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Slowakei: Begeisterung auf der mittelosteuropäischen Waldorftagung

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Von 1. bis 5. Juli fand zum Beginn der Sommerferien die zweite große länderübergreifende Tagung der mittelosteuropäischen Waldorf-Schulbewegung in Košice, Slowakei, statt. Etwa 250 anwesende Lehrkräfte nutzten die Gelegenheit und bildeten sich auf den unterschiedlichsten Ebenen – also inhaltlich, wissenschaftlich, künstlerisch und sozial – fort.

Gruppenbild von Tagungsteilnehmenden

Teilnehmende der Tagung

Im Osten der Slowakischen Republik liegt Košice, die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, wuchs aber erst mit der intensiven Industrialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg zur heutigen Größe. Deshalb finden sich neben einem alten Stadtkern mit dem typischen Flair der mittelosteuropäischen Habsburger Kultur große Stadtviertel mit den typischen Wohnblocks, wie sie in allen Städten der sowjetisch beeinflussten Gegenden anzutreffen sind. In einem dieser Nachkriegsviertel und mitten zwischen diesen Wohnblocks befindet sich die Waldorfschule von Košice, die in einer staatlichen Schule mit einem der üblichen Typenbauten untergebracht ist. Die Waldorfschule hat aber auch großes Glück, denn sie liegt an den Ufern der Torysa, daher in einer vergleichsweise grünen Umgebung und verfügt über einen direkten Zugang zu den Uferspazierwegen.

Slavomir Lichvar, einer der Lehrer der Waldorfschule von Košice, lud die von der Internationalen Assoziation für Waldorfpädagogik in Mittel und Osteuropa (IAO) organisierte Tagung in seine Schule ein und sorgte auch für die Begeisterung von Kolleginnen und Kollegen, Eltern und Schülerinnen und Schülern, mit der sich eine solche Tagung für etwa 250 Gäste erst organisieren lässt. Die 1994 gegründete IAO feierte ihr 30-jähriges Bestehen und festigte damit die seit so vielen Jahren aufgebaute Zusammenarbeit der Lehrkräfte der Waldorfschulen von Prag bis St. Petersburg und von Tallinn bis Bukarest.
 
Die Waldorfbewegung findet sich in den ehemals sozialistischen Ländern Mittelosteuropas gerade an einem Wendepunkt, denn die Generation der Gründerinnen und Gründer ist auf dem Weg aus den Schulen hinaus und junge Lehrkräfte müssen die Verantwortung für diese Schulbewegungen übernehmen. Das gelingt an manchen Stellen relativ einfach, an anderen Stellen ist es herausfordernd, da tragende Persönlichkeiten eben rar gesät sind. Außerdem kommen im Zuge der Integration in die Europäische Union und im Zuge der erheblichen Bürokratisierung und des wachsenden Vorschriftenwaldes im Bildungswesen immer neue Herausforderungen auch auf diese Schulen zu, die erst einmal bewältigt werden müssen. Insofern ging es bei dieser Tagung darum, sich auf die Grundlagen der waldorfpädagogischen Arbeit zu besinnen und diese zum Teil auch neu zu erwerben und die Begeisterung für die Aufgabe zu bestärken. Denn wie überall herrscht auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas Lehrkräftemangel. Dieser ist unter anderem verursacht durch die schlechten Gehälter, die in diesen Ländern für Lehrer und Lehrerinnen bezahlt werden und mit denen eben niemand sein Leben, vor allem kein Familienleben, finanzieren kann. Wer sich also entscheidet, Lehrer oder Lehrerin zu werden (auch und gerade in der staatlichen Schule!), muss schon einen leidensfähigen Partner haben oder gewillt sein, gewisse Opfer für die eigene Profession zu bringen. Es braucht also etwas auf der anderen Waagschale. Und das kann sehr viel Gewicht haben: die Begeisterung für die Aufgabe und der Sinn in der Entwicklungsbegleitung von Kindern. Und beides kann immer wieder neu entzündet werden.

Glücklicherweise stellte der Direktor der staatlichen Schule die Turnhalle zur Verfügung, denn die Waldorfschule verfügt weder über einen großen Raum noch über eine Turnhalle. Der etwas heruntergekommene Charme dieser Halle konnte durch farbige Tücher und ein in die Mitte gesetztes Podium übertüncht werden, sodass die volle Aufmerksamkeit auf den Redner oder die Rednerin gerichtet werden konnte. Und Christof Wiechert, Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum von 2001 bis 2010, führte jeden Vormittag, fünfmal hintereinander, tiefgründig, erfahrungsgesättigt und teils auch lustig in die menschenkundlichen Grundlagen der pädagogischen Arbeit ein. Er schuf eine Stimmung, in der die Freude am eigenen Beobachten, die Freude an der fragenden Haltung und am besseren Verstehen der Kinder und Jugendlichen und die Achtung der Freiheit des anderen – ob Kolleg:in, Schüler:in oder Eltern – zunehmend geweckt wurden. Wir alle hoffen, dass seine Vorträge als Einführung in die Aufgaben der Waldorflehrkräfte und als Vertiefung des menschenkundlichen Verstehens sowie der praktischen Unterrichtsgestaltung als kleines Büchlein herausgegeben werden.

Der Tag war so dicht gedrängt mit Vorträgen und Kursen, dass sich sicher die meisten über die offene Abendgestaltung freuten. Aber es gab eine Ausnahme. Gleich zu Beginn der Tagung führten Oberstufenschüler des Prager Waldorflyzeums, vor allem Zwölftklässler, die von ihnen erarbeiteten musikalischen Werke eurythmisch auf. Das Niveau war außergewöhnlich. Alle Zuschauenden verstanden, bis zu welcher Qualität ein guter Eurythmie-Unterricht führen kann. Die Schülerinnen und Schüler beeindruckten zutiefst. Ihrem Beitrag folgte eine Eurythmie-Aufführung des Ensembles der Budapester Eurythmieschule, wieder auf hohem Niveau. Die Budapester Eurythmieschule ist für ihre exzellente Toneurythmie bekannt und wurde dem ihr vorauseilenden Ruf während der gesamten Aufführung gerecht. Für alle Zuschauenden eine riesengroße Bereicherung.

Nana Göbel

 

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