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Waldorfpädagogik in Spanien

Spanien: In den 70er-Jahren, als das Franco-Regime in den letzten Zügen lag (die Diktatur dauerte von 1936 bis 1975), kannten nur wenige Menschen in Madrid und auf den Kanarischen Inseln Anthroposophie und Waldorfpädagogik. Damals mussten sich an Waldorfpädagogik Interessierte noch im Geheimen treffen. In spanischen Buchläden waren keine Werke von Rudolf Steiner zu finden. Heute erscheint das alles seltsam, denn die Waldorfpädagogik hat auch in Spanien Fuß gefasst.

Der erste Waldorfkindergarten wurde noch unter dem Franco-Regime geplant und im Frühling 1979 gegründet. Eine deutsch-spanische Familie hatte dem Kindergarten ein Grundstück mit einem renovierungsbedürftigen Häuschen geschenkt und mit Hilfe von Spenden aus Stuttgart, und vieler Freunde wurde dieses Häuschen zum ersten Waldorfkindergarten, der heute fünf Kindergartengruppen beherbergt und aus dem 1990 die erste Waldorfschule hervorgegangen ist. Heute heißt sie Escuela Libre Micael und liegt im Stadtteil Las Rozas in Madrid. Sie ist die erste und größte Waldorfschule in Spanien.

In Spanien wächst der Impuls der Waldorfpädagogik; inzwischen gibt es mehrere Waldorfschulen.

Eine davon ist die Waldorfschule Benidorm bei Alicante. Die im Schuljahr 2002/03 begründete Schule befand sich zunächst in Altea, wo mit einer 7. Klasse begonnen worden ist. Erst anschließend ist eine 1. Klasse eröffnet worden; im folgenden Schuljahr dann ein Kindergarten. Im Schuljahr 2006/07 erfolgte der Umzug nach Benidorm, heute mit einer 1. – 6. Klasse und einem Kindergarten. Darin liegt auch schon ein Problem, denn in Spanien besteht die Primaria nur aus den Klassen 1 – 6; mit der 7. Klasse beginnt die Secundaria, die jeweils unabhängig voneinander genehmigt werden müssen.

Heute besuchen 90 Kinder die Waldorfschule in Benidorm und 25 Kinder gehen in den Kindergarten. Seit dem Schuljahr 2011/12 gibt es zum ersten Mal zwei Kindergartengruppen. Die Unterrichtssprache ist Spanisch jedoch sind die eine Hälfte der Kinder Spanier, die andere Hälfte Ausländer. Das nächste Ziel der Initiative ist die offizielle Anerkennung der Primaria und wenn aufgebaut, auch der Secundaria. Von den Baulichkeiten sind für die offizielle Anerkennung der Primeria alle Vorraussetzungen geschaffen. Die Lizenzierung müsste, wenn alles gut geht, bald erteilt werden.

Die Waldorfschule El Til•ler in Bellaterra bei Barcelona, umfasst heute die Primaria mit den Klassen 1 – 6 sowie vier Kindergartengruppen mit jeweils 20 Kindern. Im Juni 2011 hat die erste Kindergruppe, mit der die Schule begonnen hatte, ihre 6. Klasse abgeschlossen. Leider ist das aktuelle Gelände der Schule nicht mehr erweiterbar, weshalb gerade daran gearbeitet wird, ein eigenes Gelände und Gebäude zu erwerben, um dort dann auch die Secundaria, d.h. die 7. – 10. Klasse und Werkstätten aufbauen zu können. Die Projektentwicklung steckt aber in den Anfängen, denn ein Grundstück muss erst gefunden und finanziert werden. Trotzdem gibt es die Hoffnung, bereits 2013 mit der Secundaria beginnen zu können.

Auch in Olot, Catalunya  gibt es mit der „La Llavor Initiative“ eine Waldorfschule. Diese kleine Schule hat 2004 mit drei Kindern im Kindergarten begonnen. 2006 wurde eine zweite Kindergartengruppe eröffnet, 2008 folgte eine kombinierte 1./2. Klasse mit neun Kindern. 2010 errichtete die Schule ein zweites Gebäude. In einem Gebäude sind Kleinkindgruppe, 1.-3. Klasse sowie das Sekretariat untergebracht, im anderen Gebäude der Kindergarten und Küche/Essraum. Ein weiteres Holzhaus ist vor kurzem angebrannt, noch ein weiteres steht einige 100 Meter entfernt am Waldrand und beherbergt die oberste Klasse. Die Schule mit 60 Kindern wurde jedoch zum Schuljahr 2012/13 von den Behörden geschlossen, da die baulichen Gegebenheiten den katalanischen Gesetzen nicht entsprechen. Eltern und Lehrer wollen weiterarbeiten und suchen dringend nach baulichen Alternativen.

Die Schule Vers el Sol in Girona wurde 2004 gegründet und hat bereits sechsmal ihre Häuser gewechselt. Zurzeit mietet sie ein altes Landhaus von 1802, das mitten zwischen Feldern liegt – sozusagen im Mittelpunkt des Dreiecks von Figueres – Olot – Girona. Derzeit sind 32 Familien an der Schule beteiligt, im Kindergarten sind 18 Kinder. Auch diese Schule wurde mit der gleichen Begründung zum Schuljahr 2012/13 geschlossen.

Weitere Waldorfschulen finden sich im Stadtteil Galapagar in Madrid, die Escuela Waldorf Artabán und in der autonomen Gemeinschaft Aravaca, ebenfalls in Madrid. Ferner existieren zwei Waldorfschulen in Lugo in Galizien und in Vitoria-Gasteiz im Baskenland.



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