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Mein Besuch im Projeto Salva Dor: Ein Appell an Ihre Unterstützung für die Kleinsten

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Die Küstenstadt Salvador im Bundesstaat Bahia ist eine der ärmsten Großstädte Brasiliens. Für viele Familien der dazu gehörenden Gemeinde São Lázaro bedeutet die Sicherung des Lebensunterhaltes schon seit je her eine kaum überwindbare Aufgabe. Zusätzlich haben viele Menschen durch die Corona-Pandemie ihre bisherigen, wenn auch kargen, Einkommensquellen verloren. Insofern haben Risikofaktoren für die meisten Familien stark zugenommen. Der Drogenhandel hat die Gemeinde erreicht, die psychosoziale Belastung führte bei Vielen zur Steigerung von Alkohol- und Drogenkonsum sowie zu Kriminalität. Inmitten dieser Armut bietet das Projeto Salva Dor Kindern zwischen zwei und dreizehn Jahren täglich einen verlässlichen Anlaufpunkt und damit ein Gegengewicht zum oft chaotischen Alltag. Schulkinder werden hier außerhalb der Schulzeiten waldorfpädagogisch betreut. Auch der Kindergarten bietet einen Schutzraum mit liebevoller Betreuung und drei Mahlzeiten am Tag. Andrea Naka Marinkovic, die Lehrerin an der Freien Fachschule für Sozialpädagogik Berlin ist, engagiert sich ehrenamtlich für das Projekt und hat es zwischen dem 12. und 15. August 2024 besucht. Für uns berichtet sie von ihren Eindrücken:

Brasilianische Kinder mit Erzieherinnen im Kreis

Spielzeit im Projeto Salva Dor

 „Aus dem eher wohlhabenden Stadtteil Ondina gelangt man über verschiedene Wege und Gassen nach oben auf den Hügel São Lázaro, wo sich der Kindergarten des Projeto Salva Dor befindet. Der Himmel ist meistens blau, wie das Meer, das von oben mit einem weiten Blick zum türkisblauen Horizont zu bewundern ist. Der Weg bis zum Projeto Salva Dor offenbart den täglichen Kampf der Menschen um ein würdiges Leben. Es wird sichtbar, dass der Staat kaum eine Infrastruktur gewährleistet. Einzelnen Menschen ist es zu verdanken, dass die Umgebung durch selbstorganisierte Mülldeponien, improvisierte Fassaden und Dächer sowie selbst geschaffene Wasser- und Stromversorgung ein menschenwürdiger Lebensraum ist.

Früh am Morgen machte ich mich also auf diesen Weg, um oben auf dem Hügel die Erzieherinnen und Kinder des Projeto Salva Dor zu besuchen. Mir begegneten Bewohner und Bewohnerinnen des Viertels, für die der Arbeitstag bereits mit vielen Aufgaben und Herausforderungen begann. Mitten auf der Straße saß auch eine Frau, die bereits so früh am Tag betrunken war. Für sie bot dieser Tag offensichtlich keine Perspektive, keine Aufgabe. Jedenfalls keine, die sie an diesem Morgen bewältigen konnte. Ihre fünf Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren spielten unbeaufsichtigt, den Abenteuern und Risiken der Straße eines sozialbenachteiligten und prekären Wohngebietes ausgesetzt.

Im Projeto Salva Dor angekommen eröffnete sich mir eine ganz andere Welt. Ein geschützter Raum der Liebe, der Einfühlsamkeit, der Fürsorge. Es war Mittagsschlafzeit. Die Kinder hatten bereits gegessen und ruhten sich in ihren Gruppenräumen aus, unter der Aufsicht ihrer Erzieherin Rosângela. In der Küche erzählte mir die Köchin Selma Ribeiro mit großer Begeisterung, was es zum Essen gab. Zudem reichte sie mir das Rezept für ein Hausmittel gegen Husten, was sie gerade mit verschiedenen Kräutern und Wurzeln aus der Region zubereitete und welches sehr gut wirke. Die Mitarbeiterinnen wirkten in diesem Moment wie wahre Engel dieser Kinder auf mich. Vor allem, weil ich wusste, dass sie seit einigen Monaten unentgeltlich arbeiteten und das Essen, was sie dort servieren, zum Teil aus ihren eigenen Haushalten mitgebracht wurde.

Viele Umstände haben seit der Corona-Pandemie auch die Arbeit der Erzieherinnen im Projeto Salva Dor erschwert. Staatliche und private Partnerschaften und Kooperationen sind seitdem zusammengebrochen. Ich fragte mich, woher die Erzieherinnen die Liebe und die Kraft schöpften, hier weiterzuarbeiten und für diese Kinder mit einer solchen Hingabe da zu sein. Möglicherweise tun sie es, weil sie genau wissen, was ihre Arbeit für die Entwicklung jedes einzelnen Kindes bedeutet. Als könnten sie genau einschätzen, wo die Kinder wären und womit sie sich beschäftigen würden, wenn es das Projeto Salva Dor nicht gäbe. Und ja, sie wissen es ganz genau, denn sie sind alle dort aufgewachsen. Möglicherweise finden auch sie in ihrer pädagogischen Tätigkeit und in dieser Gemeinschaft einen Ort der Fürsorge und der Liebe, der ihnen Halt für ihren harten Kampf um ein menschenwürdiges Leben gibt.

Ich verließ die Einrichtung mit gemischten Gefühlen. Gefühle der Bewunderung und der Empörung, der Hoffnung und der Ohnmacht.

Zurück in Berlin bleibt mir nichts anderes übrig, als mich weiterhin für diese Arbeit, für diese Gemeinschaft und für die 40 Kinder einzusetzen und bitte Sie, dies ebenfalls zu tun.

Seit 24 Jahren leistet das Projeto Salva Dor Widerstand. Widerstand gegen eine gesellschaftliche Struktur, die Menschen ausgrenzt. Es ist ein Kampf um die Rechte der Kinder. Das Recht auf eine gesunde physische, seelische und geistige Entwicklung. Das Recht auf eine angstfreie Umgebung für ihre Freizeitgestaltung, das Recht auf ein menschenwürdiges Leben.

Und dafür braucht das Projekt unsere Unterstützung. Zum Beispiel ist eine Renovierung des Gebäudes längst überfällig! Jedes Engagement wird dringend benötigt und ist herzlich willkommen. Macht mit: beim Wow-Day, bei der Übernahme von Bildungspatenschaften und ehrenamtlicher Unterstützung oder durch eine Spende!

                                                                                                                                                                                                                                                                     Andrea Naka Marinkovic

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