Deutsch  |  English

Interviews & Berichte

Aimar Zabaleta besucht die zwölfte Klasse der Waldorfschule Überlingen am Bodensee. Seit fünf Jahren engagiert sich Aimar am weltweiten Schüleraktionstag WOW-Day.
zum Interview

 

Angela Basenach geht in die zehnte Klasse der Jacob Böhme Waldorfschule in Görlitz. Vom WOW-Day hat die Sechzehnjährige zum ersten Mal in ihrem zweiten Jahr an der Waldorfschule gehört. zum Interview

Cosima Nagel besucht die zwölfte Klasse der Waldorfschule Überlingen am Bodensee. Als Mitglied der Schülermitverwaltung der Schule informiert sie MitschülerInnen über den internationalen Spendensammelaktionstag. zum Interview

Bereits zum 10. Mal nimmt die ungarische Waldorfschule in Vac teil. Dazu kamen an einem Samstagmorgen SchülerInnen und LehrerInnen der sechsten bis achten Klasse auf dem Marktplatz der Stadt zusammen.  zum Artikel

Interview: „Eine großartige Chance, anderen Menschen zu helfen“

Aimar Zabaleta (17) besucht die zwölfte Klasse der Waldorfschule Überlingen am Bodensee. Ursprünglich kommt er aus Spanien, lebt aber schon seit zwölf Jahren in Deutschland. Seit fünf Jahren engagiert sich Aimar am weltweiten Schüleraktionstag WOW-Day. Als Mitglied der Schülermitverwaltung seiner Schule informiert er MitschülerInnen über die Aktion, lädt interessante Referenten aus Projekten in aller Welt ein und behält den Überblick, wenn später alle Spenden der Schulgemeinschaft zusammengetragen werden.

Im Rahmen der 26. Bundesschülerratstagung der WaldorfSV in Kaltenkirchen traf unsere WOW-Day Koordinatorin den engagierten Siebzehnjährigen.

Aimar, welche Bedeutung hat für dich die Waldorfschule?
Waldorfschule bedeutet für mich, dass vor allem in den frühen Jahren bis zur achten Klasse so ein bisschen Alternativprogramm stattfindet. Im Vordergrund stehen insbesondere die künstlerischen Fähigkeiten und das Entwickeln der eigenen Persönlichkeit und nicht nur die schulischen Leistungen.

Als Schülersprecher setzt du dich für die Interessen deiner MitschülerInnen ein. Was machst du, wenn du nicht in der Schule bist?
Ich spiele Volleyball und fotografiere sehr gerne. Auch fahre ich gerne Rennrad.

Warum engagierst du dich beim weltweiten Schüleraktionstag WOW-Day?
Der WOW-Day ist für mich eine sehr gute Möglichkeit, sich schon als junger Mensch für andere Menschen einzusetzen und einfach was zu tun. Dazu hat man sonst nicht unbedingt die Möglichkeit, allein schon mit 13,14 oder 15 Jahren einen Tag arbeiten zu gehen. Das Geld dann an jemanden zu spenden, der es vielleicht nötiger hat als wir gerade, empfinde ich als wundervolle Gelegenheit, Menschen an anderen Orten zu helfen.

Was macht deine Schule am WOW-Day?
Der WOW-Day findet bei uns immer am 29. September des Jahres statt. Da bekommen wir einen Tag schulfrei und können stattdessen arbeiten gehen. Das Geld, das wir dabei verdienen, kommt dann in einen großen Topf und wird an verschiedene Einrichtungen gespendet. Dabei entscheiden die Klassen selber, welche Projekte sie mit ihrer Spende unterstützen wollen.

Wie würdest du andere dazu motivieren beim WOW-Day mitzumachen?
Ich denke genau aus dem gleichen Grund aus dem ich persönlich da mitmache. Weil es einfach eine sehr großartige Chance ist, anderen Menschen zu helfen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Also wenn ich über das Thema Schule nachdenke: Bei uns in Deutschland mehr politische Bildung. Allgemein einfach auf der ganzen Welt insgesamt mehr Bildung oder mehr Schulen, so dass alle Kinder die Möglichkeit haben, sich selbst eine eigene Meinung zu bilden. Das ist glaube ich eine sehr, sehr wichtige Sache, um die wir uns kümmern sollten.

Interview: „Ich möchte, dass Kinder überall auf der Welt die gleichen Chancen bekommen“

Angela Basenach (16) geht in die zehnte Klasse der Jacob Böhme Waldorfschule in Görlitz. Bis zur siebten Klasse besuchte sie ein staatliches Gymnasium, bevor sie dann mit 13 Jahren zur Waldorfschule wechselte. Rückblickend eine echte Rettung, so die Sechzehnjährige.

Im Rahmen der 26. Bundesschülerratstagung der WaldorfSV in Kaltenkirchen traf unsere WOW-Day Koordinatorin den engagierten Siebzehnjährigen und sprach mit ihm über die (Waldorf-)Schulzeit, WOW-Day und Wünsche für die Zukunft.

