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Für den Lebensweg gewappnet

Malaysia – ein Land mit vielfältigen Kulturtraditionen. Zwischen dem buddhistisch geprägten Thailand, dem überwiegend muslimischen Indonesien, hinduistischen Indien und den katholisch geprägten Philippinen, erstreckt sich eine Nation, die historisch unterschiedlichen religiösen und kulturellen Einflüssen unterlag, dabei aber ihre eigene Identität stets beibehalten konnte. Seit der Kolonialzeit unterliegt Malaysia einem Britischen Verwaltungssystem. In der postkolonialen Zeit wurde die USA ihr größter Handelspartner und in der Region gilt das kommunistische China als die aufstrebende Macht. Obwohl bekannte wie neue äußere Einflüsse an dem Land zerren, strebt die kulturell vielfältige Gesellschaft nach einem eigenen Weg, ein Weg, der ihre Kinder auf die Zukunft vorbereitet.

Die Waldorfpädagogik stößt bei den malaysischen Eltern auf reges Interesse. Da private Einrichtungen häufig im frühen Schulalter besucht werden, sind Waldorfkindergärten attraktiv, aber auch da sie im Gegensatz zu staatlichen und privaten Einrichtungen in mehreren Sprachen unterrichten, für ein gemeinschaftliches Miteinander sorgen und den strikten staatlichen Lehrplänen - die ab dem Kindergarten vorgeschrieben sind - ausweichen und eine dem Kind entsprechende Pädagogik anbieten.

Ende der 90er Jahre begann in Malaysia die Waldorfbewegung: die erste Initiative „Nania“ wurde 1997 in Penang durch das Ehepaar Junko Suzumoto und Ong Kung Wai gegründet. Durch die Förderung der Freunde der Erziehungskunst wuchs das Projekt stetig. Zu Beginn kamen meist ausländischen Familien an den Kindergarten und ab 2002 wuchs auch das Interesse bei malaysischen Eltern. Im Jahr 2004 gründete sich eine weitere Initiative in Penang „Taska Lin“. Und schließlich entstand eine dritte Initiative „Kelip-kelip“ in Klang Valley in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur 2008. Seit kurzer Zeit sind auch die am Spielen orientierten Vorschulen im Entstehen begriffen. Die einen ganz neu, die andere fügen waldorfpädagogische Methoden in ihr bereits existierendes System ein.

Über den Fantasieroman „Narnia“ des irischen Schriftsteller C.S. Lewis, erhielt die erste malaysische Initiative ihren Namen. Die Gründerin Junko Suzumoto möchte das in Nania ein Ort entsteht, den Kinder gerne besuchen. Ein Ort, an dem sie auf Herausforderungen in ihrer eigenen Entwicklung treffen und für ihren Lebensweg gewappnet werden. Jedoch war anfangs die Arbeit mit lokalen und ausländischen Kindern aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen eine Herausforderung. Es stellte sich die Frage, was zugleich für alle Kinder wichtig und angemessen sein kann? Junko Suzumoto stellte fest, dass das Feiern von Jahreszeiten den verschiedenen Temperamenten, vor allen denjenigen, die unterschiedliche Jahreszeiten gewohnt sind, entgegen kommt. Während Feste den moralischen Kontext erhalten, können sie auch, so Suzumoto, als kulturelle Ereignisse ohne starke religiöse Bezüge gefeiert werden, d.h. in Gebeten, Liedern, Gedichten und Geschichten explizit allgemein Menschliches ansprechen. Nania besuchen derzeit 52 Kinder und bereits jetzt hat der Kindergarten eine einjährige Warteliste.

Ein weiteres Projekt in Penang nennt sich Taska Lin, ein Kindergarten, der durch Lee Swee Lin zusammen mit ihrem Ehemann Yang gegründet wurde. Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Sohn, wohnen sie in den oberen Stockwerken des Kindergartens. Vor fünfzehn Jahren lernte Lee Swee Lin das Projekt Nania kennen und durch diesen beeindruckenden Besuch, entschied sie sich statt einen kommerziellen Weg einzuschlagen, den Lehrerberuf aufzugreifen und nahm ein Studium am „Melbourne Rudolf Steiner Teacher Training College“ auf. Mittlerweile gehen 38 Kinder zwischen eineinhalb und viereinhalb Jahren in den Kindergarten. Die Kinder kommen hauptsächlich aus nicht malaysischen Familien. Die Kinder spielen und singen aber nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Malaysisch, Mandarin und Japanisch. Und eine Besonderheit: schon häufiger konnte Lee Swee Lin beobachten, wie auf öffentlichen Spielplätzen die Besucher überrascht sind, dass Taska Lin's Kinder so selbstbewusst und harmonisch miteinander spielen.

Ein zentraler Ort für die malaysische Waldorfpädagogik ist auch das Klang Valley in der Nähe von Kuala Lumpur. Die Waldorfpädagogik begann dort mit Kelip-kelip im Jahre 2008. Das Gründerehepaar, Da Vid und Wan Yee, Absolventen des Melbourne Rudolf Steiner Seminar, begannen mit zehn Kindern. Und ein Highlight: Anfang 2011 entstand in der Initiative die erste malaysische Waldorfklasse. Heute braucht das Zentrum einen größeren Ausbau, um all die Kinder unterzubringen, die aufgenommen werden wollen. Ein Elternteil hat dafür Land gekauft. Zu Beginn sollen sechs Klassenräume gebaut werden. Jedoch wird es davon abhängen, ob die nötigen 360.000 € zustande kommen. Der Gründer Da Vid hat dafür einen Verein eingerichtet, der die Schule finanziell unterstützen soll. Auch im Umkreis der Initiative wächst das Interesse. Zwei weitere Waldorfkindergärten und eine Puppenwerkstatt sind in Klang Valley dazugekommen.

In Malaysia wird es noch einige Herausforderungen zu überbrücken geben. Jedoch, glauben die Beteiligten auf dem richtigen Weg zu sein, die richtigen Dinge anzugehen, die richtigen Dinge für die Kinder zu tun, für die Gesellschaft, für die Welt.

Ong Kung Wai
Gründer der Waldorfinitiative Nania

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