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Waldorfpädagogik begegnet einer alten Tradition

Der afrikanische Kontinent ist auf sich gestellt, mit einem überkommenen Bildungswesen, das es im 19. und frühen 20. Jh. aus der westlichen Welt geerbt hat. Die Kinder können in ihrem Leben wenig damit anfangen. Nur Kinder aus wohlhabenden Familien, die auf private Schulen geschickt werden, bekommen die Chance, später wirksam am wirtschaftlichen Leben und in einflussreichen Kreisen teilzuhaben. Aber es gibt auch Hoffnung in Afrika.

Mit froher Erwartung und lauten „Hallos” beginnt jedes neue Ausbildungsmodul. Lehrer aus allen Ecken Kenias, Ugandas und Tansanias treffen an der Rudolf Steiner Schule ein. Sie sind durch die Nacht gefahren, in Bussen, welche die schrecklichen Strassen nach Nairobi überwinden mussten. Doch solche Hindernisse nehmen sie dank ihrer Bereitschaft in Kauf, in zwei Wochen neue Einsichten, Fähigkeiten und Inspirationen für das Unterrichten zu bekommen.

Warum machen sie das? – Die Lehrer sind erfüllt von dem Wunsch, ihren Schülern das zu geben, was sie selbst nie hatten: Bildung, die den jungen Menschen in einer sich verändernden Welt eine Zukunft geben kann, die den Kindern ermöglicht, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen, aus dem Verständnis heraus, was es im weitesten Sinne bedeutet, Mensch zu sein.

Viele dieser Lehrer kommen von jungen Initiativen, die Kinder aus armen Verhältnissen unterrichten. Sie haben viele Waisen in ihren Klassen, deren Schulgeld niemand bezahlt. Die Initiativen sind kleine private Schulen, die aus dem Hunger der Gesellschaft nach Bildung entstehen, denn es gibt nur wenige staatliche Schulen mit mangelhaftem Angebot.

Doch immer mehr Menschen kümmern sich um die Verbesserung der Bildung. Auch wenn es noch eine kleine Bewegung ist, so verbreiten die Lehrer, die in Berührung mit der Waldorfpädagogik gekommen sind, ihre Ansätze. Sie tun dies nicht nur in Kindergärten und Grundschulen, sondern auch in ihrem weiteren Umfeld.

Massai entdecken die Waldorfpädagogik...

Es gibt eine besonders spannende Initiative, in der die beteiligten Menschen noch in der traditionellen Kultur leben. Es ist eine Gruppe von Massai nahe der Grenze zwischen Kenia und Tansania, die Interesse an der Waldorfpädagogik gefunden hat. Sie leben nach wie vor als Hirten, doch sie kämpfen mit dem aufkommenden Stil der westlichen Welt. Da sie gewohnt sind mit ihren Herden zu wandern, konnten sie nicht von den Entwicklungsprogrammen in Kenia profitieren. Viele ihrer Kinder konnten keine Schule besuchen.

Besonders durch die Veränderungen des Klimas, durch lange Dürreperioden, spüren sie, dass ihr traditionelles Leben eine unsichere Zukunft hat. Während der jüngsten dreijährigen Dürre von 2007 bis 2009 starben viele ihrer Tiere und sie kamen in große Not. Trotz der Regenfälle 2010, durch die das Land sich erholt hat, wird es Jahre dauern, bis die Bestände der Herden wieder so groß sind, dass die Menschen von ihnen gut leben können.

In dieser unsicheren Situation wandten sich viele Familien der Erziehung ihrer Kinder zu, ihrer einzigen langfristigen Hoffnung. Diese Gruppe der Massai hatte das Glück, dass einigen Kindern der Besuch der Rudolf Steiner Schule in Nairobi finanziert wurde. Dort leben sie während der Schulzeiten.

Bei jeder Rückkehr in den Ferien waren die Eltern von den Veränderungen ihrer Kinder überrascht. Sie versprühten Selbstsicherheit, ihre sprachlichen Fähigkeiten waren gewachsen und sie hatten offensichtlich viel gelernt. Ihre Augen glänzten lebhaft und die Eltern fragten sich, woher diese Veränderungen kommen.

