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Waldorfpädagogik in der Slowakei

Slowakei: Obwohl es in Bratislawa schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Waldorfschule gab, liegen die Wurzeln der heutigen Waldorfbewegung in der Slowakei nicht so weit zurück. Es begann während der Turbulenzen der politischen Veränderungen nach 1989, als die sozialistischen Regierungen stürzten und die Slowakei – damals noch Teil der Tschechoslowakei, sich zusammen mit anderen Ländern dem Westen öffnete. Damals hatte die tschechoslowakische Regierung auch Menschen aus Holland eingeladen, um Vorträge über Waldorfpädagogik zu geben. Sie kamen – und sind in gewisser Hinsicht nie wieder gegangen. Hilfreiche Impulse erwuchsen aus diesen Anfängen – und mehr oder wenige ausgebildete Slowaken, alternative Klassen oder Schulen.

Die Strömung, aus der die eigentliche Waldorfschule und die wichtigsten Impulse für die slowakische Waldorfbewegung entstanden, wurde von Cornelis Boogerd getragen. Während seiner langjährigen Arbeit initiierte er die slowakische Waldorf-Assoziation, organisierte viele Kurse in Zusammenarbeit mit oft wechselnden holländischen Dozenten und slowakischen Assistenten und gründete das slowakische Waldorflehrerseminar.

Die Beginne dieser Seminarkurse waren wirklich romantisch. Wenn slowakische Lehrer mit ihren niedrigen Einkommen hier lernen konnten, brachten sie Opfer. Sie schliefen zum Beispiel in einem Kindergarten oder in Turnhallen, Vorlesungen wurden in sozialistisch kühlen Räumen der Universität gegeben, Eurythmie gab es in einer Halle mit Säulen in der Mitte, die Übersetzung der Vorlesungen übernahmen Studenten, die nie etwas von Waldorfpädagogik und Anthroposophie gehört hatten, Sommerkurse wurden in Abstimmung mit den tschechischen Freunden organisiert; für Praxiserfahrungen reiste man zu holländischen Waldorfschulen – das alles und vieles andere ist in der Erinnerung der ersten Studenten nach wie vor lebendig.

Dies war die Basis, auf der die slowakische Waldorfbewegung entstand. Lange Zeit blieb die wichtigste Frage die praktische Realisierung, die Einrichtung von Schule oder Kindergarten. Verschiedene Versuche in dieser Richtung hingen von der Qualität der Menschen, von Stimmungen in der Gesellschaft und bei den Behörden und von rechtlichen Bedingungen ab. Einige der ersten Initiativen, die von den Behörden akzeptiert wurden, scheiterten dennoch und überschatten teilweise bis heute die allgemeine Meinung über Waldorfpädagogik.

Die Wende kam mit Erich Šašinka, Manager und zugleich Vorsitzender der gerade neu gebildeten slowakischen anthroposophischen Gesellschaft. Als er am folgenden Waldorfausbildungskurs teilnahm und sich mit den enthusiastischsten Lehrern zusammentat, kam die Idee einer Waldorfschule langsam an. Die Schule fand ihren Platz dann in Bratislava. Zugleich mit dieser Initiative entstand auch die Idee, einen Waldorfkindergarten zu gründen.

Die slowakischen Behörden jedoch kritisierten den geplanten Lehrplan. Dennoch waren die gemeinsame Anstrengung und der Enthusiasmus der Menschen, die sich der Waldorfidee verschrieben, erfolgreich, und das Bildungsministerium stimmte der Einrichtung von Grundschule und Kindergarten zu – im Rahmen eines Experiments: die Grundschule privat für neun Jahre, der Kindergarten als alternative Klasse in einem staatlichen Kindergarten für drei Jahre.

Obwohl die Initiative in Bratislava die größte war, sind die Absolventen des Seminars von Boogerd an vielen Ecken der Slowakei verteilt, und die aktivsten von ihnen versuchen, die Waldorfpädagogik auch dort zu verwirklichen, wo sie leben. Es ist nirgendwo einfach, weil die Waldorfpädagogik vom Staat nicht zertifiziert ist und bei Menschen im Ministerium eine starke Ablehnung gegenüber der Waldorfpädagogik zu finden ist. Ein Satz einer Mitarbeiterin wurde geradezu sprichwörtlich: daß die Slowakei keinerlei Waldorfkindergärten brauche, weil die bestehenden Kindergärten gut genug seien.

Dank der Initiative einzelner Menschen und dem Mut von KindergartenleiterInnen in Žilina und Zvolen (im Zentrum der Slowakei) entstanden Gruppen, die einige Waldorfelemente umsetzen, aber Kindergarteninitiativen, die wirklich Waldorf sein wollen, haben nur eine Möglichkeit: Sie müssen als nicht-staatliche Initiativen und dürfen offiziell nicht als Kindergärten arbeiten, sondern als „Kinderklubs“ u.ä. – finanziert ausschließlich durch Elternbeiträge.

Doch die Kindergärten haben noch keinen genehmigten Lehrplan, und obwohl die Evaluations-Ergebnisse des dreijährigen Experiments intern positiv waren, haben die Behörden den Kindergarten bis heute nicht genehmigt. Daraufhin wurden die Bemühungen darauf gerichtet, die Erlaubnis für einen privaten Kindergarten zu erhalten. Immer wieder wurde der Lehrplan gemäß den Anmerkungen des Ministeriums geändert, immer wieder wurden Anträge gestellt, den „Kinderklub“ in die Liste privater Kindergärten in der Slowakei aufzunehmen, aber immer wieder wird es mit diversen Bemerkungen zurückgewiesen. Und so warten auch die anderen als „Kinderklub“ geführten Waldorfinitiativen, darauf, als Kindergarten anerkannt zu werden und damit auch staatliche Zuschüsse erhalten zu dürfen.

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Renáta Blaske

Vihorlatská 10
831 04 Bratislava
Slowakei
rblaschke@stonline.sk
www.iwaldorf.sk

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