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Sierra-Leone 2015-2016

Seit einem Jahr ebolafrei

Am 17.3.2016 wurde Sierra Leone offiziell für „ebolafrei“ erklärt. In der öffentlichen Wahrnehmung war die verheerende Epidemie damit überwunden und die Menschen konnten zum alltäglichen Leben zurückkehren. Doch dieser Schein trügt, denn die Auswirkungen der Krankheit sind weiterhin deutlich spürbar: Noch immer herrscht die Angst vor einem erneuten Ausbruch der Epidemie, die neben den physischen Leiden auch starke gesellschaftliche Verwerfungen zur Folge hat.

Besonders schwierig ist die Situation für Überlebende. Sie werden oftmals als „unrein“ oder gar „gefährlich“ angesehen, erfahren Stigmatisierung und werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. „Wir wurden wie Tiere behandelt, Essen wurde einfach vor die Tür geworfen“, beschreibt eine Überlebende im Dorf Kroo Bay. Zudem sind Kinder deren Eltern, oder Familien deren Versorger während der Epidemie verstarben, weitestgehend auf sich allein gestellt. Eine soziale Absicherung gibt es nicht, wer Glück hat, erfährt Unterstützung durch Verwandte oder Nachbarn.

Als Reaktion auf diese Situation haben der lokale Partner Development Initiative Programme (DIP) und die deutschen Organisationen 'Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners', 'Kinderhilfswerk Global Care', 'LandsAid' und 'TERRA TECH' im Jahr 2015 ein gemeinsames Projekt begonnen. Es ermöglicht Ebola-Überlebenden die Rückkehr in die Gesellschaft, bietet ihnen medizinische und psycho-soziale Betreuung und zeigt wirtschaftliche Perspektiven auf. Dieses Projekt beinhaltet Informationsveranstaltungen über Ebola, um Ängsten und Stigmatisierungen entgegenzutreten. Außerdem werden Freiwillige zu Gesundheitshelfer_innen ausgebildet. Vielen Kinder, die während der Epidemie ihre Eltern verloren, wird der Schulbesuch durch Sachspenden und finanzielle Hilfe ermöglicht. Zusätzlich werden psycho-soziale Maßnahmen zur Behandlung von Traumata durchgeführt. Für erwachsene Überlebende gibt es landwirtschaftliche Trainings und es werden berufsbezogene Starterkits mit entsprechenden Werkzeugen verteilt. Zum Beispiel erhalten Näherinnen Nähmaschinen, oder Farmer Saatgut. So kann den Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. 

(Text: TerraTech NGO)

Hilfe im Ebola-Gebiet

Seit einigen Wochen werden nur noch wenige Ebola-Neuansteckungen aus Westafrika gemeldet, Liberia gilt laut WHO als „Ebola frei“. Trotzdem ist die Situation in der Region nach wie vor angespannt. Die Bilanz der Seuche allein in Sierra Leone war und ist dramatisch. Über 12.000 Personen erkrankten im Land, rund 4.000 Tote waren zu beklagen. Diese offensichtlichen Folgen bringen viele verdeckte Auswirkungen mit sich.

Eines der größten Probleme ist, dass die Überlebenden oftmals stigmatisiert, diskriminiert und aus der Gesellschaft ausgestoßen werden. Neben diesen sozialen Spannungen gibt es auch dramatische ökonomische Auswirkungen. Die Erkrankten waren in der Quarantäne komplett von der Außenwelt abgeschnitten und konnten somit kein Einkommen generieren. Zudem kam es insgesamt zu einer enormen Behinderung der landwirtschaftlichen Aktivitäten, der Nahrungsmittelproduktion sowie der Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln. Dies führt zu einer Unterversorgung mit Lebensmitteln im ganzen Land. Zudem hinterlässt die Ebola-Krise auch langfristige psychologische Traumata.

Um die von Ebola verursachten sozialen und wirtschaftlichen Folgen zu bekämpfen, kooperieren die  'Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners' in Sierra Leone mit den deutschen Organisationen 'Terra Tech', 'Kinderhilfswerk Global Care' und 'LandsAid' sowie der lokalen Organisation 'Development Initiative Programme'. Gemeinsam wurde ein Maßnahmen-Katalog entwickelt, der gesellschaftliche Diskriminierung abbaut und Reintegration fördert. So wird Vertrauen geschaffen und ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Wirtschaftliche und psychosoziale Trainings
1000 Haushalte werden mit berufsbezogenen Werkzeugen und Materialien im Wert von je 100 Euro unterstützt. Um die Überlebenden auch längerfristig zu unterstützen, erhalten sie Fortbildungen in allgemeinen Finanzfragen und speziell im Mikrofinanzmanagement. Darüber hinaus erfolgen auch psychosoziale Beratungen. Denn das physische, psychische und soziale Wohlbefinden der Betroffenen ist eine wesentliche Grundlage für einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Landwirtschaftliche Schulungen
Für 2.400 Personen aus 80 Gemeinden werden landwirtschaftliche Schulungen durchgeführt. Diese Schulungen dienen einerseits dazu, das Einkommen der Gemeinden zu steigern und andererseits die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln auf den lokalen Märkten sicherzustellen. Inhalte der Schulungen sind z.B. organic farming und nachhaltige Landwirtschaft. Ziel dabei ist es, die Teilnehmer_innen so auszubilden, dass sie ihr neues Wissen in ihren Gemeinden weitergeben können.

Sensibilisierung durch Aufklärungsfilm
Es wurde ein Aufklärungsfilm produziert, um auf die psychosozialen Traumata der Kinder und Jugendlichen zu reagieren. Der Film beschreibt die physischen und psychischen Folgen für Kinder und Jugendliche nach einem traumatischen Ereignis. Zudem zeigt er konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Alltag zu Hause und in der Schule. Eine wesentliche Frage ist, wie Struktur, Rituale und Orientierung für Kinder und Jugendliche geschaffen werden können.

Schulungen zu Gesundheitshelfern
1500 junge Erwachsene werden zu Gesundheitshelfer_innen ausgebildet. Nach Ende der Ausbildung sind sie befähigt, einerseits Neuinfektionen aufzudecken und andererseits Post-Quarantäne-Haushalten zur Seite zu stehen. Die Gesundheitshelfer werden auf Gemeindeebene Aktivitäten durchführen, um Stigmatisierung und Diskriminierung zu beseitigen sowie Aufklärung zu den Themen Hygiene und Traumabewältigung zu leisten.

Unterstützung von Ebola-Waisen
Für 500 Ebola-Waisen und von den Auswirkungen von Ebola besonders betroffene Kinder wird der Schulbesuch sicher gestellt. Dazu werden sie mit Schuluniformen, Rucksäcken, Büchern sowie Heften und Stiften ausgestattet.

Zielgruppe des Projekts
Direkt profitieren 13.900 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von den Maßnahmen. Die indirekte Zielgruppe ist deutlich größer. Sie zählt rund 150.000 Personen, da z.B. auch Familienmitglieder und die lokalen Gemeinden insgesamt von den Maßnahmen profitieren.

Einbindung aller relevanten Akteure
Der Projekterfolg ist von gesellschaftlicher Akzeptanz abhängig. Daher werden einerseits Vertreter aus allen Regierungsebenen teilnehmen und andererseits Repräsentanten der Zivilgesellschaft (Frauen- und Jugendleiter, religiöse Leader etc) eng in die Durchführung eingebunden.

(Text: TerraTech NGO)

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