...an der Rudolf Steiner Schule in Nairobi

Dies führte zur Zusammenarbeit der Rudolf Steiner Schule mit einem lokalen Stammesführer, unterstützt durch Truus Warrink aus den Niederlanden. Der Stamm sandte vier Menschen zur Waldorflehrerausbildung, drei für die Kindergartenausbildung und einen für die Grundschullehrerbildung. Bald werden diese Lehrer Mentoren und Unterstützung brauchen, um eine Erziehung ihrer Kinder zu entwickeln, die im Einklang mit der Besonderheit ihrer Kultur steht und dennoch das Überleben in der zunehmend sich verändernden Welt sichert.

Die erste Aufgabe wird sein, zur alten Tradition des Geschichtenerzählens zurückzukehren und die Geschichten zu finden, die abends um das Feuer im Kreis der Familien oder der Gemeinschaft erzählt wurden. Diese Geschichten waren die ursprünglichste Form der Erziehung. Sie verbanden die Menschen mit einer gemeinsamen, tiefen Lebensauffassung und vermittelten geistiges Bewusstsein und Sinn des Lebens.

Die gründliche Betrachtung der frühen Entwicklung des Kindes in der Kindergärtnerausbildung ermöglicht es den Lehrern, aus der reichen Tradition der afrikanischen Kultur altersgerechte Geschichten und Lieder für Morgenfeiern, handwerkliche Aktivitäten oder Feste auszuwählen.

Die Lehrer werden ermutigt, das Kind in sich selbst zu finden, dieses spielerische, wundervolle Wesen, das wir alle einmal waren. Sie schulen ihre Imagination, um Geschichten zu erfinden, lernen, sie mit Puppen, Bewegung oder Gesten zu spielen und verlieren sich schließlich im Fluss der Farben beim nass-in-nass Malen.

All dies ermöglicht den Lehrern, ihren Kindern mit Verständnis für die Kindheit und Entwicklung zu begegnen. Es ermöglicht ihnen zu verstehen, wie und warum Kinder spielen ... spielen ... und spielen. Sie nutzen dafür Gegenstände, die ihr Umfeld und ihre Kultur spiegeln und ergänzen damit die eher gewohnte Ausstattung eines Waldorfkindergartens.

Ein Projekt für Uganda, Tansania und Kenia

Eine wirkliche Herausforderung ist es, afrikanische Elemente in die Grundschullehrerausbildung zu integrieren. Sicher werden auch hier afrikanische Geschichten erzählt, Märchen, Fabeln oder Sagen der Völker, passend zum Alter der Kinder und zum jeweiligen Unterricht. Hier wird auch die Vielfalt der Kultur, Geschichte und Geographie Afrikas unterrichtet, damit die Kinder ihre Wurzeln in Afrika finden können. Dennoch wird es Gebiete geben, in denen ein afrikanischer Weg der Erziehung erst noch erforscht werden muss, statt ohne Prüfung einfach den europäischen Lehrplan zu übernehmen.

Inzwischen hat ein Projekt begonnen, das sowohl die etablierten als auch die neuen Kindergarten- und Grundschulinitiativen in den drei ostafrikanischen Ländern unterstützt. So können die Lehrer, welche die Ausbildungsmodule besucht haben, in der Anwendung des Gelernten und ihrer weiteren Entwicklung als Waldorflehrer begleitet werden. Es gibt drei junge Kindergärten in Tansania, sieben neue Kindergärten/Grundschulen und zwei weitere Kindergärten in Uganda sowie zwei Kindergärten/Grundschulen und acht Kindergarteninitiativen in Kenia, die solch eine Begleitung suchen.

Vor allem Ann Scharfman (Kindergärten) und Peter van Alphen (Grundschulen), die in Südafrika viel Erfahrung als Pädagogen gesammelt haben, waren in den vergangenen zwölf Jahren als Mentoren für diese Lehrer unterwegs und werden weitere fünf Jahre diese Aufgabe fortsetzen. Finanzielle Unterstützung dafür konnte durch die Freunde der Erziehungskunst gefunden werden.

Ziel dieses Projektes ist es, ein vertieftes Verständnis und eine Praxis der Waldorferziehung in den Schulen dieser drei Länder zu entwickeln, das die Lehrer unabhängig werden lässt von ausländischen Ausbildern. Wenn einmal genügend gut ausgebildete Waldorflehrer unterrichten, werden die Schulen ihre eigenen Ausbildungen in ihren Ländern etablieren können.

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