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„Ich kam hierher als ein Unwissender“: Bericht über einen internationalen Jugendfreiwilligendienst in Bogotá

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Mein Name ist Matthias Nikolaus Eckstaedt. Ich absolviere seit dem 13.8.2024 bis August 2025 einen Freiwilligendienst in einer der höchstgelegenen Hauptstädte der Welt, einer Metropole in den Anden, einer Stadt, die mir mit all ihrem hastigen Durcheinander schon nach sechs sehr erfahrungsreichen Wochen ans Herz gewachsen ist: Bogotá.

Meine ersten Eindrücke
Ich kam hier her als ein Unwissender. Natürlich gab es ein Vorbereitungsseminar bei den Freunden der Erziehungskunst, auf dem uns viele wichtige Informationen gegeben wurden, aber jede Theorie wird erst in der Praxis zu Erlebnissen. Ich stand als Fremder an einem Flughafen in einem Land, über das ich Gegensätzlicheres nicht hätte hören können und wartete auf Menschen, deren Namen ich nicht einmal kannte und von denen ich nur wusste, dass wir ein Jahr lang zusammenleben und arbeiten werden.

Was ich gehört hatte, kann ich bestätigen. Kolumbien ist wie ein Magnet für Gegensätze, hinter jeder Straßenecke wartet eine neue Überraschung. Hier in Bogotá gibt es moderne Universitäten, Tourismus, Villen im Norden sowie Armut und Slums im Süden. Die von Drogen und Gewalt geprägte Geschichte Kolumbiens hinterlässt immer noch Gegenden, in denen das Leben ein Kampf ist und Gruppierungen von Paramilitärs ihre eigenen Gesetze machen. Im starken Kontrast dazu habe ich beeindruckende Streetart gesehen, Menschen, die auf den Straßen tanzen, moderne Gebäude, eine Kultur in voller Blüte.

Erschlagen von all diesen fremden Eindrücken habe ich hoch motiviert angefangen, eine neue Sprache zu lernen, eine neue Kultur zu leben und mir eine neue Arbeit zur Aufgabe zu machen. Und ich bin stolz darauf, dass diese Arbeit Teil meines Freiwilligendienstes ist.

Bereits in den ersten sechs Wochen meines Freiwilligendienstes durfte ich schon viel Unterschiedliches erleben. Ich habe neue Freunde und eine zweite Familie gefunden. Ich hatte Unfälle in diesem Chaos, das sich Verkehr nennt. Ich war auf Reisen und habe andere Städte gesehen. Ich habe neue Hobbys angefangen, unbekannte Speisen gegessen und jeden Tag habe ich während meiner Arbeit eine wunderschöne Aussicht auf diese Zehnmillionenstadt.

Mein Einsatzort in Bogotá
Meine Einsatzstelle Corporación Educativa y Social Waldorf (CES) liegt in einem der ärmeren Stadtteile auf den Berghängen im Süden von Bogotá, unweit eines Slums, wo sich dürftige Wellblechhütten dicht gedrängt an den Hang ducken. Viele der Kinder, die zu uns kommen, nennen diesen Ort ihr Zuhause.

CES Waldorf arbeitet durch verschiedene Programme mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an der Transformation ihrer Lebensumstände und widmet sich damit der Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen durch Kunst. Die Programme beinhalten, einen Waldorfkindergarten, ein Jugendorchester, Hausaufgabenhilfe für Schulkinder, verschiedene künstlerische und handwerkliche Angebote wie Bastel-, Musik- und Theaterkurse, eine Frauengruppe sowie Erwachsenenbildung am Wochenende. Zudem gibt es in siebenwöchiger Taktung wechselnde Projekte. Im Moment machen wir einen Podcast über CES Waldorf, ein kleines Musical und ein Filmprojekt, das die Arbeit des Projektes vorstellen soll.

