Nach dem Ende der Covid-19-Pandemie werden in Brasilien die Folgen immer deutlicher. Nach Angaben der brasilianischen Hotline 100, einem Dienst, der Informationen und rechtliche Unterstützung für gefährdete Gruppen anbietet und bei dem Menschenrechtsverletzungen gemeldet werden können, haben sich die Meldungen über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, im Vergleich zum Beginn der Pandemie, mehr als verdoppelt. Mädchen sind hierbei die Hauptopfer. Die übermäßige Nutzung von Bildschirmen (mehr als 8 Stunden pro Tag) hat bei vielen Kindern zu Krankheiten wie Angstzuständen und Depressionen geführt. Eine von UNICEF im Jahr 2022 mit 7.700 Personen durchgeführte Studie zeigt dass viele junge Menschen Unterstützung brauchen, aber nicht wissen, wo sie sie finden können.
Für viele Kinder, Jugendliche und Heranwachsende brachte die Pandemie ein hohes Maß an Unsicherheiten für die Zukunft mit sich. Schätzungen zufolge haben zwischen März 2020 und April 2021 mehr als 113.000 brasilianische Minderjährige einen oder beide Elternteile verloren. Betrachtet man die Kinder und Jugendlichen, die ihre Großeltern als Hauptbezugspersonen hatten, so steigt diese Zahl auf 130.000 im Lande.
Die Associação da Pedagogia de Emergência no Brasil(Projektpartner der Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst) wurde 2016 mit dem Ziel gegründet, die Resilienz von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen, die Opfer von Naturkatastrophen, physischer und emotionaler Gewalt geworden sind oder von besonderer sozialer Verwundbarkeit gezeichnet sind, durch notfallpädagogische und therapeutische Ansätze zu stärken.
Nun startet der Verein finanziert durch Spenden von Aktion Deutschland Hilft ein Projekt mit einer Reihe von Fortbildungsseminaren für lokale Pädagog:innen, Therapeut:innen, Sozialarbeiter:innen und weitere medizinisch-therapeutische Fachkräfte. In den Fortbildungen werden sie mit der Theorie der Psychotraumatologie und in Workshops mit praktischen pädagogischen Aktivitäten der Notfallpädagogik vertraut gemacht. Die Workshops beinhalten Geschichtenerzählen, Bewegung, Rhythmus, Musik und Kunst.
Die aktuell besonders angespannte Sicherheitslage und die Folgen der Corona Pandemie erfordern gute Vorbereitungstreffen für die Seminare. Im April und Mai wurden die Seminareinrichtungen besucht und das Projekt in der örtlichen Gemeinde vorgestellt. Hier wurde bereits ein großes Interesse an der Fortbildung deutlich und es konnten gute Kontakte geknüpft werden, mit denen die Associação da Pedagogia de Emergência no Brasil nun weiterarbeiten kann, um die Seminare in den nächsten Monaten erfolgreich umzusetzen.

