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WOW-Day Märchen des Monats - Mai 2020

Ñanderu Sapukai

Argentinisches Märchen des Mbyá-Volkes

erzählt von Hilario, Häuptling aus benachtbarten Gemeinde des Kindergarten Kyringue‘i Aty Ñeoguanga. Tafelbild und Fotos aus dem Kindergarten.

Es begab sich zu der Zeit, als die Welt noch in ihrem Entstehen war. Himmel und Erde hatten schon ihre heutige Form erhalten und auch Pflanzen und Tiere bevölkerten die Lande. Ñanderu, der Vater aller Menschen und Götter, beobachtete das Treiben der Tiere und hatte Mitleid mit ihnen. Denn er sah, wie sie sich mühten in ihrem täglichen Kampf ums Überleben und wie ihnen besonders die Zerkleinerung der Nahrung Schwierigkeiten bereitete. Er sann eine Weile darüber nach, wie er den Tieren am besten helfen könne. Schließlich erschuf er einen Haufen von Zähnen. Ganz verschieden waren diese Zähne. Es gab große und kleine Zähne, spitze und stumpfe und kantige und runde. Sie waren so verschieden, wie auch die Tiere verschieden sind, die auf der Erde weilen.

Ñanderu Sapukai – er rief nun alle Tiere zu sich, um die Zähne an sie austeilen zu können. Als der Ruf erschallte, hatte der Jaguar nicht weit entfernt in der Sonne gelegen und ein Nickerchen gehalten. Doch war er, als König des Dschungels, stets wachsam und hatte seine Ohren gespitzt, sodass er sogleich aufsprang und zu Ñanderu rannte. Als erster am Ort erhielt er von Ñanderu eine Reihe schöner, großer Zähne. Sowohl spitze Schneidezähne, um seine Beute zu zerreißen, als auch stumpfe Backenzähne, um Knochen zermahlen zu können. Das nächste Tier, das erschien, war das Krokodil. Es hatte vollkommen still im Wasser gelegen und versteckt hinter einem Grasbüschel mit angesehen, wie Ñanderu dem Jaguar die Zähne gab. Als dieser nun wieder verschwand, da kroch es blitzartig hervor um sich diese neuartige Schöpfung Ñanderus von Nahem mal etwas genauer anzusehen. Nach erster Skepsis und ausgiebigem Gefachsimpel über die besten Jagdstrategien, ließ sich das Krokodil von der Tauglichkeit mehrerer messerscharfer Zähne überzeugen. Als nun das Krokodil und auch der Jaguar mit Zähnen versorgt waren und Ñanderu mehrmals seinen Ruf hat erschallen lasse, trafen nach und nach auch alle anderen Tiere ein und erhielten ihre Zähne.

Nur das Gürteltier und der Ameisenbär ließen sich nicht blicken. Sie waren ein gutes Stück flussabwärts, zwischen den Wurzel einiger riesiger Urwaldbäume so sehr in ihr Spiel vertieft, dass sie die Rufe von Ñanderu nicht gehört hatten. Nachdem Ñanderu jedem Tier je nach seinen Bedürfnissen ausreichend Zähne überreicht hatte, war noch ein Zahn übrig und Ñanderu ließ ein letztes Mal seinen Ruf erklingen. Und siehe da, nun hörte es auch das Gürteltier und kam heran gewuselt. Doch Ñanderu hatte nur noch einen einzigen Zahn übrig. Er nahm diesen Zahn und brach ihn in viele kleine Teile, die er dem Gürteltier daraufhin in den Mund setzte. Seitdem hat das Gürteltier nur Zahnkrümel im Mund.

 

Wiederrum nach einiger Zeit kam als allerletzter auch der Armeisenbär heran getrottet. Ñanderu tat es sehr leid, aber alle Zähne waren schon verteilt, so dass er keine mehr hatte, die er dem Armeisenbär hätte geben können. So kommt es, dass das Gürteltier nur ganz kleine Zähne hat und der Armeisenbär gar keine. Beide müssen seit dem die Erde auf der Suche nach kleinen Tierchen und Larven durchwühlen, die von den winzigen Zähnen des Gürteltieres gefasst und von der Zunge des Ameisenbär aufgeleckt werden können.

 

Die Geschichte stammt aus dem Kindergarten Kyringue‘i Aty Ñeoguanga, Namandu, Argentinien. Vor knapp drei Jahren bauen Elisabeth Rybak und Paula Kiefer im Rahmen ihres Freiwilligendienstes einen Kindergarten in Misiones im Regenwald Argentiniens auf. In dem indigenen Dorf Ñamandu gibt es bereits eine Schule für die Kinder der Mbaya-Guaraní Kultur. Der Staat finanziert der Schule keinen Kindergarten. Die kleinen Kinder kommen aber trotzdem zur Schule.  Deshalb gründeten die beiden Freiwilligen dort kurzerhand einen Kindergarten. Nach kurzer Zeit erhielten sie Hilfe von anderen argentinischen Waldorfkindergärten und aus Deutschland.

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Die Sammlung von Märchen und Gedichten aus aller Welt ist das Ergebnis des Aktionstages Waldorf-One-World-Day, kurz WOW-Day. An diesem Tag setzen sich Kinder und Jugendliche direkt und aktiv für eine bessere Welt ein. Dazu organisieren sie eine Vielzahl außergewöhnlicher Spendenaktionen, die Menschen auf allen Kontinenten miteinander verbinden. Der Erlös schenkt Kindern Schulzeit, eine schützende Gemeinschaft oder eine warme Mahlzeit.   >> mehr zum WOW-Day

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