Da ich noch nicht so gut Spanisch spreche, werde ich überwiegend in Einsatzbereichen eingesetzt, in denen Sprache nicht ganz so wichtig ist. Ich unterstütze das Küchenteam und das Filmprojekt. Außerdem begleite ich den Musikkurs am Klavier. Beim Podcast sorge ich für interkulturellen Austausch – hier bringt die Sprachbarriere die meisten Schwierigkeiten mit sich, was aber auch ein guter Ansporn ist, die Sprache schnell zu lernen.

Auch wenn das Leben hier ein anderes ist und ich erst einmal eine Weile gebraucht habe, um mich zurecht zu finden, würde ich dennoch sagen, dass ich einen tollen Start in meinen Freiwilligendienst hatte. Ich verstehe mich sehr gut mit meinen Gasteltern, so dass bereits eine vertraute Atmosphäre wie zuhause vorherrscht. Das beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass beide Englisch sprechen und wir dadurch die Sprachbarriere ein bisschen umgehen können.

Die ersten Tage auf meiner Arbeit waren so voll von neuen Eindrücken, dass die Zeit nur so dahinflog. In meinen ersten drei Wochen, waren noch andere Freiwillige da, die mich an die Hand nahmen, mir die Arbeitsaufgaben erklärten, mir zeigten, wie die Stadt tickt, und mit mir spanisch lernten.

Ich war von morgens bis abends unterwegs, was vor allem den ewigen Busfahrten geschuldet war, aber auch mir selbst, denn ich konnte nicht genug davon bekommen, dieses mir noch fremde Leben mit allen Sinnen aufzusaugen. Ich habe in dieser Anfangsphase so viele Erfahrungen konzentriert in so kurzer Zeit gesammelt wie nie zuvor in meinem Leben. Abends wenn ich dann nach Hause kam war ich so geschafft, dass ich auf direktem Weg schlafen gegangen bin, denn ohne zehn Stunden Schlaf pro Nacht hätte ich diese Zeit nicht überstanden. Nach zwei bis drei Wochen wurden die Geschehnisse vertrauter, ich kam etwas zur Ruhe und konnte mich auch mehr auf die Arbeit konzentrieren.

Auch wenn ich kaum mit den Kindern im Projekt reden konnte, gefiel mir die Arbeit mit ihnen von Anfang an sehr und ich hatte Spaß daran, in den Projekten mitzuwirken so gut ich konnte. Mittlerweile kennen mich die Kinder. Sie begrüßen mich, wenn sie mich sehen, versuchen mit mir zu reden und freuen sich schon auf die Zeit, in der ich selbst Projekte und Kurse leiten werde.

In CES Waldorf wird mir nie langweilig. Immer neue Praktikantinnen und Praktikanten kommen und gehen und immer neue Projekte starten und werden abgeschlossen. Mir stehen hier so viele Türen offen, dass ich mit Vorfreude in die Zukunft blicke.

Spendenaktion für CES Waldorf
Da sich CES Waldorf ausschließlich durch Spendengelder finanziert, sind die Möglichkeiten und Ressourcen leider immer wieder eingeschränkt. Ich habe daher ein Spendenprojekt gestartet, um die teils angespannte Lage hier zu verbessern. Ich sammle Spenden, um selbst aktiv werden zu können. Ziel ist es, mit einem Musiker und einem Arbeitskollegen im Sommer 2025 nach Deutschland zu fliegen und dort an Waldorfschulen und öffentlichen Orten aufzutreten. Wir werden kolumbianische Musik machen und von CES Waldorf und meinem Freiwilligendienst berichten, um damit ausreichend Spenden zu sammeln, so dass die Programme hier wieder ausgebaut werden können. Bitte unterstützt uns dabei!

 

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Für Fragen und mehr Informationen:
–    Web: ceswaldorf.org
–    Mail: theresa.hoppe@ceswaldorf.org oder niko.eckstaedt@posteo.de


Spendenkonto:
Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e. V.
IBAN: DE47 4306 0967 0013 0420 10
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: 2335 Mehrwert für CES Waldorf + Adresse für Spendenbescheinigung

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