement der Elternschaft und mit Hilfe der Freunde der Erziehungskunst ermöglicht werden konnte. Die wirtschaftlichen Probleme sind aber noch nicht überwunden.

Noch viel mehr Engagement der Freunde der Erziehungskunst war vonnöten, um der erst 2017 begründeten Trianemi Waldorfschule in Athen, der Pionier-Waldorfschule Griechenlands, zu einem eigenen Haus zu verhelfen. Das soziale und kulturelle Klima sowie die Bildungsgesetzgebung Griechenlands ließen die Gründung von Schulen in freier Trägerschaft lange nicht zu. Zwar gibt es Privatschulen, aber diese müssen alle das staatliche Curriculum unterrichten, das im Kirchenministerium geplant wird. Es brauchte also großen Mut und großes Geschick, um die erste Waldorfschule Griechenlands zu eröffnen. Sehr gut vorbereitet startete Trianemi in einem von einer Bank gemieteten ehemaligen Kindergartengebäude und erfreute sich schon nach kurzer Zeit großer Beliebtheit. Alle Klassen sind voll, die Wartelisten lang. Trianemi gelang es, die Zeiten der Pandemie zu überleben und schon während der Pandemie Ideen für ein eigenes Gebäude zu schmieden, denn in dem Kindergartengebäude konnte nur die in Griechenland sechs Jahre dauernde Primarstufe untergebracht werden. An Wachsen war in diesem Gebäude nicht zu denken. Im gleichen Stadtteil Maroussi im Norden Athens wurde ein Grundstück gefunden und erworben. Hier wird inzwischen ein eigenes Gebäude gebaut, das Platz für eine doppelzügige Primarstufe und ein einzügiges Gymnasium (in Griechenland die Klassen 7 bis 9) bietet. Wie in vielen südlichen Ländern üblich, glauben die Eltern erst an eine Schule, wenn sie sichtbar dasteht. So gab es keine andere Chance, als das Gebäude mit vielen Darlehen, auch großen Darlehen der Freunde der Erziehungskunst, vorzufinanzieren und diese dann durch Schulgeldeinnahmen zurückzuzahlen. Die Schule wird im September 2025 in ihr neues Gebäude einziehen.

Da Waldorfschule immer aus der Verbindung eines pädagogischen und eines sozialen Anliegens entsteht, kämpfen alle Waldorfschulen in Südeuropa darum, auch Kindern von Eltern den Schulbesuch zu ermöglichen, die sich einen Platz an den Schulen nicht leisten können. Deshalb ist das Bildungspatenschaftsprogramm der Freunde der Erziehungskunst so enorm wichtig, denn es sorgt für die der Waldorfpädagogik inhärente soziale Integration.

In der Zwischenzeit erwarb die Waldorfschule Palermo, wieder unterstützt von den Freunden der Erziehungskunst, die Villa delle Rose, ein Kloster aus dem 19. Jahrhundert. Es braucht einige Jahre, bis im Süden Italiens alle Genehmigungen vorliegen und die Umbauten stattgefunden haben, sodass die Lehrkräfte und Schulvorstände damit rechnen, 2027 in das Gebäude einziehen zu können und endlich, endlich nach 35 Jahren genügend Platz für den Kindergarten und alle Klassen zu haben.

Nana Göbel

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