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Waldorfpädagogik am Ende der Welt: ein Anfang

Várzea da Roça, ein 20.000 Seelen zählendes Kleinstädtchen am Ende der Welt: 300km nordwestlich von Salvador da Bahia, ganz im von extremer Armut und Landflucht geprägten Hinterland Brasiliens. Im Bundesstaat Bahia bemühen sich 15 Menschen mit dem Centro Anael ein Projekt nach dem Vorbild von „Monte Azul“ aufzubauen: Kindergarten, Schule, Werkstätten…

Im Frühjahr 2008 begannen wir, für die Kinder vor Ort tätig zu werden, mit dem Feiern eines Osterfestes für etwa 60 Kinder. Die Kindergartenkinder erlebten ihr erstes „Roda da Pascoa“ mit Musik, Liedern, Geschichten und Osternestchen-Suche. Am Nachmittag wurden Spiele und Basteltische für die Schulkinder angeboten. Den Abschluss bildeten ein Marionettenspiel „Sterntaler“ und ein Osterreigen. Für diese Kinder Erlebnisse einer neuen Welt! Mit leuchtenden Augen fragte ein Kind: “Darf ich nächsten Sonntag wieder kommen?“

Inzwischen hat sich das Festefeiern bei uns zu einer beliebten Gewohnheit entwickelt. Jährlich empfangen wir an Ostern, Johanni, Michaeli, Advent und Weihnachten 100 bis 300 Kinder und Erwachsene, die sich an Spielen, Basteln, Singen und Theaterstücken erfreuen.

Bedürftige Kinder gibt es in Várzea mehr als genug, aber wir können mit keinen Schulbeiträgen rechnen. Viele Eltern sind arbeitslos oder leben von einem Minimalgehalt und kämpfen ums tägliche Brot. Wir beantragen finanzielle Hilfe von der Stadt, aber dies ist ein langer Weg, der viel Geduld erfordert. Im Moment bedeutet es für uns: Nur durch Spenden und Patenschaften können wir das Gehalt der Kindergärtnerin oder weitere geplante tägliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen finanzieren.

Várzea da Roça, ein Ort mitten im „Armenviertel Brasiliens“, d.h. im brasilianischen Hinterland, etwa 300km nordwestlich von Salvador, der einstigen Sklavenmetropole. Auch heute noch ist die Bevölkerung vorwiegend dunkelhäutig, aber auch gemischt mit hellhäutigen Rassen und indianischen Ureinwohnern. Es ist ein Vergnügen, die verschiedenen oft unglaublich hübschen Menschen zu beobachten.

Dieser geschichtliche Hintergrund und das extrem trockene Klima sind der Grund für die Armut in dieser Gegend. Mit unglaublichem Fleiß und großer Bescheidenheit versuchen die Menschen hier zu überleben oder fliehen bei der verzweifelten Arbeitssuche in die übervölkerten Großstädte im Süden. Um die immer stärker werdende Abwanderung zu verhindern und den trostlosen Aussichten der Jugendlichen und Kinder entgegenzuwirken, wird überall nach Lösungen gesucht.

So hatte eine Lehrerin aus Várzea da Roça vor einigen Jahren im Fernsehen einen Film über das Projekt „Monte Azul“ in Sao Paulo gesehen und, begeistert von der Sozialarbeit in den Favelas, dort um Hilfe nachgefragt. Wolfgang war damals gerade auf der Suche nach einer neuen Lebensaufgabe in Monte Azul zu Besuch. In Várzea fand er dann einen Ort, an dem er sein Wissen und Können den Hilfsbedürftigen zur Verfügung stellen konnte.

Zwei Jahre später, erwarben wir am Stadtrand dann das Chakara, unser zukünftiges Schulgrundstück und dazu ein angrenzendes Grundstück mit Palmenbewuchs für private Zwecke. Am 29. September 2007 gründeten wir mit 15 an der Waldorfpädagogik interessierten Lehrern aus Várzea die Associação Pedagógico Waldorf de Várzea da Roça. In Deutschland fanden wir einen begeisterten Freund, der uns als Architekt einen ersten Bebauungsplan entwarf.

Im Frühjahr 2009 folgte die Fertigstellung unseres privaten Hauses und der Ausgestaltung der Räume für den Kindergarten. 2010 haben wir unter dem Blätterdach zweier Cashew-Bäume ein provisorisches Klassenzimmer mit einem zementierten Boden und einem kleinen gemauerten Abstellraum errichtet. Hier nehmen in einer Vormittags- und einer Nachmittagsgruppe jeweils etwa 15 Kinder an schulergänzendem Unterricht teil.

Unsere Vorstellung für die Zukunft ist eine Basis-Waldorfschule für die einfache Bevölkerung des Ortes mit angegliedertem Kindergarten. In Nachmittagskursen und Werkstätten (Holz, Metall, Bäckerei, Gärtnerei…) wollen wir die Kinder und Jugendlichen von der Straße und vom Fernseher holen und ihnen sinnvolle Beschäftigungen anbieten.

Die Ideen und Vorhaben treffen auf fruchtbaren Grund und werden begierig aufgenommen. 2011 sind unsere ersten Kindergartenkinder schulreif und wollen unbedingt in eine „eigene“ Schule eingeschult werden. Wir können tatsächlich mit einer kleinen erste Schulklasse beginnen, benötigen aber dringend finanzielle Unterstützung für den weiteren Aufbau. Da unsere privaten Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist uns jeder Rat, jede Mithilfe und finanzielle Unterstützung willkommen. Wir freuen uns auf noch mehr Menschen, die „ausziehen“ und mit uns eine „andere Welt“ aufbauen wollen!

Doris Knipping

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Tel +49 7042 840643
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wolfgang@projuventutebahia.org
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