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Kurdistan-Irak Mai 2015

Kindheit im Flüchtlingslager

Sherin*, 9 Jahre, drängt sich an die Notfallpädagogin. Seit das ehrenamtliche deutsche Team der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. im Flüchtlingslager arbeitet, weicht sie der Einsatzleiterin kaum von der Seite. Was das jesidische Mädchen, das mit ihrer Familie aus dem Sindjar-Gebirge geflohen ist, alles durchmachen musste können die Notfallpädagogen nur erahnen. Sie spricht nicht darüber.

Um Kinder wie Sherin dauerhaft bei der Verarbeitung ihrer schrecklichen Erlebnisse zu helfen, haben die Freunde der Erziehungskunst in Kooperation mit UNICEF im Nordirak neun lokale Pädagogen eingestellt und ein Büro eingerichtet. Zur Ausbildung des lokalen Teams befand sich von 29. Mai bis 12. Juni ein ehrenamtliches deutsches Team vor Ort. Das notfallpädagogische Team bestand aus erfahrenen Erlebnispädagogen, Kunsttherapeuten, Waldorferziehern sowie einem Heilpädagogen.

Gemeinsam mit den lokalen Kollegen konnte das notfallpädagogische Team in vier UNICEF-Schulen vormittags mit ca. 770 traumatisierten Kindern arbeiten. Die Arbeit mit den Kindern war gleichzeitig Teil der praktischen Ausbildung der lokalen Pädagogen. In Vor- und Nachgesprächen wurden die Workshops besprochen und analysiert. Nach und nach wurde die Leitung der pädagogischen und therapeutischen Angebote in die Hände der irakischen Kollegen übergeben. Nachmittags wurde die Fortbildung des lokalen Teams in Workshops zum Methodenverständnis weitergeführt. Auch die Traumatisierungen der Teammitglieder wurden thematisiert und notfallpädagogisch begleitet.

Nach den schrecklichen Erfahrungen der Flucht sind die Lebensumstände im Flüchtlingslager für alle Bewohner zusätzlich belastend, bei Temperaturen bis zu  45 Grad Celsius wird die Hitze in den Zelten schon früh morgens unerträglich. Doch es gibt keinen Ort wohin die Menschen gehen könnten, keine Kühlung. Wasser und Strom sind nur unregelmäßig verfügbar. Ohne Perspektiven können die Flüchtlinge ihrer Opferrolle nicht entkommen. Auch die Lehrer, die in den UNICEF-Schulen unterrichten, fühlen sich machtlos. Deshalb wurden auch für sie Fortbildungen zu den Methoden der Notfallpädagogik angeboten. Hier konnte auf das Grundlagenwissen aufgebaut werden, dass den Lehrern bereits während des letzten Einsatzes im März dieses Jahres vermittelt werden konnte. Für viele der Lehrer stand die Frage nach dem Umgang mit aggressivem und destruktivem Verhalten der Kinder im Vordergrund. In den Workshops wurden Ihnen Erklärungen für die  traumabedingten Verhaltensänderungen der Kinder gegeben und mögliche pädagogische Antworten diskutiert. So sollen die Lehrer selbst gestärkt werden und ein stabilisierender Unterricht erreicht werden.

Auch für Eltern wurden Beratungen angeboten. Über 100 Mütter und Väter informierten sich über die Auswirkungen von Traumatisierungen auf ihre Kinder, über mögliche Belastungsreaktionen und einen stützenden und stabilisierenden Umgang.

Nach Ende des notfallpädagogischen Einsatzes des deutschen Teams wird die Arbeit nun von den lokalen Pädagogen übernommen. Unterstützt werden sie dabei weiterhin von einer Projektleiterin, die Arbeit vor Ort koordinieren wird.

*Name geändert

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