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„Warum kommen diese Leute aus Deutschland, um unseren Kindern zu helfen?“

Notfallpädagogik im Nordirak aus der Sicht eines lokalen Mitarbeiters

Am 17. März 2017 ging der 13. Einsatz der Freunde der Erziehungskunst im Nordirak zu Ende. In den Flüchtlingscamps werden seit 2015 lokale Fachkräfte kontinuierlich aus- und weitergebildet. Es wird vor allem Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter selbstständiger in ihrer Arbeit werden und tiefer in die Prinzipien und Methoden der traumapädagogischen Arbeit einsteigen.
Einer dieser lokalen Mitarbeiter ist Hameed Jirdo Murad. Seit nun bereits zwei Jahren arbeitet er für die Friends of Waldorf Education (FWE), wie die Freunde der Erziehungskunst im Irak heißen.


Damals beobachtete er, wie ein internationales Team gemeinsam mit lokalen Freiwilligen Spiele, Kunst und kreative Aktivitäten für die zahllosen, im Lager umherschweifenden Kinder anbot. Er habe sich gefragt: „Warum kommen diese Leute aus Deutschland, um unseren Kindern zu helfen?“. Als es zu Koordinationsschwierigkeiten zwischen den deutschen Mitarbeitern und dem lokalen Camp Management kam, bot Hameed seine Hilfe an und sprang als Übersetzer ein. Schnell wurde deutlich, dass er mit seiner menschlichen Wärme, Neugier und Offenheit viel mehr als nur hilfreiche Englischkenntnisse mitbringt.

Jeden Tag hilft Hameed nun, ein Stück sicheren Ort für die Kinder zu bauen.
Er erfreut sich an dem sozialen Umfeld, das durch die Arbeit in den Teams und mit den Menschen rund um das Kinderschutzzentrum im Flüchtlingslager entsteht. In der Ausbildung, die in regelmäßigen Einsätzen von deutschen und internationalen PädagogInnen, TherapeutInnen und medizinisch ausgebildeten Personen zur Notfall- und Traumapädagogik durchgeführt wird, habe er neben den Methoden und dem Fachwissen vor allem gelernt, wie wichtig Geduld und Ruhe in der Arbeit mit betroffenen Kindern sei. Nur so könne man ihnen den notwendigen Raum geben, damit „sie ihr Herz wieder öffnen“ können, erzählt er. Doch ausgelernt habe er noch nicht, die Arbeit mit den Einsatzteams sei immer wieder ein neuer Gewinn. Das neuerworbene Wissen setzt er in der Arbeit mit den Kindern um und gewinnt zunehmend an pädagogischem Geschick.

Wenn Hameed nicht in dem Kinderschutzzentrum im Flüchtlingslager arbeitet, lädt er oft Kinder zu sich in sein Zelt ein oder sucht sie in ihren Familie auf, um gemeinsam mit ihnen zu malen. Er staunt immer wieder aufs Neue über die vielen gemalten Bilder, in denen die Kinder ihre eigenen Geschichten, Gedanken und Träume erzählen. Dank der Ausbildung in einfachen kunsttherapeutischen Methoden, weiß er das Malen bewusster anzuleiten und die Bilder besser zu verstehen.

Hameed erzählt, dass er dankbar für die Arbeit sei, weil er dadurch seine Familie mit warmen Essen versorgen kann. Er wolle nicht reich werden, betont er, aber die Familie soll gut versorgt sein und das Nötigste für ein Leben in Würde besitzen. Die Arbeit mit FWE ist nicht nur eine kleine Einnahmequelle für Hameed, sondern gibt ihm vor allem die Möglichkeit, Kindern in der schweren Lebenssituation, in der er selbst lebt,  ein heilendes Umfeld zu schaffen in dem sie wieder ein Stück Freude erfahren können.

News

  • +++ 23.03.2017 +++

    Ausbildung in Notfallpädagogik

    Die zertifizierte Weiterbildung in Notfall- und Traumpädagogik für Menschen, die mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen arbeiten, startet im Mai.  mehr

  • +++ 13.03.2017 +++

    Notfallpädagogischer Einsatz in Ostafrika geplant

    Dürre und drohende Hungersnot in Ostafrika

    In Nordkenia, Äthiopien und Somalia herrscht seit Monaten Dürre. Ernteausfälle, fehlendes Trinkwasser und Hunger bedrohen die Menschen. Manche Kinder sind auf der Flucht, andere werden zuhause sich selbst überlassen. Wir planen die Errichtung eines Child Friendly Space und einen Einsatz in Zusammenarbeit mit unseren kenianischen Kollegen (aus Kakuma).

  • +++ 13.03.2017 +++

    ANMELDUNG: Notfallpädagogische Jahrestagung

    KRIEG, TRÜMMER & TRAUMATA

    Die Abteilung Notfallpädagogik lädt von 09.-11. Juni alle Interessierten ein, sich näher mit der Thematik der menschengemachten Katastrophen und ihren Folgen für Kinder und Jugendliche zu befassen.   Mehr lesen

    HIER DIREKT ANMELDEN

  • +++ 10.03.2017 +++

    "ankommen_weiterkommen" mit Aktion Mensch

    Aktion Mensch unterstützt die Notfallpädagogik und finanziert für die nächsten zwei Jahre das Projekt "ankommen_weiterkommen": Am Parzival-Zentrum werden für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - aber auch Karlsruher Jugendliche - pädagogische Angebote außerhalb des Unterrichts gemacht. Ziel ist dabei die Persönlichkeitsbildung, das soziale Lernen, die Berufsorientierung sowie der interkulturelle Austausch.

  • +++ 27.09.2016 +++

    Notfallpädagogik-Ausbildung

    Ausbildung in Notfall- und Traumapädagogik

    Derzeit entsteht ein Internationales Institut für Notfall- und Traumapädagogik, das ab 2017 eine Weiterbildung in Notfall- und Traumapädagogik anbieten wird. Ab Winter gibt es weitere Informationen. Hier mehr lesen

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