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Russland: Online-Unterricht in der Informatik-Epoche

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Auch in Russland sind seit mehreren Wochen die Schulen geschlossen. Zunächst bis Ende Mai gilt in Moskau eine strenge Ausgangssperre, nur wer in systemrelevanten Berufen arbeitet, darf zur Arbeit gehen. Am Rande von Moskau liegt die Waldorfschule Rostok. Wie der Unterricht hier trotz der Ausgangsperre weitergeführt wird berichten die Lehrerinnen und Lehrer in einem Brief an die ihre Spenderinnen und Spender, die Patenschaften an ihrer Schule übernommen haben. Hier beschreiben sie auch, dass sie in der Krise eine Möglichkeit sehen, ihre bisherigen Gewohnheiten zu überdenken und das eine oder andere in eine andere, vielleicht bessere Richtung zu lenken.

Wie auch viele andere Schulen, haben wir unsere Tätigkeit auf online Modus umgestellt. Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, dass wir den Eltern und den Kindern eine Stütze in ihrem alltäglichen Leben leisten, sodass sie den Rhythmus und den Enthusiasmus nicht einbüßen. Wir merken, dass tägliche online-Treffen dabei sehr hilfreich sind. Kinder konzentrieren sich und kommen wieder in Form. Einerseits üben wir das Warten und das Vermissen, unsere Geduld wird angesprochen. Andererseits, „treffen sich“ die Schüler jeden Morgen, freuen sich sehr darüber und erinnern sich dabei an lebendige menschliche Begegnungen. Da entsteht Seelenwärme.

Ab der 9. Klasse führen wir online Unterrichtsstunden durch, weil man in diesem Alter schon vieles mit seinem Intellekt begreifen kann. Sie bereiten sich nach wie vor für ihre Prüfungen vor und sind gerade dabei, Informatik zu erlernen. Vorher hatten wir Sorgen, dass wir für so eine Epoche gar keine Computerausrüstung in der Schule haben und plötzlich, wie durch einen Zauberschlag, findet sich jeder Schüler und jede Schülerin, jeder Lehrer und jede Lehrerin vor einem Rechner! Außer Informatik lernt die 9. Klasse auch Mathe, Russisch, beide Fremdsprachen und, für die Belebung der Gefühle, haben sie noch eine Unterrichtseinheit Theater pro Woche.

In der 7. Klasse haben sie jetzt eine Geometrie Epoche. Die 5. beschäftigt sich mit Russisch, 3. Klasse nimmt Handwerke durch. Die 2. Klasse beschäftigt sich mit Rätselgeschichten und Märchen, gleichzeitig zeichnen sie symmetrische Formen und lernen Fabeln auswendig. Jede Familie bereitet eine kleine Aufführung von einer Fabel vor. Die erste Klasse übt das Rechnen. In dem Lernprozess der jüngeren Schüler und Schülerinnen nehmen ihre Eltern aktiv teil, indem sie den Empfehlungen der Lehrerin folgen. (Endlich haben sie dafür Zeit!) Als Ziel sehen wir hier nicht unbedingt die Weiterleitung der Informationen, sondern das Aufbewahren der Wärme im menschlichen Miteinandersein.

Wir sehen uns diese Situation als eine provisorische an und wollen nicht, dass die Kinder ganz aus dem gewöhnlichen Schulrhythmus herausfallen. Das fast tägliche online Treffen des Lehrerkollegiums hilft uns die immer neu entstehenden Schwierigkeiten operativ zu behandeln. Da unsere Lehrerinnen ihre eigene Kinder in verschiedenen Klassen haben, bekommen wir sofort Rückmeldungen sowohl von der Mutter-, als auch von der Lehrerseite.

Unsere Elternschaft nimmt die finanzielle Situation der Schule sehr ernst und versucht uns zu unterstützen. Eltern, die ihre Einkommensquellen verloren haben und nicht sicher sein können, ob sie ihr Geschäft bald wieder aufbauen können, werden nicht im Stich gelassen. Die Schulgemeinschaft ist sich dessen bewusst und trägt diese Situation, wie sie ist. Wichtig ist, dass wir das Einkommen von den Lehrern und Lehrerinnen, sowie auch von den anderen Schulmitarbeitern sichern können, da viele von uns darauf angewiesen sind.

Eine schwierigere Situation sehen wir mit unserem Kindergarten. Die kleine Kindergartengruppe konnte auch früher schon kaum selbständig auskommen, oft hat ihr die Schule geholfen. Jetzt ist der Kindergarten geschlossen und es bleibt offen, ob die Eltern unsere Kindergärtnerinnen unterstützen können.

Im Großen und Ganzen ist die Stimmung bei uns ganz heiter. Vielleicht bringt uns die entstandene Situation etwas Neues. Wir haben nicht das Gefühl, dass diese Ereignisse auf der ganzen Welt nur alles zerstören, es schwebt die Hoffnung auf eine Erneuerung, auf neue Impulse, auf neue Sprösse. So, wie wir früher gelebt haben ist zu einer Gewohnheit geworden, zu etwas Unbewusstem. Und nun ist das gewöhnliche Leben zu Ende. Wir erleben gerade einen starken Moment der Selbstbesinnung, ein ZuSichKommen, und stehen vor der Frage: Was sollen wir weglassen und was aufbewahren, was müssen wir tun und was wir auf keinen Fall tun dürfen.

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