 

Angela, welche Bedeutung hat für dich die Waldorfschule?
Ich war bis zur siebten Klasse am Gymnasium, das heißt ich war vorher an der freien Grundschule, dann am Gymnasium. Damals gab es die Waldorfschule in Görlitz noch nicht. Die ist erst sechs Jahre alt. Meine Leistungen in der Schule waren nicht besonders gut. Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich wiederholen möchte, um an die Waldorfschule zu kommen. Für mich ist die Waldorfschule echt die Rettung gewesen, weil ich kein Bock mehr hatte auf Lernen. Oft kam ich nach Hause und wollte eigentlich nichts mehr von Schule hören.
Ich bin dann an die Waldorfschule gekommen. Dort war ich dann total „happy“. Eine der Streberinnen, die Eurythmie liebt und ihre Epochenhefte jedes Mal ausgestaltet. Ja, für mich ist Waldorfschule was Tolles, ich überlege sogar, ob ich selbst einmal Wahldorfpädagogin werden möchte und dann selber Klassenlehrerin. Die Waldorfschule bedeutet für mich viel. Einen Weg das Leben zu lernen. Also wirklich für das Leben zu lernen und nicht einfach für das Abitur oder um danach zu studieren zu können, sondern nachhaltig zu lernen.

Was machst du, wenn du nicht in der Schule bist?
Seit diesem Jahr interessiere ich mich sehr für Politik. Ich gehe da in so eine Jugendgruppe, die sich für mehr Jugendbeteiligung in der Politik einsetzt. Auch spiele ich zwei Instrumente Harfe und Gitarre. Und sonst interessiere ich mich für Sprachen, obwohl ich es nicht wirklich kann. Ich habe mit zwei verschiedenen Sprachen angefangen Hindi und Hebräisch.

Kennst du den WOW-Day?
Also, ich habe damals am Gymnasium von so was in der Art gehört. Das war der Soziale Tag, an dem man arbeiten geht und dann spendet man den Lohn für ein Projekt. Das fand ich damals schon ziemlich interessant. Vom WOW-Day habe ich zum ersten Mal an meinem zweiten Jahr an der Waldorfschule davon gehört. Damals hat es bei uns leider nicht geklappt, weil es zu kurzfristig war und irgendwie hatten wir verschiedene Ideen, aber das ist dann auch nicht umgesetzt worden. Unsere Lehrerin war dann zwischenzeitlich auch noch krank. Im Jahr danach hat unser Lehrer das dann total verpennt. Da hatten wir auch viele andere Projekte. Das ist dann nicht mitgekommen.
Aber ich finde es eigentlich eine schöne Sache. Zum einem weil man die Chance kriegt, woanders zu arbeiten, was anderes kennenzulernen. Parallel dazu das Geld dann zu spenden für ein gutes Projekt ist eine gute Sache. WaldorfschülerInnen sind ja nicht da, um wegzuschauen, sondern hinzugucken, zu dem was auf der Welt passiert und zu helfen, wenn man kann.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich möchte vor allem, dass Kinder überall auf der Welt die gleichen Chancen bekommen. Ich hatte mal mit dreizehn eine sehr extreme Phase, in der ich gemeint habe: Wodurch habe ich ein Recht auf Kleidung, die von Kindern hergestellt wird? Wodurch habe ich ein Recht auf Handys? Wodurch habe ich dieses Recht? Einfach nur, weil ich hier geboren wurde! Eine Zeit lang war ich der Meinung, man sollte nur Fair Trade und so weiter kaufen. Wenn man das Geld dafür nicht hat, dann einfach gar nicht, weil ich das eben schon krass fand. Inzwischen sag ich, man muss auch irgendwo vernünftig bleiben, indem man sagt: Okay, ich kauf mir jetzt keine Klamotten, nur weil ich das Geld dafür nicht haben, aber irgendwo ist es für mich immer noch ein Traum, dass die Kinder überall die gleichen Chancen haben. Dass nicht der Geburtsort darüber entscheidet, was man kann, wer man werden kann. Das ist für mich besonders wichtig.
Und dann hoffe ich einfach, dass unsere Welt nicht so wird, wie ich momentan das Gefühl hab. Wir hatten mal einen Vortrag über Medien an unserer Schule, bei dem ich dann auch irgendwie dachte, wenn man sich anschaut, wie viele Sachen, von denen man vor 30, 40 Jahren gedacht hat, dass wird niemals passieren, jetzt so sind. Wenn man anschaut, was die Stasi gemacht hat und was heute passiert an Überwachung. Da ist es schon so, dass ich mir teilweise Sorgen mache, wie wird unsere Zukunft in 20 Jahren aussehen? Wie weit wird sich dieses rein materialistische Denken durchsetzen und wie weit wird dadurch das geistige Denken verloren gehen. Und ich hoffe, dass dieses durch Sachen wie die Waldorfbewegung auflebt und sich dadurch trotzdem durchsetzt.

