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Kann „Waldorf“ in Ungarn überleben?

Ungarn: Die freiheitsliebenden Ungarn, die sich zu sozialistischen Zeiten immer eine im Vergleich liberale Haltung bewahren konnten, haben 2010 eine rechts-nationale Regierung gewählt, deren Wirkungen inzwischen auf den verschiedensten gesellschaftlichen Feldern zu spüren ist – so auch im Schulwesen. Ein neues Schulgesetz wurde 2011 verabschiedet, darin enthalten ist ein verbindliches nationales Curriculum, eine Trennung von Unter- und Mittelstufe, eine Finanzierung nach Abschlüssen der Lehrer (und nicht mehr nach einem Schüler-Kopf-Satz), eine verbindliche Evaluation von Lehrern und Schulorganisationen und eine Spezialausbildung für Direktoren.

In dieser Situation gibt es für die Waldorfschulbewegung – und es gibt immerhin 26 Waldorfschulen in  Ungarn – nur dann eine Überlebenschance, wenn es die Vereinigung der Waldorfschulen (Magyar Waldorf Szövetség) in den politischen Verhandlungen schafft, wenigstens einige Freiräume zu erhalten. Das ist aber vor allem eine finanzielle Herausforderung, die die Ungarn alleine nicht meistern können, da die Kürzungen der öffentlichen Haushalte bereits in den vergangenen Jahren dazu geführt haben, dass die Zuschüsse für die Waldorfschulen auf 50 % der Gehälter und Betriebskosten gesenkt wurden und die Schulen damit schon an ihre äußersten Grenzen gestoßen sind.

Die ungarische Vereinigung für Waldorfpädagogik wurde 1997 gegründet. Seitdem vertritt sie die Interessen der waldorfpädagogischen Initiativen gegenüber dem Ministerium und führt vor allem die Subventionsverhandlungen. Neben den Aufgaben auf politischer Ebene ist die Vereinigung die Lehrplanentwicklung zuständig (die 2006 abgeschlossen wurde), für Beratung bei Schulneugründungen oder pädagogischen Fragen, für die Lehrerbildung, die Qualitätsentwicklung und Evaluation, sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Trotz der Nähe zum Geschehen innerhalb der verschiedenen Einrichtungen greifen die Mitarbeiter der Vereinigung für Waldorfpädagogik nicht in die Autonomie der Schulen, Kindergärten und Institute ein.

Die Situation ist momentan so, dass viele Eltern arbeitslos geworden sind und nicht in der Lage sind, Schulgelder zu bezahlen – und so können die Schulen ihre Vereinigung nicht mehr ausreichend finanzieren. Um in Zukunft noch zu existieren, muss sowohl das eigene anerkannte Fortbildungsinstitut „Waldorfhaus“ aufrecht erhalten und ausgebaut werden, um auch künftig qualifizierende Abschlüsse vergeben und Evaluierungen durchführen zu können, als auch die Vereinigung der Waldorfschulen überleben, um Änderungen des Gesetzentwurfs zu erarbeiten, um die Klassenlehrer-Kontinuität zu erhalten, die eigenen Waldorfcurricula anzupassen und genehmigungsfähig zu machen, um eigene Evaluationen auszuarbeiten, um eigene Direktoren auszubilden (diese zu haben lässt sich nicht mehr vermeiden) und um eben das Beste aus der miserablen Lage zu machen.

Früher wurde Ungarn als „lustigste Baracke des sozialistischen Lagers“ bezeichnet, heute ist Ungarn eine traurige Baracke des kapitalistischen Lagers. Europäische Solidarität ist nun erforderlich. Wir können den ungarischen Kollegen helfen und alles in unserer Macht stehende tun, damit es auch in Zukunft Waldorfpädagogik in Ungarn gibt.

 

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Kontakt

Magyar Waldorf Szövetség
Asbóth u. 17
1075 Budapest
Ungarn
Tel. +36 1 4610 090
mwsz@waldorf.hu
www.waldorf.hu

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