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WOW-Day Märchen des Monats - Oktober 2020

Das Schlangenkind

Ein Märchen aus Georgien

Bilder aus dem Puppenspiel der Schülerinnen und Schülern

Es lebte einmal ein armer Mann mit seiner Frau. Die Frau fertigte ein Garnknäuel an und gab es dem Mann, damit er es verkaufte. Unterwegs sah der Mann, dass ein Schlangenjunges Kindern in die Hände geraten war, die es quälten. Dem Mann tat die kleine Schlange leid. Er gab den Kindern das Garnknäuel und nahm das Schlangenkind mit nach Hause. Die Frau aber machte ihrem Mann Vorhaltungen: »Was wollen wir mit dem Schlangenkind. Wie konntest du dafür das Garnknäuel hingeben! Schaff mir die Schlange aus dem Haus, wirf sie fort!« »Wo soll ich sie heute Abend noch hinbringen? Soll sie dableiben, morgen will ich sie zu ihren Eltern bringen«, antwortete der Mann.

Am anderen Tag brachte er die Schlange weg. Unterwegs begegnete er einem Schäfer. »Dieses Schlangenkind will ich seinen Eltern zurückbringen, aber ich weiß nicht, wo sie sind. Vielleicht kennst du dich aus und kannst mir einen Rat geben«, bat der Mann den Schäfer. »Ich weiß, wo sie wohnen«, antwortete der Schäfer und nannte ihm den Ort. »Wenn sie dich sehen, werden sie dir unzählige Perlen und Edelsteine, Gold und Silber anbieten. Aber nimm nichts davon. Sie haben einen alten Tisch, das ist ein Zaubertisch. Wenn du ihn deckst, gibt er dir alles, was du dir wünschst. Bitte um diesen Tisch und nimm ihn mit«, sagte der Schäfer.

Der Mann machte sich auf den Weg. Als er zu jenem Ort kam, den ihm der Schäfer genannt hatte und das Schlangenkind mitbrachte, freuten sich die Schlangen sehr. Sie luden den Mann in ihre Behausung ein und breiteten Gold und Silber, Perlen und Edelsteine vor ihm aus und baten ihn, sich auszusuchen und zu nehmen, soviel er wollte. Der Mann aber nahm nichts von den Schätzen, sondern bat nur um den alten Tisch. Ohne zu zögern, gaben ihm die Schlangen das Gewünschte. Der Mann begab sich mit dem Zaubertisch wieder nach Hause. Seine Frau machte ihm aber Vorwürfe: »Wozu brauchen wir diesen alten Tisch, wir haben doch selber einen. Warum hast du nicht Gold, Silber, Perlen und Edelsteine mitgenommen?!« Da nahm der Mann den Tisch, deckte ihn und sprach: »Tisch, setze uns vor, was uns armen Leuten ansteht.« Im Nu füllte sich der Tisch mit den verschiedensten Speisen und Getränken. Alles, was sie sich wünschten, deckte der Tisch ihnen auf. So wurden die Eheleute reich.

Einmal sprach die Frau zu ihrem Mann: »Wir wollen den König zu uns einladen.« Der Mann wollte erst nichts davon wissen, aber schließlich stimmte er zu. Sie luden den König samt dessen Nasiren und Wesiren ein. Als sie den Tisch deckten, füllte sich alles mit den verschiedensten Speisen und Getränken. Der König wunderte sich, denn die Speisen kamen auf den Tisch, ohne dass Diener zu sehen waren. Schließlich begriff er, was es mit dem Tisch für eine Bewandtnis hatte. Kaum hatte er das Mahl beendet, nahm er den Tisch, legte ihn zusammen, gab ihn seinen Wesiren, damit sie ihn mitnähmen, und ging wieder.

Da waren die Frau und der Mann sehr betrübt, und der Mann machte sich auf und ging abermals zu den Schlangen. Unterwegs traf er wieder den Schäfer und klagte: »Ich hatte den König zu mir eingeladen. Mein Tisch hat ihm gefallen, und er hat ihn mir weggenommen.« Da sagte der Schäfer: »Die Schlangen werden dir wieder viel Gold und Silber, Perlen und Edelsteine anbieten, aber nimm nichts davon. Hinter der Tür haben sie ein Pferd, das schnaubt aus der einen Nüster Gold, aus der anderen Silber. Bei jedem Schnauben füllt es einen ganzen Sack. Bitte um dieses Pferd, und sie werden es dir geben.«

Der Mann ging zu den Schlangen. Kaum hatte das Schlangenjunge ihn erkannt, kam es erfreut auf ihn zu und ringelte sich um seinen Hals. Die Schlangen begrüßten ihn und boten ihm Gold und Silber, Perlen und Edelsteine an. Er aber nahm nichts davon, sondern bat um jenes Pferd, und die Schlangen gaben es ihm ohne Bedauern. Er führte das Pferd nach Hause. Jedes Mal wenn es schnaubte, füllte es einen Sack mit Gold und Silber. Wieder wurden die Eheleute reich.

