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Baphumelele – Hoffnung in der Township Khayelitsha
Alles begann damit, daß 1987 Rosie Mashale einen kleinen Kindergarten für Kinder eröffnete, die zuvor täglich auf einer Müllhalde gespielt hatten... Zehn Jahre später besuchte Präsident Nelson Mandela den zu einem großen Zentrum gewordenen Kindergarten. Im selben Jahr 1997 wurde durch den Clemens-Fonds, gegründet von Brigitte und Dieter Mainz, der Beginn von Rosie´s neuem Projekt, dem Baphumelele Children´s Home, einem Waisenhaus, ermöglicht.
2007, wiederum zehn Jahre später, ist „Baphumelele“ ein umfangreiches Sozialprojekt geworden, das sich über eine ganze Straße erstreckt: Schon seit 2000 hat der Kindergarten fast 300 Kinder, 2001 entstand ein Waisenhaus mit heute rund 100 Kindern, 2004 gab es wesentliche Verbesserungen in der Organisation, 2005 begann ein Projekt für aids-kranke Jugendliche, und derzeit sind fünf „Cluster Homes“ im Bau, in denen je 8 Kinder wohnen und betreut werden können..
Projektbericht April 2007
Auf unserer sechsten Reise nach Südafrika erwartete uns ein ganz besonderes Ereignis: die feierliche Einweihung eines neuen Gebäudes, des von der Bonita-Stiftung finanzierten „Bonita-Hauses“ für HIV-infizierte Jugendliche. Vor der Abreise fragten wir uns, ob wohl zutreffen würde, was wir durch E-Mails über Baphumelele Children’s Home in der Dabula Stret in Khayelitsha/Kapstadt gehört hatten: Wir würden staunen, was sich in den letzten zwei Jahren entwickelt habe. Ein Besucher schrieb uns sogar, er könne nur „Wow!“ sagen zu dem, was er gesehen hat.
Am 18. April 2007 wurden wir wie immer an der Tankstelle des Flughafens abgeholt, diesmal nicht von Rosie Mashale selbst, sondern von einem Fahrer, der für sie tätig ist. Wie wir später sahen, war das schon ein Zeichen dafür, dass Rosie von vielen treuen Helfern umgeben ist.
Dabula Street – eine ganze Straße der liebevollen Hilfe
Mit großer Freude - natürlich auch darüber, uns wiederzusehen - und man darf schon sagen mit Stolz führte sie uns durch die gewachsene Einrichtung, beginnend mit "unserem" Clemens-Haus am Anfang der Dabula Street.
Der Barackenanbau war verschwunden und durch einen soliden Ausbau ersetzt. Das ganze Haus strahlte in heller blauer Farbe und war gut eingerichtet und in bester Ordnung. Nun zeigte Rosie uns die Quartiere für die Freiwilligen, die Holzwerkstatt, das Büro, das Baby-Haus, die Wäscherei und die Küche, die die Kinder und Helfer von Baphumelele versorgt.
Schließlich kamen wir zu den neuen Familienhäusern, Cluster Homes genannt. Für die Errichtung dieser Gebäude fand Rosie Unterstützer wie Elton John und die Montreal Jewish Foundation, um nur zwei der Sponsoren aus aller Welt zu nennen. Für die Einrichtung fanden wir weitere Sponsoren: unsere Familie mit Verwandten und Freunden, ganz besonders möchten wir hier auch den Rotary Club Salzgitter/Wolfenbüttel erwähnen. Brigittes Bruder initiierte und organisierte diese Hilfe. Fünf Familienhäuser sind schon gebaut, vier davon eingerichtet, weitere geplant.
Dann kam noch Rosie’s Kitchen. Rosie erhält von verschiedenen Märkten Gemüse, das nicht mehr verkauft werden kann. In einer Art Volksküche versorgt sie die Notleidendsten aus der Umgebung mit Essen. Den Abschluss der Dabula Street bildet eine Soap Factory. Dort wird Menschen aus dem Bonita-Haus, die krank, aber noch arbeitsfähig sind, eine Möglichkeit gegeben, tätig zu sein. Alles machte den besten Eindruck.