Interview: „Weil es uns so gut geht“

Cosima Nagel (17) besucht die zwölfte Klasse der Waldorfschule Überlingen am Bodensee. Seit der achten Klasse engagiert sich die Schülerin am weltweiten Schüleraktionstag WOW-Day. Als Mitglied der Schülermitverwaltung der Schule informiert sie MitschülerInnen über den internationalen Spendensammelaktionstag, lädt interessante Referenten aus Projekten in aller Welt ein und behält mit den Überblick, wenn später alle Spenden der Schulgemeinschaft zusammengetragen werden.

Im Rahmen der 26. Bundesschülerratstagung der WaldorfSV in Kaltenkirchen traf unsere WOW-Day Koordinatorin die engagierten Schülersprecherin.

Cosima, als Schülersprecherin setzt du dich für die Interessen deiner MitschülerInnen ein. Was machst du, wenn du nicht in der Schule bist?
Ich musiziere sehr viel. Ich spiele drei Instrumente: Cello, Klavier und Gitarre. Auch spiele ich Volleyball und tanze Breakdance.

Welche Bedeutung hat für dich die Waldorfschule?
Eine gewisse Freiheit. Man hat die Möglichkeit sich wirklich zu bilden. Gerade in der Waldorfschule mit einer großen Vielfalt, die dann später auch zu einer echt großen Freiheit führt. Weil man selber entscheiden kann, einfach fähig ist "richtig" zu handeln bzw. frei zu handeln. Ich glaube, wenn man keine Schule oder keine Bildung erfährt, dann ist man ziemlich eingeschränkt.

Was ist der WOW-Day für dich?
Eine Möglichkeit. Wirklich, eine wunderbare Möglichkeit, anderen Menschen, die es nicht so einfach haben schnell eine Arbeit zu finden oder überhaupt zu arbeiten, zu unterstützen.

Vervollständige den Satz: Ich mache am Aktionstag mit, weil …
… ich die Möglichkeit habe den Menschen zu helfen und das auch sehr, sehr gerne möchte.

Was macht deine Schule am WOW-Day?
Normalerweise sucht sich jeder Schüler eine Arbeit. Sei es im Sportladen, bei einem Bauer oder privat in irgendwelchen Familien. Letztes Jahr gab es auch ein Benefizkonzert. Da haben wir schon im Frühjahr angefangen zu üben, sodass es dann im Herbst aufgeführt werden konnte. Die Spenden, die von den Besuchern dann gesammelt wurden, wurden dann an verschiedene Einrichtungen weitergegeben.

Was ist für dich das beste Argument beim WOW-Day mitzumachen?
Weil es uns so gut geht. Und weil wir überhaupt erst die Möglichkeit haben: wir bekommen einen Tag frei, wir haben tausend Arbeitsstellen rund um uns herum und für einen selber ist es auch einen schöne Erfahrung. Und das Gefühl geholfen zu haben – ich finde das eine Bereicherung.

Was wünscht du dir für die Zukunft? Was soll sich deiner Meinung nach verändern?
Mehr Bildung. Dass die Menschen lernen zu reflektieren und lernen wahrzunehmen, welche Dinge möglich sind. Dass Menschen mehr Bildung erfahren können und sich besser eine eigene Meinung bilden können.

WOW-Day in Ungarn

Bereits zum 10. Mal nimmt die ungarische Waldorfschule in Vac am weltweiten Aktionstag teil. Dazu kamen an einem Samstagmorgen SchülerInnen und LehrerInnen der sechsten bis achten Klasse auf dem Marktplatz der Stadt zusammen. Die Aufführung der sechsten Klasse mit selbstgefertigten Schilden und Holzschwertern lockte viele neugierige Zuschauer für das anschließende Singen aller drei Klassen an. Darüber hinaus zeigten einzelne Schüler Straßenakrobatik, verkauften selbstgestaltete Postkarten oder selbstgebackene Leckereien. Es entstand ein reger Austausch zwischen ZuschauerInnen, SchülerInnen und LehrerInnen. Insgesamt 50 000 Forinth, umgerechnet etwa 160 Euro kamen zusammen. Die Spenden helfen Waldorfeinrichtungen, Kinder aus ärmeren Familien aufzunehmen und einen warmherzigen Ort zum Lernen zu schenken.

WOW-Day 2017

Erlös: 212.086,53 Euro

(Stand: 17.01.2018)

 

WOW-Day 2016

>> Dankbriefe WOW-Day 2016
>> Zusammenfassung 2016

Überweisungen

Freunde der Erziehungskunst 
GLS Bank Bochum

IBAN DE09430609670013042015
BIC GENODEM1GLS

Bitte angeben: Stichwort "WOW" sowie Name+Ort eurer Schule

Kontakt

Koordination WOW-Day
Jana-Nita Raker
Tel +49 (0)30 617026 30
wow-day[at]freunde-waldorf.de

Diese Seite teilen: