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Zukunft säen: Notfallpädagogik in La Danta, Kolumbien

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Im Januar 2022 erhielt Pedagogía de Emergencia Colombia (das nationale Kompetenzzentrum für Notfall- und Traumapädagogik Kolumbien) einen Hilferuf aus dem Ort La Danta. Die Stadt leidet seit vielen Jahren unter schweren bewaffneten Konflikten, die das Ergebnis eines florierenden Drogenhandels in der Region sind. Soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten verschlimmern die Situation der Bevölkerung, die zunehmend unter Stress, Aggressionen, Angst, Depressionen und Zukunftsängsten leidet. Auch die Gewaltbereitschaft innerhalb der Familien hat stetig zugenommen, wodurch sich die Situation der Kinder gravierend verschlimmert. Das, was die Kinder und Erwachsenen in La Danta während des notfall- und traumapädagogischen Einsatzes erlebt durften, fasst die Notfallpädagogin Yaneth Velasquet Ruiz wie folgt zusammen:

In den Tropen des östlichen Antioquia, an der Grenze zu Magdalena Medio, liegt La Danta, eine bezaubernde Stadt voller Wasser, Höhlen und Minen, voller Bäume, mit einer dichten, aber majestätischen Vegetation. An diesem magischen und paradiesischen Ort waren wir mit einem Team von Pedagogía de Emergencia Colombia.

Hinter so viel natürlichem Zauber verbirgt sich eine Bevölkerung, die im Laufe der Jahre von bewaffneten Gruppen beeinflusst wurde. Dies führte dazu, dass an diesem Ort neben der Vielfalt der einheimischen Bäume, die im Dickicht des Dschungels gepflanzt wurden, auch Angst, Ungewissheit, Stille und Trostlosigkeit gesät wurden. Im Laufe der Zeit musste nahezu alle Bewohner:innen traumatische Erfahrungen machen, die Jung und Alt im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Weise berührt haben.

Wir konnten sehen, dass die bewaffneten Gruppen die Stimmen der Kinder zum Schweigen gebracht haben, weil sie Angst davor haben zu sprechen, zu sagen oder zu erzählen, was sie sehen oder was sie inmitten des bewaffneten Konflikts durchlebt haben. Wir sehen die Frauen, die stillschweigend mitansehen mussten, wie ihre Männer und Söhne in einen sinnlosen Krieg zogen und wie der Dschungel sie buchstäblich verschluckte; wie ihre Häuser von Verlust und Tod umgeben waren und wie sie Opfer von Misshandlungen aller Art geworden sind; wie ihre Rechte verletzt und ihnen ihre Selbstbestimmung entzogen wurden. Und da gibt es auch die Männer, die auf die eine oder andere Weise in diesen feindseligen Kontext eingetaucht sind, der sie absorbiert hat, und in dem ihnen der Krieg als einziger Ausweg und einzige Chance präsentiert wurde, da der Staat die Menschen in La Danta im Stich gelassen hat.

Dank der Initiative einiger engagierter Menschen, die in La Danta mehr als nur Traurigkeit und Trostlosigkeit sehen, kamen im April wir, 25 Nofallpädagog:innen von Pedagogía de Emergencia Colombia, mit einem Bus voller Koffer und Träume nach La Danta. Wir hatten ein buntes Angebot an Ton-Workshops, Erlebnispädagogik, Malerei und Formenzeichnen im Gepäck und ließen die Menschen mit Versen, Liedern, Rhythmen, Freude, Zirkus und Geschichten glauben, dass an diesem tristen, verlorenen Ort Magie geschehen kann.  

Das schönste Erlebnis war, dass wir die Menschen mit all den fantastischen Angeboten in ihrem Inneren berühren konnten. Alle Workshops waren mit Liebe zum Detail vorbereitet; wir alle hatten Freude daran, dass wir die Herzen der Menschen in La Danta mit bunten Fallschirmen umwickeln konnten. Jede der Kronen, die wir geflochten haben, machte die Kinder zu Prinzen und Prinzessinnen und sogar die Älteren ließen sich verzaubern. Wir haben den kleinen Superhelden Umhänge angezogen, die es ihnen ermöglichten, zu fliegen. Unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung gaben ihnen Raum, ihre Gefühle ausdrücken, ihre Stimmung mit einem Bild ausgleichen und ihre Stimme mit einem Lied zu öffnen. So konnten Fenster zur ihren Seelen geöffnet werden sowie die Hoffnung auf ein anderes Leben. Wir sind dabei, den nächsten Schritt zu planen. Ich bin überzeugt, dass wir in La Danta eine kleine Gruppe von Notfallpädagog:innen ausbilden werden, die die Bedürfnisse der Bevölkerung versteht und sich ihnen annehmen kann.

An dem Tag, an dem wir La Danta verließen, sahen wir ein Kind, das seine Wäsche aufhängte. Ich nehme an, es half seiner Mutter wie jeden Tag; es schien das gleiche Bild, der gleiche Alltag wie immer zu sein. Aber nein. Dieses Bild war anders. Das Kind trug seine gelbe, geflochtene Krone. Und da war das Bild plötzlich voller Farbe und Hoffnung.

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