Auf unserem Weg durch Baphumelele lernten wir die wunderbaren Menschen kennen, die dort tätig sind. Jeff, der die Verwaltung und die Buchführung auf eine solide Basis stellte, und seine Frau, die Programme für die Kinderbetreuung entwickelt hat. Katie, die derzeit für die Volontäre zuständig ist und im August Jeffs Aufgabe übernehmen wird, wenn er mit seiner Familie in die USA zurückkehrt. Kathrin, Rosie´s Architektin. Laura, die sich um das Sponsoring kümmert und zur großen Fundraising Gala im Zentrum von Kapstadt am 10.5.2007 eingeladen hatte...
Wir lernten die tüchtigen Freiwilligen aus aller Welt kennen (von ihnen wird später noch zu berichten sein) und die vielen Helfer: den Koch, der für die gesamte Baphumelele-Gemeinschaft das Essen zubereitet, die Köchin, die in Rosie’s Kitchen wirkt, die Home Mothers, die Caretakers (Betreuerinnen und Betreuer der Baphumelele-Kinder) und die vielen übrigen hilfreichen Hände direkt aus Khayelitsha. Die Wärme und die Herzlichkeit zu erleben, die diese schwarzen und farbigen Menschen ausstrahlen, ist etwas ganz Besonderes.
Einweihung des Hauses für HIV-infizierte Jugendliche
Mittags wurde dann die feierliche Einweihung des Bonita-Hauses begangen. Zu Beginn wurden wir in einen Raum mit einem großen Tisch geführt, an dem später die gemeinsame Mahlzeit eingenommen wurde. Überdeckt war er mit einem wunderbaren Tuch: Es war geschmückt von einem Kranz von Dutzenden von Händen in allen Farben, und in der Mitte stand ein Wort: Enkosi - das Xhosa-Wort für „danke“.
Die gesamte Gemeinschaft sang ein Dankeslied auf Xhosa und Englisch. Dann hielt Rosie eine große Rede, in der sie an die allerersten Anfänge vor zehn Jahren erinnerte, als sie uns - wir kannten sie nur per Fax - am Flughafen in Kapstadt begrüßt hatte. Sie sagte, wie sehr sie damals von dem Wunsch erfüllt war, etwas für die Allernotleidendsten, für verlassene und kranke Kinder, für Kinder ohne Eltern zu tun. Sie erinnerte daran, wie tief uns das Schicksal unseres Clemens miteinander verbunden hat, wie wir dann den Clemens-Fonds gründeten und wie bereits ein halbes Jahr später der Rohbau des Hauses stand, das Rosie Clemens-Haus nannte. Wenige Monate später zogen die ersten Waisenkinder ein und bald war das Haus überfüllt...
Nach dem gemeinsamen Mahl kam Rosie’s Chor und sang und tanzte vor dem Bonita-Haus. Da Worte fehlen, es angemessen darzustellen, hielten wir es im Bild fest, besser noch wäre ein Film.
Das Bonita-Haus ist jetzt voll eingerichtet. Es hat einen Ärzte-Raum, ein Büro, einen Gemeinschaftsraum und Krankenzimmer mit 15 Krankenbetten. Alles macht einen sehr freundlichen Eindruck. Die Behandlung von Kranken hat schon begonnen. Zweimal in der Woche kommt ein Arzt, zwei Krankenschwestern sind im Bonita-Haus tätig, und die Betreuer haben Kontakt zu vier verschiedenen Kliniken. Bei aller Not der Kranken und Schwerkranken waren wir zutiefst berührt von der Wärme und Liebe der sie betreuenden Menschen.
Der Kontakt zur Zenzeleni Waldorfschule
In unserer Woche in Kapstadt besuchten wir auch zweimal die Zenzeleni Waldorfschule, die sich sehr gut entwickelt hat. Nach wie vor hat sie sieben Klassen, ein weiterer Ausbau ist noch nicht geplant. Die Anmeldequote übersteigt zur Zeit die Aufnahmemöglichkeit, in mehreren Klassen gibt es bereits 40 Schüler.
Leider besuchen derzeit nur noch sechs Baphumelele-Kinder die 7. Klasse der Zenzeleni-Schule. Seit der staatlichen Anerkennung des Baphumelele Children’s Home ist dort eine Sozialarbeiterin eingestellt. Sie wird vom Staat bezahlt und hat die Zuständigkeit für die pädagogische Betreuung der Kinder. Sicher hat sie schon viel Gutes bewirkt, doch leider veranlasste sie Ende 2006 auch, dass zum neuen Schuljahr alle Baphumelele-Kinder (außer die Siebtklässler) eine öffentliche Schule besuchen. Ihre Gründe waren der lange Schulweg zur Zenzeleni-Schule und die Sorge, ob die Kinder die Umstellung auf eine öffentliche Schule ab der 8. Klasse verkraften könnten. Niemand, auch Rosie nicht, wurde in diese Entscheidung einbezogen...
Dank etwas Glück und der spontanen Bereitschaft von Rosie konnten wir uns zu einen Gespräch mit Lehrern der Zenzeleni-Schule treffen. Durch diese offene Aussprache konnten entstandene Missverständnisse ausgeräumt werden. Am Ende stand die gegenseitige Zusicherung, dass für die nächste erste Klasse Baphumelele-Kinder angemeldet werden können und sollen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch allen Paten herzlich danken, die uns oft über Jahre hinweg unterstützt haben.
Wir hatten auch Gelegenheit, zwei Public Schools kennenzulernen, die jetzt auch von Baphumelele-Kindern besucht werden. Beiden machten einen durchaus freundlichen Eindruck. Die Lehrer begegneten ihren Klassen mit Freundlichkeit. Wir erlebten Schulleiter, die sehr ambitioniert waren und z.B. dafür sorgten, dass die Schüler an sportlichen und musikalischen Veranstaltungen teilnehmen konnten. Nach staatlichen Vorstellungen sollten die Klassen nur 30 Kinder haben, aber die Wirklichkeit sieht anders aus – meist haben die Klassen die doppelte Größe. Beide Schulen hatten über 1200 Schüler und drei bis vier Parallelklassen. Natürlich ist unter solchen Umständen ein individueller, auf die Persönlichkeit des einzelnen Schülers bezogener Unterricht wie in der Zenzeleni-Schule nicht möglich.
Großes Engagement junger Freiwilliger
Ein Wort noch zu den Freiwilligen: Die erste deutsche Freiwillige im Baphumelele Children’s Home kam im Dezember 2004 als „Touristin“ bei Rosie an. Damals gab es noch kein organisiertes Freiwilligenjahr in Baphumelele. Inzwischen jedoch konnte in Zusammenarbeit mit den Freunden der Erziehungskunst für das Baphumelele Children’s Home die staatliche Anerkennung als Dienststelle gewonnen werden.
Von den Volontären wird ein hohes Maß an Eigeninitiative erwartet. Diese Freiheit gibt neben der oft harten Alltagsarbeit auch Gestaltungsspielraum. Zur Zeit sind vier Freiwillige aus Deutschland in Baphumelele. Wir waren beeindruckt von diesen jungen Menschen und ihren Initiativen, z.B. die Teilnahme der Kinder an Wettbewerben zu ermöglichen, für Nachmittagbetreuung der Kinder zu sorgen, Gemüsebeete zu gestalten. Die Freiwillige haben sogar ein Sportprojekt mit Kindern aus verschiedenen Heimen von Khayelitsha organisiert und dafür auch Sponsoren aus mehreren Ländern gewonnen...
Wir haben unseren diesjährigen Besuch mit einem sehr guten Gefühl beendet. Am meisten beeindruckt waren wir von der heiteren Atmosphäre und der Herzlichkeit der wunderbaren Menschen, die dort tätig sind. Nelson Mandela’s Idee von der Regenbogen-Gesellschaft Südafrikas – wir hatten den Eindruck: in Baphumelele ist sie schon Wirklichkeit.
Brigitte und Dieter Mainz, Clemens-Fonds







