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Bildungsarmut verhindern und Traumata heilen

Notfallpädagogischer Schulungseinsatz im Libanon

Kein Land der Welt hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon (gemessen an der Einwohnerzahl). Nach UN-Schätzungen befinden sich allein ca.1,3 Millionen Flüchtlinge aus Syrien im Libanon - in vielen grenznahen Städten leben dreimal mehr Geflüchtete  als Einwohner.  Am 06.07.2019 reiste ein 10-köpfiges deutsch-irakisches Team nach Baalbek, um die Kindergarten-Erzieherinnen im Wavel-Flüchtlingslager zu den Themen Trauma, Kleinkindpädagogik und praktischen Handlungsmöglichkeiten zu schulen.

Für den Libanon, selbst ein instabiler Staat, ist die Lage schwierig. Bereits vorhandene Probleme wie Müllentsorgung und medizinische Betreuung haben schon vor dem Krieg nicht richtig funktioniert, nun stehen sie wie die Strom- und Wasserversorgung vor dem Kollaps. Die Geflüchteten sind in Camps wie dem Wavel Flüchtlingscamp in Baalbek untergekommen, das vor über 70 Jahren entstand. Es liegt in einer von Armut geprägten Region und hat aufgrund der hohen Flüchtlingsrate aus Syrien einen starken Zuwachs zu verzeichnen. Die hier lebenden Menschen haben Krieg und Gewalt erlebt und wurden zum Teil mehrfach umgesiedelt, besonders die Kinder leider unter der Situation.  Die NGO Inaash (Association for the Development of the Palestinian Camps) unterhält hier einen Kindergarten, der derzeit 240 Kinder (palästinensische Flüchtlinge aus dem Libanon und Syrien) beherbergt und 17 Erzieherinnen beschäftigt.

Wegen mangelnder pädagogischer Kenntnisse sowie fehlender finanzieller Mittel, hat sich Inaash an die Organisation Just Childhood gewandt, die nun den Kindergarten übernommen haben und mit Inaash zusammenarbeiten. Just Childhood führt seit 2015 erfolgreich den waldorfpädagogischen Bait al-Shams Kindergarten im Shatila Flüchtlingscamp in Beirut, der  57 Kinder und sieben zertifizierte Erzieherinnen umfasst. Sie wirken neben ihrer Arbeit mit den Kindern als Multiplikator/innen, die nun z.B. die Erzieher/innen im Wavel-Camp ausbilden können. Da hier die Kinder sowie viele Erzieherinnen Traumata erfahren haben und zum Teil täglich neu erfahren, müssen diese pädagogisch aufgefangen werden. Für diese trauma- und notfallpädagogische Unterstützung wurde die Abteilung der Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. angefragt.

Die Fortbildung durch die internationalen Fachkräfte beinhaltet Psychotraumatologie, Methoden der Notfallpädagogik, Erste Hilfe für die Seele, Schule/Kinderschutzzentrum als sicherer Ort sowie Krise als Chance. Hinzu kommen Ansätze aus der Kleinkind-, Kunst-, Erlebnispädagogik und Eurythmie. Ziel ist vor allem, den lokalen Mitarbeitenden zu helfen, einen Ganztagskindergarten aufzubauen, in dessen Umgebung das psychische Wohlbefinden der Kinder und somit ihr Lernverhalten altersgerecht verbessert, soziale Interaktionen gefördert und unter Einbeziehung der Eltern ein gewaltfreies und stabiles Umfeld hergestellt werden kann. Da Kinder von ihrer Umgebung geprägt werden, werden Rehabilitationsmaßnahmen vorgenommen, um neben dem sicheren inneren Ort auch einen sicheren äußeren Ort zu gewährleisten. In diesem Rahmen werden auch Spielsachen, Möbel, Farben zur Gestaltung der Räumlichkeiten organisiert.