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Äthiopien: Zur Heuschreckenplage kommt die Corona-Krise

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In der kleinen Stadt Hawzien im Norden Äthiopiens gibt es seit 2006 einen Waldorfkindergarten und seit September 2014 eine dazugehörige Schule. Die Eltern können nur symbolische Beträge an die Schule und den Kindergarten bezahlen. Schulgründer Atsbaha Gebre-Selassie und seine Kolleginnen und Kollegen sind fast vollständig auf Spenden angewiesen. Eine Initiatorin und Begleiterin der Schule ist Magdalena Bächtle, ehemalige Schülerin der Waldorfschule Chiemgau. Angesichts der ohnehin schon schwierigen Situation und der zusätzlichen Belastung durch die aktuelle Heuschreckenplage und eines Lockdowns wegen der Corona-Krise bittet Sie in einem Brief um Spenden für die Schulgemeinschaft von Finks-Hawzien.

Liebe Freunde und Unterstützer von Finks-Hawzien,

ich hoffe, Ihnen geht es in diesen Zeiten gut und Sie sind und bleiben gesund. Derzeit stehe ich so gut es geht mit Hawzien in Verbindung und möchte Ihnen hiermit einen Einblick in die Welt vor Ort, zum aktuellen Stand und in der nahen Zukunft geben. Soviel vorab: Es sind keine schönen Aussichten und Ihre Hilfe wird dringend benötigt.

Der Shutdown des öffentlichen Lebens erfolgt überall. Die Auswirkungen dieses Stopps des öffentlichen Lebens treffen die Länder des globalen Südens ungleich härter. Es ist schon heute absehbar, dass den Menschen in diesen Ländern, und dazu gehört weit oben auf der Liste auch Äthiopien, nicht nur die mögliche Viruskrise droht, sondern auch, dass die sozial-ökonomischen Auswirkungen in Folge des Shutdowns viele Todesfälle fordern. Vielleicht sogar mehr als das Virus an sich. Zusätzlich breitet sich die ostafrikanische Heuschreckenplage weiter aus und bedroht die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen.

Mir ist bewusst, dass auch hier in Deutschland das Wegbrechen der Arbeit, Kurzarbeit sowie die Schließung der bundesdeutschen Tafeln Angst und Verunsicherung auslösen. Angst und Verunsicherung werden immer individuell erlebt. Sie sind nicht vergleichbar.

Aber Elend ist dann vergleichbar, wenn es an die Substanz geht, wenn die Chance Essen zu bekommen über Leben und Tod entscheidet. Die Menschen in Hawzien bereitet sich auf genau diese Situation vor. Wie kann man sich darauf vorbereiten? Hamsterkäufe? Ohne Geld, Kühlmöglichkeiten, einer bevorstehenden Regenzeit und damit nassem, schimmelndem Mehl? Mal ganz davon abgesehen, dass Hamsterkäufe sowieso kritisch zu hinterfragen sind. Einrichtungen mit der Möglichkeit der großzügigen Vorratshaltung sind potenzielle Opfer von Raubüberfällen, in den zu erwartenden und hoffentlich nicht kommenden, schlimmsten Zeiten. Es besteht die realistische Befürchtung, dass die großen wöchentlichen Märkte mit über 2.000 Besuchern verboten werden, dies würde vielen Familien in Hawzien und Umgebung jeglicher Existenzgrundlage berauben. Viele Familien sind auf den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen oder handwerklichen Erzeugnisse angewiesen und wären mit dem Ausfall der Märkte mittellos. Dr. Atsbaha Gebre-Selassies Schätzungen nach, sind mindestens 150 Familien in Hawzien von lebensbedrohlicher Mangelernährung oder gar dem Hungertod betroffen. Einige Familien, rationieren das Essen bereits, um im Fall des Falles, einige Tage länger versorgt zu sein. Die Konsequenz ist, dass nicht jedes Kind jeden Tag ausreichend mit Essen versorgt ist. Wie soll das werden, wenn der vollständige Shutdown in Hawzien ausgerufen wird? Zurzeit gibt es in Äthiopien 82 mit Covid19 infizierte Menschen, drei sind bisher gestorben und 14 vollständig geheilt (Stand 14. April 2020). In ganz Tigray und in Hawzien gibt es bis jetzt keine bekannte infizierte Person. Trotzdem sind die Kindergärten und Schulen seit dem 25. März 2020 geschlossen, dies war zunächst für 14 Tagen angedacht und wurde nun auf die nächsten drei Monate ausgeweitet. Die Kindergartenkinder und Schüler bleiben zu Hause. Staatlicher Unterricht wird mit Hilfe von Radios und TV angeboten. Aber nicht alle Familien haben Radio und TV im Haus. Für die Armen ist die Situation sehr schwierig. Unsere Lehrer geben Beratungen über die Prävention von Covid19 Infektion und helfen auch mit Seife und anderen Hygieneartikeln und Ratschlägen.

Die nicht perfekte, aber einzige sinnvolle Idee, die wir momentan verfolgen, ist, die bedürftigen Familien im Bedarfsfall finanziell zu unterstützen. Eine Familie benötigt zum Überleben ca. 900 Birr (25 €) in der Woche, das sind 100 € im Monat und für die 150 ÄRMSTEN Familien in Hawzien, werden somit 15.000 € Soforthilfe benötigt.

Ich muss ganz ehrlich sagen, in einer solchen Situation habe ich mich bisher nie befunden. Ich sammle Geld für Hawzien seitdem ich 17 Jahre alt bin, ich habe das Projekt immer für sehr sinnvoll befunden (und tue dies nach wie vor) und die sogenannte Notfallhilfe in Krisengebieten anderen Organisationen überlassen. Diese anderen Organisationen (wie auch unsere Schirmorganisationen: Freunde der Erziehungskunst und Zukunftsstiftung Entwicklung) sind aber derzeit auch überlastet und sind keinesfalls in der Lage ohne vermehrte Unterstützung im Umfeld ihrer Projekte Nothilfe zu leisten (auch wenn sie ihr Möglichstes tun). Ich habe Angst und fühle mich überfordert, plötzlich geht es direkt um Leben und Tod, wenn wir nichts unternehmen ist das Leben von vielen Menschen bedroht. Darum bitte ich Sie aus tiefstem Herzen, helft den Familien in Hawzien (oder auch anderswo auf der Welt) diese Situation zu meistern.

Ich werde Sie über die Situation in Hawzien und die Verwendung der Gelder auf dem Laufenden halten.

Bleiben Sie gesund und guten Mutes!

Magdalena Bächtle

Hier können Sie für die Schulgemeinschaft in Hawzien spenden

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