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Pädagogische Erste Hilfe

Bei Naturkatastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen bricht die äußere Infrastruktur zusammen. Soforthilfemaßnahmen, wie die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser, Medikamenten, Decken und Zelten, sind für die Betroffenen überlebenswichtig und werden von zahlreichen Organisationen im Bereich der Humanitären Hilfe gewährleistet. Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst leistet in diesem Kontext pädagogische Erste Hilfe. Im psycho-sozialen Sektor bietet sie einen nicht-konfrontativen, pädagogischen Ansatz, der Verarbeitungsprozesse fördert und unterstützt. Anders als in der Psychotherapie finden notfallpädagogische Maßnahmen in Gruppen und nicht in Einzelsitzungen statt. Dabei werden kulturspezifische Elemente, wie landesübliche Kinderlieder-und -spiele, aufgegriffen. Letzteres macht die Qualifizierung und Zusammenarbeit mit lokalen Pädagoginnen und Pädagogen unabdingbar.

Die notfallpädagogischen Einsätze

Bei notfallpädagogischen Kriseninterventionen wirken Fachkräfte aus pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Berufen ehrenamtlich mit, die aufgrund ihrer Fachkompetenz und ihres Methodenrepertoires mit unterschiedlichen Zielgruppen arbeiten. Die drei Arbeitsschwerpunkte der Notfallpädagogik:

1. Die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen

Der Fokus notfallpädagogischer Krisenintervention ist die psychosoziale Stabilisierung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Bei jedem Einsatz wird ein rhythmisierter, gestalteter Tagesablauf eingeführt, zu dem Ruhe- und Aktionsphasen gehören. Je nach Möglichkeit vor Ort werden feste Essens- und Schlafenszeiten eingerichtet, um den Kindern und Jugendlichen Sicherheit zu vermitteln.

In gestalteten Spielphasen, im Freispiel und in Phasen kreativ-künstlerischer Gestaltung (Zeichnen,Malen, Plastizieren, Kneten usw.) sollen die Selbstheilungskräfte wieder freigesetzt und aktiviert werden. Gleichzeitig wird den Kindern durch künstlerische Aktivität die Möglichkeit gegeben, Erlebtes nonverbal auszudrücken, was den Verarbeitungsprozess zusätzlich unterstützt.

2. Multiplikatorenausbildung (Capacity Building)

Die Zusammenarbeit mit lokalen Fachkräften umfasst theoretische und praktische Elemente. Auf theoretischer Ebene werden die KollegInnen vor Ort allgemein in Traumatologie und Notfallpädagogik eingeführt. Ergänzt werden die Trainingseinheiten durch eine theoretische und praktische Methodenvermittlung, bei der sie ermutigt werden, Lieder und Spiele etc. aus ihrer eigenen Kultur in einem notfallpädagogischen Kontext zum Einsatz zu bringen.

3. Elternberatung

Um nachhaltig notfallpädagogische Maßnahmen zu etablieren, ist es wichtig, Eltern in die Arbeit einzubeziehen und sie gleichzeitig darin zu unterstützen, mit den traumabedingten Verhaltensänderungen ihrer Kinder umgehen zu können. Bestandteile der Elternberatung können Fragen zu Erziehungsproblemen, zum Umgang mit traumatisierten Kindern, aber auch generelle Familienprobleme sein.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Multiplikatorenausbildung sowie die Einbeziehung der Eltern sind – je nach örtlicher Gegebenheit – Bestandteil jeder notfallpädagogischen Krisenintervention, doch liegt der Fokus auf der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Bei Folgeeinsätzen bzw. traumapädagogischen Interventionen hingegen verschiebt sich der Schwerpunkt häufig auf die Aus- und Weiterbildung der Erwachsenen.

News

  • +++ 01.10.2018 +++

    Katastrophe in Indonesien

    Das schwere Erdbeben und der Tsunami vom vergangenen Freitag hat der indonesischen Insel Sulawesi Tod und Zerstörung gebracht.  Um die traumatisierten Menschen in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, wird Ende der Woche ein notfallpädagogischer Einsatz in der Krisenregion stattfinden. weiter

  • +++ 21.09.2018 +++

    Hilfe auf den Philippinen

    Ein Team der Notfallpädagogik fliegt vom 27.09. bis zum 08.10. auf die Philippinen. Gemeinsam mit vier lokalen Kollegen werden sie die Betroffenen des Taifun „Mangkhut“ unterstützen. Der Sturm hat auf den Philippinen schlimme Schäden angerichtet und viele Menschen das Leben gekostet. Erdrutsche und Schlammlawinen erschweren die Situation zusätzlich.

  • +++ 20.09.2018 +++

    Einsatz in Gaza

    Im Herbst reist erneut ein dreiköpfiges Notfallpädagogik-Team nach Gaza. Unterstützt von der DROSOS-Stiftung soll ein Handbuch (Guidelines) für lokalen Pädago*innen des Nawa Centers und des Kindergartens entstehen. Die Workshops und der Einsatz dienen zur Vorbereitung dieses kulturellangepassten und genau auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnittenen Leitfadens.

  • +++ 28.07.2018 +++

    Aufbau einer Traumaambulanz in Mossul

    Bernd Ruf und sein Team führten Mediziner des Mosul General Hospital in einem ersten Seminar in die Notfall- und Traumapädagogik ein. weiter

  • +++ 11.06.2018 +++

    HINWEIS: Notfallpädagogische Jahrestagung 2019

    Vom 20.-23. Juni 2018 findet die achte Notfallpädagogische Jahrestagung in den Räumlichkeiten des Parzival-Zentrums in Karlsruhe statt.
    Unter dem Titel „Notfallpädagogik - Wie Pädagogik verletzten (Kinder-) Seelen helfen kann“, legen wir bei unserer nächsten Jahrestagung den Fokus auf die Basis der Notfallpädagogik.

    Programm und weitere Informationen

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