Eines Tages bestand die Frau darauf, auf dem Pferd ins Bad zu reiten. Als sie dort ankam, badete gerade die Frau des Königs. Kaum hatte sie das schöne Pferd erblickt, packte sie der Neid: »Irgendeine dahergelaufene Frau soll so ein Pferd haben, und ich besitze nur ein einfaches Pferd?« Sie band das Pferd los, setzte sich darauf und ritt davon. Ihr eigenes Pferd ließ sie zurück. Als die Frau aus dem Bad kam, setzte sie sich auf das Pferd und ritt heimwärts. Sie merkte nicht, dass man ihr das Pferd vertauscht hatte. Als sie zu Hause ankam, meinte sie zu ihrem Mann: »Siehst du, wie unser Pferd die Farbe gewechselt hat?« Wenn das Pferd schnaubte, fiel kein Gold und Silber aus seinen Nüstern. Da begriffen sie, dass die Frau des Königs das Pferd entführt hatte.

Wieder ging der Mann zu den Schlangen. Unterwegs begegnete er abermals dem Schäfer und klagte: »Die Frau des Königs hat mir das Pferd weggenommen.« Da gab ihm der Schäfer den Rat: »Die Schlangen werden dich wieder mit großer Freude aufnehmen und dir Gold und Silber, Perlen und Edelsteine anbieten. Nimm aber nichts davon. Bitte um den Kürbis, der dort liegt, und sie werden ihn dir geben. Trage den Kürbis zum König und verlange deinen Tisch und das Pferd zurück. Wenn er sich weigert, wird der Kürbis zerplatzen und das Haus des Königs niederbrennen. Dann werden der Tisch, das Pferd und das ganze Königreich dir gehören.«

Der Mann setzte seinen Weg zu den Schlangen fort. Sie empfingen ihn wieder voller Freude, zischten und boten ihm Schätze an. Er nahm sie nicht, dankte für die Zuvorkommenheit und bat um den Kürbis. Ohne zu zögern, gaben ihm die Schlangen den Kürbis. Der Mann nahm den Kürbis, trug ihn zum König und verlangte seinen Tisch und das Pferd zurück. Als der König das hörte, geriet er in Wut und befahl seinen Dienern, den Mann hinauszuprügeln. Doch wie sie über ihn herfallen wollten, zerplatzte der Kürbis mit lautem Knall und hüllte das Königsschloss und die ganze Umgebung in Flammen. Das Pferd, der Tisch und das ganze Königreich fielen dem Mann zu.

Das Märchen hat die Michaelschule inTiflis, Georgienmit uns geteilt. Die heilpädagogische Michaelschule ist seit ihrer Gründung 1994 die einzige Schule für Kinder mit Behinderungen in Georgien. Mitten in Tiflis steht das eigene Haus der heilpädagogischen Initiative. Die Schule wird nach dem gleichen Gesetz finanziert wie alle Regelschulen in Georgien. Für diese rechnet man mit etwa 30 Kindern pro Klasse. Wenn aber nur sechs oder acht Kinder in einer Klasse sind, wie in der Michaelschule, dann erhält man nur den entsprechenden Anteil. Dieser ist so gering, dass die Lehrerinnen und Lehrer davon nicht leben können. Daher braucht es kontinuierlich Unterstützung, um die wertvolle Arbeit der pädagogisch und therapeutisch erfahrenden LehrerInnen auch in Zukunft zu unterstützen. >> mehr zur Michaelschule

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Die Sammlung von Märchen und Gedichten aus aller Welt ist das Ergebnis des Aktionstages Waldorf-One-World-Day, kurz WOW-Day. An diesem Tag setzen sich Kinder und Jugendliche direkt und aktiv für eine bessere Welt ein. Dazu organisieren sie eine Vielzahl außergewöhnlicher Spendenaktionen, die Menschen auf allen Kontinenten miteinander verbinden. Der Erlös schenkt Kindern Schulzeit, eine schützende Gemeinschaft oder eine warme Mahlzeit.   >> mehr zum WOW-Day

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