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Notfallpädagogik weltweit

50 Jahre nach der Gründung der Freunde der Erziehungskunst verfolgt der Verein drei große Tätigkeitsbereiche. Neben der Förderung der weltweiten Waldorfschulbewegung, mit der unsere Arbeit in den 1970er-Jahren begann, begleiten wir seit 1993 Freiwillige im In- und Ausland. Seit 2006 engagieren sich die Freunde mit der NOTFALLPÄDAGOGIK für Kinder in Kriegs- und Krisensituationen. Neben 50 Jahren weltweite Waldorfschulbewegung feiern wir in diesem Jahr also ein zweites Jubiläum: 15 Jahre NOTFALLPÄDAGOGIK. Mit diesem Spendenaufruf möchten wir Sie bitten, diesen wichtigen Arbeitsbereich der Freunde zu unterstützen.

Die notfallpädagogische Arbeit der Freunde begann – eigentlich schicksalshaft – im Sommer 2006 bei der Fußballweltmeisterschaft. Die Stadt Stuttgart war einer der Austragungsorte der Spiele und ihr Oberbürgermeister veranstaltete als Kulturbegleitprogramm ein UNESCO-Friedensfestival, zu dem er 2006 Jugendliche aus aller Welt eingeladen hatte. Darunter 300 Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler aus 16 Ländern, deren Besuch von den Freunden der Erziehungskunst organisiert und begleitet wurde.

Nach Ende der Fußballweltmeisterschaft lud die Waldorfschule Überlingen die Waldorfjugend noch zu einer Begegnungswoche an den Bodensee ein. Mitten in dieses internationale friedenspädagogische Event hinein platzte der israelisch-libanesische Krieg. Die Infrastruktur Libanons wurde schwer beschädigt: Flughäfen, Brücken und Hauptverkehrsstraßen wurden zerstört und der Süden des Landes vorübergehend von israelischen Truppen besetzt. Die 21 Schülerinnen und Schüler der heilpädagogischen Schule in Beirut, der einzigen Gruppe von Jugendlichen mit Behinderung des Stuttgarter UNESCO-Friedensfestivals, war die Rückreise in ihre Heimat verunmöglicht. In der Stuttgarter Karl Schubert Schule fanden die Jugendlichen eine gastfreundschaftliche Herberge und die Stadt Stuttgart scheute weder Mühen noch Kosten, die unfreiwillige Verlängerung des Aufenthaltes erträglich zu gestalten. Doch auch wenn die Jugendlichen hier sicher und gut aufgehoben waren, so wollten sie und ihre Familien doch wieder miteinander vereint sein.

Libanon 2006: Heimreise in den Krieg

Schließlich entschlossen sich die Verantwortlichen der Stadt Stuttgart und der Freunde der Erziehungskunst die Gruppe nach Beirut – und das hieß in den Krieg – zurückzuführen. Nach einer zweitägigen Reise auf abenteuerlichen Pfaden über Syrien und den Norden Libanons konnten die Jugendlichen unversehrt ihren glücklichen Eltern in Beirut übergeben werden. Doch die deutschen Helferinnen und Helfer erlebten vor Ort etwas, was sie bisher nur aus dem Fernsehen kannten: Krieg hautnah. Und sie trafen in den Flüchtlingslagern auf die menschlichen Opfer, die Kollateralschäden politischer Interessen: traumatisierte Kinder. Jeder Heil- und Sonderpädagoge weiß, wie verhältnismäßig einfach und nachhaltig es ist, diesen Kindern im Anfangsstadium der Traumatisierung bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen und wie beschwerlich sich nachhaltige Hilfe zu einem späteren Zeitpunkt, an dem sich traumabedingte Symptome und Reaktionsbildungen bereits chronifiziert haben, gestalten wird.

Die traumatisierten Flüchtlingskinder in der heilpädagogischen Schule in Beirut wurden zu Geburtshelfern der NOTFALLPÄDAGOGIK auf Grundlage der Waldorfpädagogik. Auch heute sind wir der heilpädagogischen Schule in Beirut verbunden. Sie ist Teil der Step Together Association, in der es neben der Schule auch Ausbildungsprogramme, Werkstätten, therapeutische Programme und ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen gibt. Auch nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut am 4. August 2020 reiste sofort ein notfallpädagogisches Team der Freunde nach Libanon, um Schulungen mit den Betreuenden von Step Together durchzuführen und bei Hausbesuchen mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.

Oakland, USA: Wenn der Alltag zum Trauma wird

Die NOTFALLPÄDAGOGIK der Freunde der Erziehungskunst wendet sich – gerade in Krisen- und Katastrophensituationen – an alle Menschen. Durch den waldorfpädagogischen Ansatz ergeben sich ähnlich wie bei der heilpädagogischen Schule in Beirut immer wieder Kooperationen mit Waldorfschulen oder Waldorfkindergärten – überall auf der Welt. So zum Beispiel im kalifornischen Oakland in den USA. Die Community School for Creative Education ist eine mit Elementen der Waldorfpädagogik arbeitende, staatlich finanzierte Schule.

