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Eine Oase in Pristina

Kosovo: Der Kosovo-Krieg hinterließ – wie jeder Krieg – zahllose Opfer und seelisches Leid. Auch heute noch ist die Situation in den Dörfern und in den Städten trostlos. Wenige Projekte können Hoffnung machen. “Oases” ist eines von ihnen.

Zwischen Januar 1998 und Juni 1999 forderte ein Krieg in Europa über 10.000 Opfer, machte Hunderttausende heimatlos und Tausende von Kindern zu Waisen. Etwa 80% aller Dörfer und große Teile der Städte im Kosovo wurden zerstört. Damals flohen zwei Schwestern mit einem Gummiboot über Italien in die Schweiz und machten an der Rudolf-Steiner-Schule in Solothurn (CH) eine Waldorf-Ausbildung: Florije und Fatmire Terdevci.

Als sie im Herbst 1999 in ihre Heimat zurückkehrten, übertrafen die Zerstörungen und auch die seelischen Verletzungen der Menschen all ihre Befürchtungen. Strom gab es fast den ganzen Tag nicht, Heizung nicht und vielfach auch kein Wasser. Das Schlimmste aber waren die Kriegserlebnisse der Menschen. Gerade die Kinder und ihr Verhalten zeigten die Wunden unmittelbar. Alle, ob sie in den Dörfern geblieben oder geflohen waren, alle hatten schreckliche Geschichten zu erzählen. Viele suchten monatelang nach ihren Lieben. Es gab Tausende, die niemals heimkehrten…

Florije und Fatmire begannen, in einem kleinen Raum in der Hauptstadt Pristina mit Unterstützung der Acacia Stiftung (CH) das Projekt „Oases“. Die meisten Kinder stammten aus den Dörfern. Das Spielen und Malen half ihnen, das Trauma des Krieges zu überwinden. Ein vierjähriger Junge, Besi, sprach monatelang kein Wort. Er erlebte die Exekution von Männern aus seinem Dorf. Zu Beginn wusste Florije nicht einmal, ob er überhaupt zuhörte, denn er saß immer nur in der Ecke und schaute stumm auf die anderen Kinder. Es dauerte lange – aber nach zwei Jahren wurde Besi ein fröhliches Kind. Bald wollten mehr und mehr Eltern ihre Kinder bringen, die alle ähnliches durchgemacht hatten.

Inzwischen gibt es außer „Oases“ auch in der Stadt Drenas und drei umliegenden Dörfern Kindergärten, die von Caritas Schweiz mitfinanziert wurden. Alle Initiativen werden vom „Oases“-Kindergarten aus pädagogisch begleitet. Im Kosovo befindet sich das Vorschul-System und die Lehrerausbildung weiterhin im Aufbau. Die Schweizer Waldorfpädagogin Beatrice Rutishauser ist dabei in der praktischen Aus- und Fortbildung weiterer Erzieherinnen maßgeblich beteiligt. Dabei lernen die Erzieher/Innen nicht nur die Waldorfpädagogik kennen, sondern auch die Arbeit mit traumatisierten Kindern und die Elternarbeit.

Bis heute leidet die Bevölkerung im Kosovo an den Folgen des Krieges. Wer Arbeit hat, verdient im Durchschnitt 170 Euro, ein Platz im Kindergarten kostet etwa die Hälfte. Bei „Oases“ zahlen die Eltern zwei bis zehn Euro, manche können gar nichts aufbringen. Die Eltern sind aber glücklich. Die Spiele, das Malen und Singen, die Geschichten und die Handarbeiten bereiten die Kinder nicht nur auf die Schule und ihr künftiges Leben vor. Sie heilen auch ihre Seele. Oases“ ist eine unendlich kostbare Oase in Pristina. Um sie nachhaltig zu sichern sind weiter Spenden nötig.

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