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Waldorfschulen in Russland

1991 wurden die ersten Waldorfschulen in Russland gegründet. Nach der starken Welle in den 90er Jahren, als so viele Menschen großes Interesse für die Waldorfpädagogik zeigten, kamen die Finanzschwierigkeiten, Konflikte, Müdigkeit und Streit über das Verständnis der Kollegialität, über die Rolle der Anthroposophie… Wo stehen wir jetzt?

In Russland gibt es 17 Waldorfschulen und einige Initiativen, die als Einzelklassen existieren. Die meisten Schulen sind klein. Der Großteil der insgesamt ca. 2000 Waldorfschüler besucht die fünf größten Schulen (Moskau Nr. 1060, Sankt Petersburg „Datschnom“, Samara, Smolensk, Irkutsk).

Während die größten Schulen eine gewisse Stabilität und eine positive Dynamik haben, ist die Gesamtzahl der Schüler in den letzten Jahren zurückgegangen. Zwei große Schulen haben im Zuge vieler Konflikte fast 100 Schüler verloren, zwei weitere (Kasan und Rjasan) mußten ganz schließen. Andere Schulen verloren Schüler durch erzwungene Umzüge in ungünstige Randbezirke (Woronesh, Sankt Petersburg „Zentrum für Erziehungskunst“).

Aus Krisen entstehen aber auch neue Initiativen, z.B. in Kasan, Nishnij Novgorod, Jaroslavl, Ufa, Sankt-Petersburg. Ob und wie sie lebensfähig sind, wird die Zeit zeigen.

Die Entwicklung hängt nicht vom Schulstatus ab

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die staatlichen Waldorfschulen sicherer wachsen als die nicht-staatlichen: Obwohl es mehr Privatschulen gibt, stellen sie den kleineren Teil der Waldorfschüler. Nachdem auch die letzten Zuschüsse gestrichen wurden, beträgt hier das Schulgeld bis zu 540 Euro im Monat! Nicht sehr viele Eltern können solche Summen tragen. Ein Großteil wird für die immensen Mieten gezahlt (es gibt nur eine private Waldorfschule, die über ein eigenes Gebäude verfügt).

Im übrigen gibt die derzeitige Gesetzgebung allen die gleichen Möglichkeiten (und Schwierigkeiten), die Ideen der Waldorfpädagogik zu realisieren. Sehr viel hängt von der Schule selbst ab, von ihrem Arbeitsniveau, ihrer Sozialkompetenz, ihrer Fähigkeit, sich konkret zu positionieren. Die Erfahrung zeigt, dass die Hauptschwierigkeiten der Schulen unmittelbar mit den inneren Aspekten der Entwicklung der Lehrer verbunden sind.

Das Gehalt eines Waldorflehrers beträgt je nach Schule 150 bis 450 Euro. Dies genügt nicht einmal für die grundlegenden Lebensbedürfnisse. Daher unterrichten vor allem (und an vielen Schulen ausschließlich) Frauen, deren Ehemänner normal verdienen, oder die eine Unterstützung der eigenen Eltern (zumindest eine geerbte Wohnung) haben. Ansonsten müssen weitere Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Schule gefunden werden: Privatunterricht, Übersetzungsarbeiten, Herstellung von Spielzeug oder Holzmöbeln usw.

Zusammen ist es schwierig – getrennt aber schlecht

Die großen geographischen Zwischenräume, die unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen und die schwierige Finanzlage erschweren die Zusammenarbeit. Einige Schulen schaffen es, sich durch Schülerbegegnungen und gemeinsame Unternehmungen (Ausflüge oder „olympische Spiele“) auszutauschen, doch insgesamt kam es nach einer anfänglichen, sehr „brüderlichen“ Phase zu sehr unterschiedlichen eigenen Wegen – in bezug auf Kollegialität, Verwaltungsstruktur, Elternarbeit, Kommunikation mit den örtlichen Gemeinden und Behörden, die eigenen Vorstellungen von der Qualität der Waldorflehrerausbildung – wobei Antworten auf alle damit verbundenen Fragen jeweils aufrichtig gesucht werden.

20 Waldorfinitiativen haben sich zur Assoziation der Waldorfschulen Russlands zusammengeschlossen, die mehrere Projekte verfolgt. Seit einem Jahr erarbeiten Direktoren und Leiter der pädagogischen Konferenzen juristische und wirtschaftliche Aspekte der Schulverwaltung. Außerdem werden Erfahrungen zur Vorbereitung wichtiger Dokumentationen sowie Genehmigungsunterlagen ausgetauscht und Fragen zur Entwicklung der Schulen besprochen.

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