„95 Prozent der Kinder kommen aus wirtschaftlich eher prekären Situationen in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule“, erklärt Ida Oberman, die Gründerin der Schule. Die Gegend ist geprägt von Kriminalität und Drogenkonsum, was zu Traumatisierungen bei vielen der Schülerinnen und Schüler führt. Eng verbunden mit der deutschen Waldorfpädagogik beobachtete Oberman die Entstehung der notfallpädagogischen Arbeit der Freunde und setzte sich dafür ein, dass diese auch den Kindern an ihrer Schule zugutekommt. Seit 2013 reist jedes Jahr ein notfallpädagogisches Team in die Schule, um Seminare für die Lehrenden und Vorträge für die Familien der Kinder zu geben. Auch für Mitarbeitende kommunaler Institutionen, Nachbarschaftshilfeorganisationen oder Kirchengemeinden werden dabei Workshops angeboten, die gerne angenommen werden.

Irak/Kurdistan: Sorge um die Kinder in Flüchtlings-Camps

Hier wie bei der notfallpädagogischen Arbeit in konkreten Katastrophensituationen ist neben der direkten Arbeit mit den Kindern auch die Arbeit mit Pädagog:innen von großer Bedeutung. Ein großer Teil unserer Arbeit ist deswegen die Ausbildung zum Notfallpädagogen oder zur Notfallpädagogin. Je besser die Menschen vor Ort geschult sind, umso schneller kann im Ernstfall gehandelt werden. So ist es auch bei unserer Arbeit im Irak. Nach dem Einmarsch der Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ ist die Situation in Syrien und den angrenzenden Staaten seit vielen Jahren prekär. Millionen Menschen waren und sind auf der Flucht. Die Zivilbevölkerung und allen voran die Kinder sind die tragischen Opfer dieser Kämpfe. Im August 2013 gab es einen ersten notfallpädagogischen Einsatz in Libanon, bei dem syrischen Flüchtlingskindern notfallpädagogische Hilfe geboten wurde.

In Zusammenarbeit mit UNHCR, dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen ist die NOTFALLPÄDAGOGIK seit Ende 2013 auch in der Autonomen Region Kurdistan in Flüchtlingslagern aktiv. Zu Beginn der Arbeit im Nordirak gab es kaum Angebote zur psychotraumatischen und psychischen Versorgung. Unsere lokalen ausgebildeten Notfall- und Traumapädagog:innen helfen den Kindern und Jugendlichen, mit ihren traumatischen Erfahrungen umzugehen und den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Eine nachhaltige Verbesserung der Situation kann durch Ausbildung der lokalen Experten zu Ausbilder:innen erreicht werden, da sich so Versorgungsstrukturen auch ohne die Hilfe internationaler Organisationen ausweiten können. In der Zwischenzeit gibt es über

40 lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ausgebildet wurden und unter dem Namen FWE (Friends of Waldorf Education) täglich mit den Kindern und Jugendlichen in drei Camps arbeiten. Außerdem haben wir ein Büro vor Ort, das die Arbeit koordiniert sowie Seminare plant.

Neben den hier beschriebenen Beispielen arbeitete die NOTFALLPÄDAGOGIK der Freunde mit in Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen u. a. in Gaza (2009-2014), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Kenia (2012-2013, 2017), Philippinen (2013-2015, 2018), Bosnien und Herzegowina (2014) und Nepal (2015), auf Lesbos (2015), in Ecuador und Haiti (2016), Mexiko (2017), Bangladesch (2017-2018), Indonesien (2018), Mosambik und Simbabwe (2019).

Doch diese wichtigen Einsätze sowie die Ausbildung von lokalen Notfallpädagog:innen ist nur mithilfe von Spenden möglich. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, Traumatisierungen und Ängsten aktiv entgegenzuwirken.

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Wir schauen nach vorne!

Bleibt optimistisch und macht mit.

Sicher fragen sich gerade viele von euch, wie ein Freiwilligendienst ab Herbst 2020 möglich sein wird. Wir bleiben zuversichtlich und arbeiten intensiv an Lösungen. Deshalb gilt: Bewerbt euch weiter und denkt positiv! Alle, die sich weltweit sozial engagieren wollen und optimistisch nach vorne schauen, werden gerade jetzt besonders gebraucht. Unsere Einsatzstellen freuen sich auf euch. Gemeinsam werden wir es schaffen, den Weg in euren Freiwilligendienst zu ermöglichen.

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Liebe*r Bewerber*in,

Unsere Plätze sind für das Jahr 2021 belegt.

Unter bestimmten Bedingungen ist jedoch eine Platzierung für Bewerbungen aus der EU möglich. Fragen Sie bei Interesse bei uns an.


Dear Applicant,

Our places are occupied for the year 2021.

However, under certain conditions, a placement is possible for applications from the EU. In case of interest inquire with us.


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Nuestras plazas están cubiertas para el año 2021.

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